Das bisschen Haushalt

Das bisschen Haushalt

Na, wer hat jetzt einen fiesen kleinen Ohrwurm?! Ich will ja schließlich nicht allein leiden.

Letztens reichte es mir und ich befand, dass sich in unserer WG unserem Haushalt etwas ändern müsse. Mir war es zu chaotisch und ich hatte das Gefühl immer nur allen hinterherzuräumen. Zunächst besprach ich Grundlegendes mit dem RB, aber auch der midi-monsieur konnte sich nicht entziehen. Es ist ja nicht so, als hätte er bislang als Prinz in diesem Haushalt gelebt und nichts gemacht, aber seine Mithilfe war manchmal durchaus „teuer“ erkauft. Damit sollte nun Schluss sein.

Ich finde, dass ein Kind ab einem bestimmten Alter – nein, nicht erst mit fast zehn wie der midi-monsieur, das geht durchaus früher – feste Aufgaben im Haushalt haben kann und auch sollte. Nein, ein Kind wird dadurch nicht in seinem Kindsein eingeschränkt. Vielmehr finde ich es wichtig für bestimmte Prozesse:

  1. Zum Erwachsenwerden gehört dazu, dass eine irgendwann mal alleine einen Haushalt führt. Dazu sollte sie grundlegende Dinge wissen und können.
  2. Gemeinschaften – und Familien sind Gemeinschaften – funktionieren nur, wenn jede ihren Teil dazu beiträgt.
  3. Kinder müssen lernen, dass bestimmte Dinge Arbeit machen. Nervige Arbeit. Langweilige Arbeit. Aber dass diese Arbeit erledigt werden muss.
  4. Wenn mehrere Personen etwas gemeinsam erledigen, ist das Etwas schneller erledigt und es bleibt mehr Freizeit für alle.
  5. Es ist nicht ausschließelich eine Person für den Haushalt zuständig. Und schon gar nicht nur die Mutti.
  6. Es fördert durchaus den gegenseitigen Respekt, wenn nicht ein Familienmitglied als Dienstbotin für alle angesehen wird.

Ich erinnere mich immer wieder gerne an eine Begebenheit mit meinem Vater. Ich war so 17 Jahre alt und er arbeitete außerhalb unseres Wohnortes und war während der Vorlesungszeit nur am Wochenende zu Hause. An einem Samstagmorgen klopft es an meine Zimmertür. Vermutlich war ich schon wach, sonst hätte ich das Klopfen nicht gehört, und bat herein. Ich drehte mich zum Fußende des Hochbettes und guckte runter. Mein Vater guckte hoch, grinste mich an und meinte ganz trocken: „Guten Tag, ich wollte mich mal vorstellen: Ich bin der Hauptmieter dieser Wohnung.“

Das beschreibt mein Verständnis für familiäres Zusammenleben durchaus recht gut: Die Eltern sorgen für die Basis, also dass die Wohnung und die Lebensmittel finanziert werden. Das ist ihre primäre Aufgabe (zumindest was den Haushalt anbelangt). Sind die Kinder noch klein, müssen die Eltern natürlich mehr Versogungsaufgaben übernehmen. Aber so wie ich irgendwann mein Kind nicht mehr fütter(n muss) oder anziehe(n muss), so kann das Kind irgendwann allgemeine Aufgaben im Haushalt übernehmen.

Ich gebe zu, dass ich das beim midi-monsieur etwas habe schleifen lassen. Gerade in der AE-Zeit hatte ich oft nicht die Energie, mit dem Kind zu diskutieren, warum er diesesjenes erledingen solle. Außerdem hatten wir ja auch genug andere Baustellen.

Nun aber ist der RB eingezogen normalisiert sich hier alles und ich muss das Zeitfenster nutzen, bevor die Pubertät losgeht. Und so hat das Kind seit einiger Zeit eine feste Aufgabe: Spülmaschine aus- und wieder einräumen. Wobei der RB und ich nicht morgens unsere Frühstückssachen stehen lassen, damit der midi-monsieur sie erst am Nachmittag wegräumt. Sein Zimmer ist schon lange seine Sache – gelegentlich mache ich eine Ansage, wenn ich meine, dass es mal wieder Zeit ist. Und seine Wäsche muss er auch selbst wegräumen – in beide Richtungen. Das funktioniert allerdings nur so leidlich. Er geht auch Brötchenholen und Kleinigkeiten einkaufen. Und ich kann ihn schicken, Briefe und Pakete wegzubringen.

Und weil das noch die der Weisheit letzter Schluss ist, habe ich mich mal umgehört:

Die Antworten waren vielfältig und vor allen Dingen höchstinspirierend. Bei einigen sind es feste Aufgaben, bei anderen machen die Kinder es auf Zuruf*. Je jünger die Kinder sind, desto eher scheinen sie Dinge freiwillig zu machen. Manche Kinder dürfen sich aussuchen, welche Aufgaben sie übernehmen. Tja und vielleicht sind da ja auch noch Ideen für die eine oder andere Familie dabei:

  • eigenes Zimmer
    • aufräumen
    • saugen / wischen
    • Bettwäsche wechseln
  • Schulsachen
    • Schulranzen ausräumen
    • Sportsachen bereitlegen
    • Brotdose ausräumen
  • Tischdienst
    • Tisch decken
    • Tisch abräumen für sich / alle
    • Tisch abwischen
    • um Tisch fegen
  • Spülmaschine / Geschirr
    • einräumen
    • ausräumen
    • spülen
    • abtrocknen
  • Müll
    • wegbringen
    • Recyclingmüll sortieren
    • Recyclingmüll wegbringen
  • Einkäufe
    • verräumen
    • allein zum Bäcker
    • allein zum Supermarkt
  • Kochen
    • allein
    • helfend
  • Wäsche
    • (eigene) in den Wäschekorb
    • sortieren
    • (aus Keller) holen
    • Waschmaschine bedienen
    • Trocker bedinenen
    • aufhängen
    • zusammenlegen
    • verräumen
    • Socken sortieren
  • Putzen / aufräumen
    • gemeinsam mit Eltern putzen
    • Treppenhaus kehren / wischen
    • Bad – ganz oder teilweise – putzen
    • einen Raum (zusätzlich zum eigenen Zimmer) ein Mal in der Woche saugen und nass wischen oder zumindest fegen
    • ganze Wohnung staubsaugen
    • lüften
    • staubwischen
    • abends Boden aufräumen
    • Sachen aus Gemeinschaftsräumen halten
    • Schuhe putzen
    • Schuhe u/o Jacken aufräumen
    • Auto putzen / aussaugen
  • Getränke
    • verantwortlich für Getränke auf dem Tisch
    • aus dem Keller holen
  • Sonstiges
    • Briefkasten leeren
    • Blumen gießen
    • Tiere versorgen
    • Blumen kaufen
    • Garten
    • Dinge aus Keller holen
    • einheizen, Holz holen
    • auf Geschwister aufpassen
    • kleine Besorgungen

Viel Spaß beim Aufgabenverteilen!

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* und zum Teil gegen Bestechung** Tabletzeit, Extra-Taschengeld oder ähnliches

** NICHT ernst gemeint. ICH finde so etwas völlig legitim.

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