Ein Abend für mich

Ein Abend für mich

Mein Heute-Ich war meinem Vor-Wochen-Ich sehr dankbar. Denn vor ein paar Wochen, als ich irgendwo in den SoMe darüber gestolpert war, hatte ich mir in meinen Kalender mit Erinnerung eingetragen, dass Justin Sullivan solo heute in Frankfurt spielen wird. Open-Air. Als ich es eintrug, dachte ich noch: Mal schauen, wie das Wetter ist und wenn es dann noch Karten gibt, gehe ich hin. Außerdem war es ja ein Solo-Konzert mit expliziten Solo-Stücken, die ich mir mal angehört hatte, und ich nicht ganz sicher war, ob ich ein Konzert nur damit gut finden könnte. Sie lassen sich gut anhören – so im Hintergrund.

Vor zwei Wochen oder so offenbarte mir der RB, dass er an diesem Wochenende nicht da sein würde. Die Info ist irrelevant, weil sie nichts mit meiner Entscheidung zu tun hat.

Ich hatte heute einen produktiven Tag – danke liebe Hormone, danke liebes Vitamin D – und war am späten Nachmittag, als mein Kalender mich an das Konzert erinnerte, auch nicht k.o. Ich fragte das Kind – rhetorisch -, ob es für ihn problematisch sei, wenn ich heute auf ein Konzert ginge. Er fragte nur, wie lange ich weg sei und hatte Pläne … die ich im Keim erstickte. Vor allem, weil ich mir recht sicher war, dass andere Eltern ihr Kinder nicht abends noch zum Kind lassen würden. Aber gut, ungestörte Zockzeit war auch ausreichend attraktiv, dass ich ausgehen durfte.

Etwas verzögert kam ich los, hatte aber Glück, dass ich just an der Haltestelle ankam, als die Bahn kam (und ich kein 15 Minuten warten musste).

Vor Ort wurden Impfzertifikat in der App und wenigstens der Perso dazu angeguckt. Was so schwer daran ist, den QR-Code vom Impfzertifikat zu scannen, erschließt sich mir nicht. Da ich eine Abendkassenkarte brauchte, die nicht personalisiert war, brauchte es Kontaktverfolgung (gemäß neuer Regelung eigentlich nicht, aber ist ja nicht verkehrt): Zu Wahl standen Luca-App (nein, einfach nein) oder profaner Zettel. Joah, was so schwer daran ist, einen QR-Code fürs Einloggen via CWA zu generieren, erschließt sich mir nicht.

Wie das heutzutage so ist, braucht es beim Konzert einen Sitzplatz. Es ist schon absurd. Vor der Pandemie habe ich sogar auf Konzerte verzichtet, wenn sie nur bestuhlt geplant waren oder ich nur noch einen Sitzplatz bekommen hätte. Nun freut sich eine, überhaupt wieder Live-Musik erleben zu können – auch im Sitzen.

Ich besorgte mir was zu essen und einen Sitzgelegenheit (der Platz ist leider etwas verwinkelt und mit Bäumen, sodass nicht überall ein guter Blick auf die Bühne möglich war und auch schon viele Tische belegt waren).

Justin fing recht pünktlich an und saß da nur mit seiner Stimme und seinen Gitarren auf der Bühne und spielte. Und war wahnsinnig präsent so allein, nur er, seine Stimme und seine Gitarren.

Und als er ein paar New-Model-Army-Songs spielte – allein -, war klar, wie sehr die Band von ihm geprägt ist – auch wenn der Sound von New Model Army mit Schlagzeug, Keyboard, Bass und zweiter Gitarre natürlich anders ist. Achja, seufz. Meine New-Model-Army-Karte für ein Konzert im November 2020 ist nun auf 2022 verschoben worden. Aber ich freue mich immer noch vor.

Die Songs von NMA und auch seine Solo-Songs erzählen Geschichten und/oder zeigen Haltung. Und so nehme ich neben toller Musik, „fucking Brexit“ und einer starken anti-nationalistischen Haltung einen inspirierenden Gedanken zur Pandemie mit:

Die Pandemie hat uns alle zu einer extremeren Version von uns selbst werden lassen. Durch die fehlenden Sozialkontakte findet weniger Reibung statt, die unsere Ecken und Kanten abmildert bzw. in Relation setzt.

Das trifft sehr auf mich zu. Ich habe das Gefühl, dass ich sonderbarer, ungnädiger, kompromissloser, eigenbrödlerischer, ungeduldiger geworden zu sein. Auch daher ist es gut, dass die Impfungen und 2G Sozialkontakte wieder möglich machen und ich muss mich noch immer überwinden.

Danke für den großartigen und inspirierenden Abend <3

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