Sonntag

Sonntag

„Euer Montag ist mein Sonntag“, pflegt der RB zu sagen. Denn der RB arbeitet oft auch am Sonntag. Nur am Montag ist sein Laden immer zu. Aber frei hat er deswegen noch lange nicht.

Heute hatte er quasi HomeOffice. Ausnahmsweise mal weniger Bürogedöns, sondern Verkostung. Tja, und da muss ich dann auch mit ran: Es gab 7 Weine und 3 Ginse. Und wer jetzt an einen illustren, feuchtfröhlichen Abend denkt, liegt falsch. Denn 10 alkoholische Getränke so zu konsumieren, dass eine noch etwas schmeckt, erfordert Konzentration und SaufTrinkkontrolle (wenn was schmeckt).

Generell gilt für mich bei Wein: Schmeckt oder schmeckt nicht. 1-2 Schlucke reichen aus, um dieses Urteil zu fällen. Dem RB geht es aber auch nicht darum, dass ich ihm fancy Tastingnotes präsentiere, sondern einfach sage, was ich meine. Wobei das oft nicht (verbal) nötig ist, denn wenn ich was im Mund habe, kann ich meine Gesichtskirmis nicht kontrollieren: Eine sieht mir direkt an, ob ich was mag oder nicht. Vermutlich wird mich der RB auch nie mit zu einem Weingut nehmen deswegen. Außerdem habe ich einen recht eingeschränkten Weingeschmack. Bei Weißwein am liebsten nur die Rieslinge von Dalgaard&Jordan. Bei Rotwein bin ich etwas offener. Aber im Holz ausgebaute Weine sind eigentlich nie was für mich.

Bei Gin bin ich viel offener und gebe jedem eine Chance. Manche gehen für mich nicht, aber das sind die wenigsten. Generell stehe ich aber auf Gin, der auch danach schmeckt, also mit einer ordentlichen Wacholdernote und gerne ein paar spannenden Botanicals. Er sollte pur gut schmecken. Mit Tonic* wird es bei mir mittlerweile immer schwieriger.

Beim Verkosten heute mussten wir die 3 Ginse erst pur verkosten. Klar. Dann mit Tonic, denn die Kundinnen wollen wissen, welches Tonic dazu passt. Also eine Runde mit dem Allrounder*: Passt das gut, oder was macht es mit dem Gin? Welches andere Tonic könnte besser passen? Und weil sich zwei der drei Ginse nicht mit dem Tonic vertrugen, gab es eine zweite Runde mit einem anderen Tonic. Wieder schmecken: Wie passt es jetzt und was macht es mit dem Gin?

Die Oliven fand ich ganz angenehm zum Neutralisieren**.

So ein Abend ist natürlich nicht total dröge, aber es hat auch nicht so viel mit Genuss zu tun.

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* Tipp für ein gutes universelles, nicht teures Tonic: das graue von Schweppes

** Aus dem Neutralisierungsmaterial zwischen verschiedenen Ginsen kann eine auch eine Wissenschaft machten. Natürlich ist Weißbrot deutlich neutraler als Oliven.***

*** Zwischen Whiskys wird in einigen Destillerien kandierter Ingwer zum Neutralisieren angeboten.

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