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Tag: 2. Januar 2020

Entscheidungsschwäche

Entscheidungsschwäche

Noch im letzten Jahr guckte ich in den Spiegel und dachte: „Boah, die olle Brille haste jetzt aber auch schon lang genug gesehen.“ und entschloss, dass ich nach dem Kurztrip ans Meer dringend eine neue bräuchte.

Heute dann – nach langem Ausschlafen – scheuchte ich den RB in die Klamotten und nahm ihn mit ins Optikergeschäft. Gemeinsam durchforsteten wir ca. 10 eng mit Brillen behangene Regale* Wände. Nach über 30 Jahren mit Brille weiß ich mittlerweile ganz gut, was mir steht und was alltagstauglich ist und so sind meine Kritieren für meine (!) Brille:

  • kein Metallgestell,
  • keine Nasen-Dingsis, äh, -pads,
  • nicht zu schmal (also in der Höhe),
  • nicht zu weit übers Gesicht herausragend**,
  • nicht zu eckig (insbesondere unten außen),
  • nicht rund,
  • nicht zu hell, aber auch nicht schwarz,
  • keine Halbbrille (das ist eh ganz komisch außer bei Lesebrillen)
  • Glasgläser****.

Gerade letzters scheint für einige Optikerinnen ein Problem unverständlich zu sein. Beim vorletzten Brillenkauf wollte eine mir auch inbedingt Kunststoffgläser verkaufen und war regelrecht beleidigt, weil ich auf Glas bestand. Und weil da die Kundin wohl nicht Königin ist, haben sie nichts an mir verdient. Tja, nicht mein Problem.

Nach einer guten Weile hatte ich dann vier Brillen in der engeren Auswahl. Und nachdem sich auch eine Optikerin bemüßigt fühlte, mich zu fragen, ob ich Hilfe bräuchte, konnte ich auch klären, dass zwei der Brillen nicht schmaler (in Relation zum Kopf) verfügbar sind und somit ausschieden. Dann bat ich die Optikerin, mir nochmal welche zu zeigen, die sie für mich auswählen würde und so kamen noch zwei wieder in die Auswahl. Ich probierte hin und her und zog die Brillen immer wieder auf, kroch fast in den Spiegel, weil ich ja nur auf kürzeste Distanz scharf sehe und fragte immer wieder den RB und die Optikerin, was sie denn meinen würden. Irgendwann waren dann nur noch zwei Brillen übrig und ich konnte mich nicht entscheiden.

Glücklicherweise musste ich dann erstmal einen Sehtest machen. Die freundliche Optikermeisterin setzte mir das Stärkentestdings vor die Nase und fragte dabei fast beiläufig: „Haben Sie das Gefühl, dass sich was verändert hat?“
„Naja, ich muss die Brille zum Lesen absetzen.“
„Sie kommen jetzt in das Alter, in dem man auf eine Gleitsichtbrille zusteuert.“
„Hmhm.“ (Hallo?! Ich werde erst in 10 Tagen 43.)
Dann sind wir erstmal mit Messen beschäftigt – also sie damit mit elektronisch immer wieder neue Stärkenvarianten vorzuschalten und ich damit, die Buchstaben in Reihe 1 und 2 zu entziffern. Als wir fertig sind erläutert sie, dass sich meine Stärke nochmal etwas***** verschlechtert hat: „Aber mit den neuen Stärken haben Sie wieder auf beiden Augen 125%. Das bedeutet aber auch, dass das Lesen mit Brille noch weniger funktioniert.“
„Und die Gleitsichtbrille?!“
„Solange es Sie nicht stört, die Brille zum Lesen abzunehmen, kommen Sie noch ziemlich lange darum herum.“

Das sind doch mal gute Aussichten******, nimmt mir aber auch nicht die Entscheidung ab, welches der beiden Brillengestelle, die durchaus unterschiedlich sind, ich nun nehmen soll. Also habe ich kurzerhand beide genommen. Und es kommen in beide auch die guten vollentspiegelten und dünngeschliffenen Gläser rein. (Damit habe ich dann endlich auch mal eine Ersatzbrille.*******)

In ein paar Tagen gibt es dann auch mal Bilder.

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* Naja, es sind ja keine klassischen Regale, sondern viele Halterungen, auf denen immer 3 Brillen Platz haben.

** Das ist ein Grund, warum mich die jetzige Brille stört. Sie ist mittlerweile deutlich breiter als mein Kopf***.

*** Ich komme jetzt wohl in das Alter, in dem der Kopf schrumpft…

**** Ja, die sind bei meiner Stärke releativ schwer – auch bei den extra dünn geschliffenen Gläsern, aber zum einen mag und brauche ich das Gefühl, etwas auf der Nase zu haben und zum anderen habe ich mich in all den Jahren immer geärgert, wenn ich Kunststoffgläser hatte (Beschichtungsprobleme, zerkratzen sehr schnell).

***** jeweils eine halbe Dioptrien

****** Auch wenn ich da oben etwas mit „Gleitsichtbrille = alt“ kokettiert habe, ist das nicht mein Problem an der Sache. Ich fürchte, dass meine Sehgewohnheiten mit Brille nicht mit der Sehart, die eine Gleitsichtbrille erfordert, zusammenpassen.

******* Ich hatte all die Jahre keine wirkliche Ersatzbrille. Nur die vorherige, die aber mittlerweile ziemlich verranzt ist und die ich nutze, wenn ich mir die Haare töne, färbe oder blondiere.