Möge es so weiter gehen

Möge es so weiter gehen

Über drei Wochen vom neuen Schuljahr sind um. Drei Wochen an der neuen Schule fürs Kind.

Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, ob er wirklich wechseln soll. Aber nachdem wir ja schon zu Grundschulzeiten das Thema hatten und ich es vermutlich da auch nochmal forciert hätte, wenn die unsägliche Klassenlehrerin nicht schwanger geworden wäre. Aber sie hatte in den ersten zwei Jahren schon sehr viel verbockt – beim Kind und für die Klassengemeinschat, in der er erst ganz am Schluss Fuß fassen konnte. Dem Kind hätten noch ein bis zwei Jahre Grundschule gut getan. Um Klassengemeinschaft zu erleben, um die ersten beiden Schuljahre zu „vergessen“, naja wenigstenszu kompensieren. Das gibt das deutsche Schulsystem aber nicht her (außer in Berlin).

Der Wechsel auf die weiterführende Schule war ähnlich blöd wie der auf die Grundschule: Kein Kind, mit dem er gut klarkam, wechselte auf diese Schule. Er stand – wieder – allein auf weiter Flur und in der neuen Klasse eingeschworenen Cliquen gegenüber. Es lief von Anfang an nicht rund. Früh sprach er von Schul- oder wenigstens Klassenwechsel. Ich führte Gespräche mit den Klassenlehrkräften. Ich war nicht happy. Das Kind auch nicht. Aber dann kam die Pandemie und Schule war anders, war nicht mehr Klassenverband, in dem er sich nicht wohlfühlte, sondern lernen, wann und wie es ihm gefiel. Das tat ihm gut. Auch der Wechselunterricht war okay. Das Kind hatte Spaß an Schule, Bock auf Lernen.

Doch als das 6. Schuljahr wieder mit Vollpräsenz lief, war er wieder unglücklich. Ihm ging es nicht gut. Diese Klasse tat ihm nicht gut. Ich führte wieder Gespräche. Wie schon ein Jahr zuvor schwang „victim blaming“ mit: Das Kind sei auch kein Engel. Er würde diesdasjenes machen. Er bräuchte sich nicht wundern, wenn die anderen Kinder darauf reagieren. Die Lehrkräfte sahen wohl nur eine Henne-Ei-Frage dabei. Außerdem müsse das Kind verstehen, dass in der Klasse einige halt Schwierigkeiten hätten. Er sei ja ein Leistungsträger in der Klasse, die anderen bräuchten mehr Unterstützung. Uff. Wenn das Inklusion sein soll, dann will ich das nicht. Es kann nicht sein, dass von unten in das System gestopft wird und die Leistungsstarken dadurch „oben“ rausfallen. Und gerade eine IGS muss das mit der Binnendifferenzierung schaffen.

Als nach der Winter-Schulschließung der Wechselunterricht wieder startete, blieb das Kind zunächst zu Hause. In Hessen war das zum Glück möglich. Dann kam der Vollpräsenzunterricht und die Lehrkräfte bestückten die Lernplattform nicht mehr (auch wenn sie gemusst hätten). Nach reiflichem Abwägen ging das Kind wieder in die Schule. 6 Tage lang. Dann eskalierte die Situation. Der RB nannte es so treffend: „Schule ist nicht Survival of the Fittest, sondern Survival of the Fiesest.“

Auf jeden Fall war die Situation so nicht mehr tragbar und ich kümmerte mich umgehend, wohin das Kind wechseln könnte. Es ging alles schnell und vielleicht war das auch gut so. Die Frankfurter Schulsituation ist so dermaßen angespannt, dass wir keine Wahl, aber wenigstens einen Alternative hatten.

Schlussendlich fällte das Kind die Entscheidung, denn ihn betrifft es hauptsächlich: Der Wechsel sollte geschehen.

Was mich durchaus erleichtert: Während die Schulleitung der alten Schule sich auf die Wechselnachricht gar nicht rührte*, war sich die eine Klassenlehrkraft nicht zu blöde, dem Kind noch einen „schlechte“ Note** reinzuwürgen. Die andere Klassenlehrkraft hat sich gar nicht mehr gemeldet.

Insgesamt hatte das Kind durch das alles 9 Wochen Sommerferien, in denen viel passierte und wir viel sprachen. Auch darüber, dass der Schulwechsel eine Chance für einen Neuanfang ist.

Er scheint es verinnerlicht zu haben. Er hat direkt erste Kontakte geknüpft und kommt gut gelaunt aus der Schule.***

(Und ich merke, wie mich allein diese drei Wochen mit einem entspannteren Kind entspannen.)

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* Ich habe aus AG-Zeiten immer noch einen Schlüssel der alten Schule.

** eine 3 in einem Fach, in dem das Kind bislang IMMER eine 1 oder 2 hatte. Außerdem wurde bei den Kopfnoten nochmal nachgetreten. Danke für nichts, Du arme Wurst.

*** Ich glaube ja auch, dass es ihm gut tut, dass er morgens und nachmittags 6 Kilometer mit dem Rad fährt.

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