Schwerer

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Zweite Welle: Tag 43

Ich war aus. Draußen. In kleiner unterhaltsamer Runde. Das war eine schöne Abwechslung. Es fühlte sich aber auch etwas komisch ungewohnt an: Mit Menschen längere Zeit verbringen, die nicht zu meinem Haushalt gehören.

Ich muss ein bisschen aufpassen, dass ich das nicht verlerne. Ich merke, dass ich extrem im Katastrophenmodus bin: funktionieren, alles am Laufen halten, immer in Habachtstellung. Ich kann eine grundlegende Anspannung nicht abstreiten. Ich habe kein Problem mit der „neuen Normalität“ (zumindest, wenn sich alle an die wenigen Regeln – AHA – halten würden), aber ich merke, dass von meiner Leichtigkeit, meinem Optimismus etwas in der Maske hängen geblieben abhanden geraten ist. Und nein, dass ist nicht dieses „endlich erwachsen werden“. Es ist vielmehr, dass die leichten Momente (Konzerte, spontan Museum, Freundinnen treffen, Umarmungen zur Begrüßung etc.) fehlen.

Ich kann und will nicht wie ein trotziges Kind schmollen, dass ich den SARS-CoV-2 doof finde und dass ich meine altes Leben zurück haben will. Da macht mein Kopf einfach nicht mit. Es ist jetzt wie es ist und wir müssen mit leben. Aber ich finde es doof, dass die Pandemie dazu führt, dass ich viel mehr Gefahr wittere (als eh schon), das Vertrauen in die Menschheit verliere und dass Freundschaften auf dem Prüfstand stehen.

Die Pandemie macht viel mit uns. Und wir werden als andere herausgehen (sollte sie einmal beendet sein). Wir werden nicht zu unserem „früheren Ich“ zurückkehren können.

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