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Tag: 16. Oktober 2020

In der zweiten Welle

In der zweiten Welle

Zweite Welle: Tag 84

Die Zahlen steigen ins Unermessliche. Ich kann mich darüber gar nicht (mehr) aufregen. Es war so klar, dass es so kommen wird. Die zweite Welle wird heftig – viel heftiger als die erste. Und ich bin mir sicher, dass jede in dieser zweiten Welle mindestens eine dirkete Angehörige oder Freundin haben wird, die sich infiziert. Andere Pandemie haben gezeigt wie es läuft. Aber warum aus der Vergangenheit lernen. Eine sieht ja auch am Rechtsruck wie lernresistent der Mensch ist.

Ich denke ein bisschen: Ach, hätte ich meine Eltern doch im Sommer nochmal besucht. Jetzt wird es so schnell nicht mehr gehen und das letzte Mal haben wir uns Weihnachten 2019 gesehen. Für das Kind ist es noch länger her. *seufz*

In der #CorotäneKneipe diskutieren wir darüber, wie Weihnachten gefeiert wird. Ich bin froh, dass wir keine Weihnachtstradition haben im Sinne von „da kommt die ganze Familie zusammen“ und auch dass ich generell nicht an den Weihnachtstagen hänge. Das Kind wird hier sein und wir werden es uns sicherlich zu dritt gemütlich machen. In der Kneipe machen die meisten mehr oder weniger große Abstriche, um die Liebsten und sich selbst heil durch die Pandemie zu bringen.

Und alle sind müde von den Maßnahmen, von unsolidarischen Mitmenschen vom Hüh und Hott der Regelungen. Wir werden weniger rauskönnen in den nächsten Monaten, es wird dunkler sein. Ich mag mir nicht ausmalen, was das mit der einen oder dem anderen macht. Wir haben alle unterschiedliche Limits. Ich bin immer noch an dem Punkt, dass ich denke „jo, da müssen wir jetzt durch und wenn es noch zwei Jahre dauert, dann ist das so. Aber was sind schon zwei Jahre?! Unter 5 Prozent meines bisherigen Lebens. Das ist nichts.“ Und klar, für das Kind mit seinen 11 Jahren sind 2 Jahre wiederum fast 20 %. Das ist eine ganze andere Nummer. Mir helfen dennoch die Relationen. Mir hilft auch sehr, mit immer wieder bewusst zu machen, in welche priviligierter Situation ich diese Pandemie erlebe:

  • super Kind,
  • toller Partner,
  • eine schöne Wohnung, in der ich gerne bin,
  • ein Job, den ich mag und im HomeOffice ausüben kann, und der ausreichend lukrativ ist.

Wenn andere sagen, dass 2020 weg kann, fühle ich mich immer etwas ertappt, weil ich denke: Naja, so schlimm ist das alles für mich persönlich nicht. Und ich denke auch, dass, wenn sich wirklich alle an die wenigen Regeln (Abstand, Maske, soziale Kontakte einschränken (sic!)) halten würden, dann wäre es für alle auch einfacher zu ertragen und wir kämen deutlich entspannter durch die Pandemie.