Verbockt

Verbockt

„Mama, ich bekomme morgen wohl einen zweiten Strich*.“

„Strich wofür?“

„Weil ich krank war.“

„So ein Quatsch. Doch nicht weil Du krank** warst.“

„Aber ich hab die Hausaufgaben in Deutsch nicht fertig gemacht.“

„Ich dachte, die Lehrerin war Montag nicht da. Wann gab es denn die Hausaufgaben?“

„Letzten Freitag.“

„Aber da warst Du doch auch krank.“

„Die anderen haben es mir Montag erklärt.“

„Okay. Und was hast Du heute in der Lernzeit gemacht?“

„Schon was.“

„Und wie viel fehlt noch?“

„Geht so.“

„Hättest Du das heute Nachmittag schaffen können?“

„Ja… schon.“

„Und was hast Du gemacht? Hast Du Deine Deutschsachen mitgenommen?“

„Öhm… hm… nee, mitgenommen hab ich nichts.“

„Du hast den ganzen Nachmittag*** gedaddelt, nachdem Du nach Hause gekommen bist. Du hättest heute Nachmittag problemlos Deutsch machen können und hättest dann immer noch genug Zeit gehabt, um Switch zu zocken.“

Das Kind druckst rum.

„Bei allem Verständnis dafür, dass Du krank warst, aber Du hättest es heute schaffen können. Wenn du tatsächlich einen Strich bekommen solltest, hast Du Dir das selbst zuzuschreiben.“

Er nickt.

„Davon wird die Welt nicht untergehen, aber Du muss Dich besser organisieren. Und vor allen Dingen: Du kannst das.“

Mal sehen, wie’s ausgeht.

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* Wer sich massiv daneben benimmt oder die Wochenhausaufgabe nicht macht, bekommt einen Strich. Bei drei Strichen wird ein Elter angerufen.

** am Dienstag

*** Das Gespräch fand um 18h00 statt, als ich nach Hause kam.

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