Fridays For Future – ein Statement

Fridays For Future – ein Statement

Dem höchst treffenden rantigen Thread bzw. Thread-Rant von Ulrike auf Twitter zu #FridaysforFuture ist nix hinzuzufügen:

Diese Diskreditierungsversuche von #FridaysForFurture aus der (deutschen) Politik machen mich so wütend, dass ich jetzt mal einen Sonntagmorgenthread dazu ablassen muss.

1) Verweis auf die Schulpflicht: Ich halte die allgemeine Schulpflicht insgesamt für eine gute Sache, aber für dieses Argument wird sie instrumentalisiert – u. a. von denen, die es seit Jahrzehnten (!!) nicht nur nicht hinbekommen, die Schulen zu erfolgreichen Lernorten für alle zu machen, sondern die es offenkundig überhaupt nicht juckt, wie viel Unterreicht wegen Lehrkraftmangel sowieso ständig ausfällt. Ich brauche nur an die Diskussion mit einem Bremer Lokalpolitiker zu denken, der mir allen Ernstes erklärt hat, Eltern würden den Unterrichtsausfall überschätzen, seine Statistiken zeigten, dass Unterricht zu 98 % stattfinden könnte.

2) Seit Beginn der PISA-Studien (die auch problematisch sind, aber anderes Fass) wissen wir, dass es auch in den deutschen Schulen massive Probleme gibt. Die Politik reagiert darauf mit hektischem Hin und Her in der Schulpolitik, echte Besserung ist m.E. nicht in Sicht. Trotzdem soll oberste Piorität sein, auch nur ja keine Stunde des schulischen Angebots zu versäumen?

3) Wen das PISA-Argument nicht überzeugt, braucht nur mal darauf zu schauen, wie sich schulische Bildung zum Rest des gesellschaftlichen Lebens verhält – angefangen von dem Konsens, dass Schule ein notwendiges Übel sei („soll ja auch keinen Spaß machen“, „muss halt sein“, „Horrorfach Mathe“), über die wenig nachhaltige Wissensvermittlung („braucht man nie wieder im Leben“, „habe ich mal in der Schule gelernt, aber soooo lange her“) bis hin zu Phänomenen wie Flat Earthern Homöoopathiegläubigen und Impfverweigerern, die es gar nicht geben dürfte, wenn die Schule flächendeckend ihren Bildungsauftrag erfüllen würde. Mal ganz abgesehen von dem mangelnden Verständnis der Ergebnisse der Klimaforschung.

3) Ähnlich wie 2): Alle, die es bisher in verantwortlichen politischen/gesellschaftlichen Positionen verbockt haben, das Ruder rumzureißen, um die globale Erwärmung zu stoppen, haben doch die schulische und in der Regel noch weitere Bildungsanstalten durchlaufen – das allein nützt offensichtlich nichts.

4) Da es mir hier bes. um die Äußerungen aus der dt. Politik geht: Eure Parteien haben alle Jugendorganisationen. Viele eurer Promis sind als ganz junge Leute in eben diese Jugendorganisationen eingetreten – & jetzt argumentiert ihr, in dem Alter hätte man keine Ahnung? Meint ihr im Ernst, so lockt man Nachwuchs an? Indem man jungen Leuten sagt, sie wüssten nix, könnten nix und sollten erstmal alt werden, wenn sie mitreden wollen? Mir bleibt da echt der Mund offen stehen.

5) Oft gesagt, aber offensichtlich immer noch nicht verstanden: die Forderungen von #FridaysForFuture sind doch gar nicht neu – das fordern Wissenschaft und große Teile der Gesellschaft schon lange, nur bisher leider nicht in dieser Radikalität. Ich bin soooo dankbar, dass die Jungen ihre Energie und Leidenschaft und Freiheit einsetzen, um so laut zu sein.

6) Zu allen diesen Punkten, besonders zu den Mängeln in der Schullandschaft (hallo, liebe dt. Politik, schon vergessen, wie lange ihr euch gerade erst beharkt hab, als es darum ging, dt. Schulen langsam mal auf den Stand zu bringen, der in jedem Unternehmen Mindeststandard ist?) könnte ich noch erweiternde Unterpunkte aufmachen, aber das erspare ich euch & mir.

Ich mache jetzt Waffeln & Tee & gehe laufen, & wenn ich zurückkomme, will ich in meiner TL keine Anti#FridaysForFuture-Statments aus der dt. Politik mehr sehen. Danke und schönen Sonntag!

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