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Tag: 12. März 2019

Ich bin ich

Ich bin ich

Ich fand die Idee bei Dorothea. Die wiederum fand sie bei Christian. Und ich finde die Idee so gut, dass ich sie nachfolgend aufgreife:

Ich hab mir noch nie etwas aus Rosa gemacht. Zumindest kann ich mich nicht aktiv erinnern. Wenn meine Großmutter für mich nähte, suchte ich mir oft blauen Stoff aus. Mein liebstes Kleid war ein blaues Samtkleid mit weißer Stickborte. Dazu weiße Strumpfhosen und schwarze Lackschuhe. Meine Puppe Franziska hatte das gleiche Kleid. Aber richtig viel habe ich mir aus Puppen nicht gemacht. Ich habe mehr mit Lego gespielt und rumgetobt. Wo Action war, war auch ich.

Und wo es laut war, war ich auch. Das ist auch heute noch so.

Ich war ein Draußen-Kind. Habe Staudämme gebaut, Höhlen im Gebüsch entdeckt, war immer unterwegs. Ich hatte sicherlich mehr Schürfwunden und blaue Flecken als Kind als meine Brüder zusammen. Wenn ich mit den Freundinnen mal Vater-Mutter-Kind spielte, war ich meist der Vater. Ich fand Pferde und Barbies komisch. Versuchte mich aber daran, weil die Freundinnen das so machten.

Als Kind trug ich Hosen lieber als Röcke – es war ja so viel praktischer. Heute trage ich auch immer noch meistens Hosen. Wobei ich meine Röcke und Kleider auch sehr mag. Ich mag allerdings keine Strumpfhosen und damit ist die Zeit für Röcke und Kleider begrenzt.

Ich hatte Ballettunterricht und habe später den „obligaten“ Tanzkurs geliebt. Gerne hätte ich Handball gespielt, aber es gab keine Möglichkeit.

Sachkunde war mein liebstes Fach in der Grundschule. Mathe fiel mir immer leicht. Doch auch das Schreiben in Deutsch sowie die von vielen verhassten Rechtschreib- und Kommaregeln liebte ich. Mein Wahlpflichtfach am Gymnasium war Informatik und Mathe ein Leistungskurs. Ich habe keine Angst vor Zahlen und Technik. Ich wollte Ingenieurin werden. Aus Gründen brach ich das Studium ab.

Ich studierte Biochemie mit dem Ziel Professorin zu werden. Ich machte mein Diplom und hängte die akademische Karriere dann an den Nagel. Ich schlug einen Werdegang ein, der nicht vorgezeichnet war. Den nicht immer jede versteht oder auf den ersten Blick nachvollziehen kann. Aber das ist mir egal.

Ich habe mich selbstständig gemacht, als ich (relativ) frisch getrennt war. Ich hatte kein Backup, keinen Mann, der mich (finanziell) hätte auffangen können.

Ich hatte einige Männergeschichten und sicher ging es nicht immer um die große Liebe. Oftmals war ich ein weiblicher Macho (dieses Sprachkonstrukt klingt sehr komisch), aber Mann wusste immer woran er war. Ich brauche keine Beziehung um glücklich zu sein und definiere mich auch nicht darüber, in einer Beziehung zu leben.

Ich habe früh geheiratet. Es war damals richtig so. Ob ich die Entscheidung nochmal treffen würde, weiß ich nicht. Aber sie war nicht falsch. Ich hatte kein weißes Prinzessinen-Kleid. Wir wollten eine Party. Wir machten eine Party. Als ich mich trennte (und scheiden ließ), dachte ich nicht einen Moment darüber nach, wie ich denn nun als Frau (finanziell und gesellschaftlich) dastünde.

Lange Zeit konnte ich mir nicht vorstellen, ein Kind zu bekommen. Ich fand die Idee, Kinder zu adoptieren viel sinnvoller. Und nach einer Schwangerschaft – die wirklich problemlos verlief – sage ich auch immer: Einmal reicht mir.

Als das Kind da war, war ich die Alleinverdienerin. Der Kv war Hausmann. Für mich war das so richtig. Denn es war schon immer klar, dass ich nicht Hausfrau allein sein kann. Dem Kind hat das nicht geschadet. Dass die Beziehung zum Kv kaputt war, hatte nichts mit dieser Aufteilung zu tun (hat die Probleme allerdings verstärkt). Das Kind hatte lange Haare und das musste auch nicht begründet werden. Wenn er Nagellack wollte, machte ich ihm welchen drauf.

Ich versuche als Alleinerziehende nicht, dem Kind Mutter und Vater zugleich zu sein. Aber ich zeige ihm, dass Menschen Dinge können. Dass ich sein Fahrrad reparieren kann – und nicht nur, weil ich es muss, sondern weil ich es gerne mache. Dass ich aber gleichzeitig auch gerne backe und koche. Ich habe als Alleinerziehende nie dem klassischen Vater-Mutter-Kind-Konstrukt nachgetrauert. Aber für mich war das auch noch nie das allein seligmachende Familienbild.

Ich stelle mein Frausein nicht in Frage, aber frage mich dennoch, was Frausein wirklich bedeutet. Lange Haare, hübsche Kleider, Make-up und rasierte Achseln und Beine, Brüste, die einen BH brauche, eine Vulva sowie Vagina sind es nicht. Wieviel ist Frausein (und auch Mannsein) ein gesellschaftliches Konstrukt? Sind wir nicht letztlich alle einfach Menschen?

Das ist auch die Basis, auf der ich habe all meine Entscheidungen getroffen. Stets als Mensch, nicht als Frau. Ich habe nie gedacht „aber eine Frau macht sowas nicht“ oder „eine Frau sollte besser diesdasjenes machen“.