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Tag: 10. November 2016

A wie …

A wie …

… Auswandern.

Heute wurde mir zum x-Ten Mal die Ankündigung des eigenen Auswanders  im Fall eines ähnlichen Wahlergebnisses wie in den USA in meine SocialMedia-Timeline gespült:

Wie wird es in Deutschland in ein paar Jahren aussehen? Wir machen ja traditionell gerne nach, was Amerika vormacht. Auswandern wird zur realistischen Option. Nur wohin???

Was ist das für ein blödsinniges Geblubber? Ich musste antworten:

Wir könnten auch einfach verhindern, dass Deutschland es „nachmacht“ (wobei ich auch nicht weiß, was Du genau meinst). Kopf in den Sand bringt nicht viel. Das hat vor 80 Jahren auch nichts genützt. Und Auswandern ist feige.

Und dann machte ich auch auf Twitter meinem Ärger Luft.

Dann habe ich aber gearbeiten, wobei ich die ganze Zeit auf diesem Tweet rumdachte und mir klar war, dass ich darüber mehr schreiben wollte. Auch wenn ich jedem erstmal gerne: „Am Arsch mit deiner blöden Auswanderei!“ zurufen würde.

Mein erster Gedanke, wenn ich sowas lese, ist dann ja neben der Wut, die hochkriecht, dass ich mich frage: „Ja, und wohin soll es gehen?!“ Als ob es irgendeinen Ort gibt, an dem wir vor sowas sicher wären. Man möchte auch trotzig auffordern: „Dann geh doch dahin, wo es keine Demokratie gibt.“ Und mal ganz ehrlich, welches Land hat denn gerade auf „uns Deutsche“ gewartet und nimmt uns mit Kusshand auf?!

Dann schrieb die tolle Petrolgrau so ziemlich genau meine Gedanken auf: Ja, mich nervt diese Resignation. Dieses Aufgeben ohne gekämpft zu haben. Anstelle JETZT selbst gestaltend einzugreifen, sich schon mal einen – wie ich finde – feigen Ausweg zu suchen. Was ist das für eine Art, sich nur die Kirschen der Demokratie abzupflücken: Wenn sie mir schmeckt, bleibe ich, und wenn mir das Ergebnis einer demokratischen Wahl nicht passt, dann haue ich halt ab? Demokratie ist auch das Aushalten anderer Meinungen, aber auch das Recht die eigene kundzutun. Wenn man das aber nicht macht, weil man keinen Bock auf unbequeme Wege hat, oder noch lieber nur den Weg des geringsten Widerstands geht, ja, dann frage ich mich: Warum nicht jetzt schon auswandern?! Vielleicht in eine Diktatur, da muss darf man ja nicht selbst denken. (Mal angesehen davon, dass ich mir sicher bin, dass noch nicht mal 10 Prozent derjenigen, die auswandern „wollen“, dies auch wirklich täten.)

Ich kann doch nicht allen Ernstes vor und nach Wahlen über das Ergebnis jammern, wenn das aktivste, was ich dazu beigetragen habe, mein Kreuz ist.

… Angst.

Viele äußern auch Angst nach dem Trump-Sieg: Angst um diverse Randgruppen. Ängste, die sie auf Deutschland übertragen. Ängste, die sicher nicht völlig unbegründet sind, ABER die bei uns NOCH nicht durch die Regierung gefüttert und unterstützt werden. Ja, es kann kommen (wenn AfD und Co zu stark bzw. noch stärker werden). Und davor habe ich auch ein bisschen Angst. Aber wir haben noch gut 10 Monate Zeit, dies zu verhindern. Und das macht mir ehrlich gesagt Mut.

Mein erstes Vorhaben ist, dass ich dieses blöde Gequatsche (s.o.) nicht mehr hinnehme und stehen lasse, sondern dass ich was dazu sage.