Schön (blöd)
Kennt ihr das, dass ihr anderen einen Ratschlag gebt und euch dabei ertappt, dass ihr diesen Rat auch dringend selbst beherzigen solltet?
So ging es mir heute.
Als die Putzhilfe kam, verlies ich das Haus. Ich musste ein Paket wegbringen und hatte meinen Trolley im Schlepptau, weil das Gestänge kaputt ist. Der Trolley blieb im Fachgeschäft, mal sehen, ob er repariert wird.
Weil ich noch nicht nach Hause wollte, setzte ich mich ins nächste Café – also nicht IN, sondern draußen – und gönnte mit ein Stück Kuchen und zwei Heißgetränke. Ich ärgerte mich kurz, dass ich meinen Kindle nicht dabei hatte, aber dann fiel mir ein, dass ich das ja auch per App regeln kann. Ich lud die App runter und mein Buch lud sich automatisch runter. Also saß ich Kuchen essend, Cappuccino (später Ingwertee) trinkend und lesend im Café. Das war sehr schön.

Ich weiß nicht mehr, wann ich das das letzte Mal gemacht habe. Und das lag in den letzten Wochen und Monaten nicht an der Pandemie, sondern daran, dass ich es mir nicht gegönnt habe. Dass ich mir nicht die Zeit dafür genommen habe. Dass ich die Arbeit so viel wichtiger genommen habe. Schön blöd.
Dabei predige ich immer anderen: Nehmt euch Auszeiten, atmet durch, ihr werdet auf dem Sterbebett sicher nicht sagen „ach, hätte ich doch mehr gearbeitet“.
Auf jeden Fall tat das sehr gut.
Ein Gedanke zu „Schön (blöd)“
Ja, so geht mir das auch oft, bei dem Blick auf andere ist man oft soviel klarer als bei dem Blick auf sich selbst. Schade eigentlich, aber gut, dass du es heute gemacht hast und vielleicht ein Anfang sich diese Zeit wieder mal öfter zu nehmen. Mich hat gestern die Kündigung meiner Kollegin so eiskalt erwischt, dass ich gemerkt habe, dass ich auch ganz dringend auf mich achtgeben muss.