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Tag: 9. Oktober 2021

Kacktag

Kacktag

Heute ist ein Kacktag. Auch wenn ich einen Grund klar ausmachen kann, glaube ich, dass es noch mehr Gründe gibt (entbindet aber den bekannten Grund von nichts! Wir müssen reden.).

Ein bisschen fühlt es sich an, als würde ich in eine depressive Episode abrutschen. Vielleicht normal nach der Pandemieanspannung, die dank durchgeimpften Haushalt etwas weniger ist, aber ich bin trotzdem noch vorsichtig. Ich möchte nicht IN Restaurants essen, meide Menschemassen und bin auch weiterhin froh, dass ich im Homeoffice arbeiten kann. Gleichzeitig merke ich, dass es mir nicht (mehr) gut tut, mich so einzuigeln. Die Gradwanderung stresst mich. Und wird auch nicht besser, wenn ich es schaffe, mich aufzuraffen und dann alles auf wackeligen Beinen steht.

Ich hadere mit meiner Kompatibilität mit Menschen.

Der Job wird die nächsten Wochen sehr stressig. Das lässt sich auch nicht ändern. Ich gebe deswegen auch meinen Urlaub für übernächste Woche zurück. Sonst würde es noch stressiger.

Ich bräuchte Urlaub. Nur ich allein. Ich weiß noch nicht, ob ich mir das zugestehen darf. Willkommen in der Frauen- und Mutterfalle.

Bald ist Papas Geburtstag. Der erste ohne ihn. Kurz davor ist der Geburtstag meiner Mutter. Der erste ohne ihn. Das ist komisch. Und ich merke, dass sein Fehlen immer präsenter wird. In der ersten Zeit nach seinem Tod war es gar nicht greifbar, weil es ja gar nicht so unüblich war, dass wir länger nichts voneinander gehört haben. Und durch den Schlaganfall eh schon mal weniger. Aber immer wieder kommen Situationen, wo ich weiß, dass er eine klare, schlaue Meinung gehabt hätte. Sein Blick auf die Dinge fehlt. Und auch wenn er den schon nach dem Schlaganfall nicht mehr so scharf artikulieren konnte, wird mir nun immer bewusster, dass er es auch nie wieder tun kann.

Und dann las ich heute diesen Tweet:

Ich habe mich lange nach der Beerdingung über Dinge geärgert, die schief gelaufen sind: Unsere Bestatterin war ausgesprochen stieselig, unempathisch und unorganisert. Manche Infos mussten wir x-mal nachfragen. Pdfs waren lieblos verdreht eingescannt. So viele Kleinigkeiten, die es so unprofessionell wirken ließen. Auch dass sie an der Beerdigung selbst nicht dabei sein würde, schrieb sie nur per e-Mail. Den Kollegen hatte sie über nichts informiert. Als ich anrief wegen eines Termins zum Sarg bemalen, war er irritiert und machte es noch am Abend vor der Beerdigung möglich. Papa war da schon im Sarg. Auch hatte sie ihm nicht mitgeteilt, dass wir Geschwister den Sarg mittragen wollten. Also muss ich während der Trauerfeier, als alle 6 Sargträger kamen, den Bestatter anzischen, dass wir mittragen wollten. Konnten wir dann noch, war aber ein unnötig unruhiger Moment. Und unprofessionell. Keiner hatte sich Gedanke darüber gemacht, wer wann zum Grab treten darf. Wurde uns auch nicht erklärt, welche Reihenfolge es da geben könnte. Führte dazu, dass Papas Schwester sich fast übergangen fühlte (gut, fühlt sie sich eh öfter mal) und sichtbar unruhig mit den Fußen scharrte. War jetzt kein unmittelbarer Fehler der Bestatterin, aber trotzdem anstrengend. Und was für mich persönlich schlimm war und ist: Der Sarg ist schief ins Grab gelassen worden und Papa hing oder hängt jetzt für seine letzte Ruhe windschief im Sarg. Ich weiß nicht, ob das noch korrigiert worden ist und das beschäftigt mich immer noch.
Was ich davon halten soll, dass wir uns – pandemiebedingt – nach der Beerdigung nicht noch einmal zusammensetzen konnten, weiß ich nicht. Aber ich wäre auch nicht in der Lage gewesen, alle Anwesenden zu ertragen. Zumal sich direkt nach der Beerdigung noch ein dramatischer Moment ergab, der schon aus der Entfernung für mich unerträglich war. Ich weiß, dass dieser Moment natürlich nicht so geplant war, aber Papas Beerdigung war dadurch auf einmal Nebensache und alles unruhig.

Gerade will ich einfach nur mein prä-pandemisches Leben und Papa zurück.