Spät und später (oder auch Freud und Leid)

Spät und später (oder auch Freud und Leid)

Der Tag fing etwas stressig an: Ich fand meinen Haustürschlüssel nicht. Und verschwundene Schlüssel lassen mich höchstirrational werden. Wenn es nicht schon so spät gewesen wäre, hätte ich beim RB deutlich mehr zu Kreuze kriechen müssen, nachdem ich ihn wiederfand*.

Wenig später rangen Menschen, die mir gegenüber saßen, um Contenance, als Dinge zu meiner Person verkündet wurden. Manch eine „good news“ freut die einen und lässt andere zittern. Noch genau elf Wochen Zeit, um sich daran zu gewöhnen. (Und nein, ich möchte die Breitseite, die diese Person im indirekten Zusammenhang abbekommen hat, nicht haben.)

Noch etwas später, aber noch vor dem Mittagessen, habe ich einen Vertrag unterschrieben. Einen Arbeitsvertag. Einen Arbeitsvertrag, mit dem sich nur wenig an meiner jetzigen Arbeitssituation ändert, außer dass ich mich nicht mehr um UStVA, KSK-Beiträge, LS-VZ und andere Auftraggeberinnen kümmern** muss. Zukünftig werde ich mich mehr in der Landeshauptstadt aufhalten. Und ja, ich werde die Selbstständigkeit auch vermissen. (Aber das ganze werde ich nochmal später verbloggen.)

Noch später am Tag, auf dem Rückweg im Auto, habe ich dann den Beschluss gefasst, unsere bisherige Monatskarte (Frankfurt) auf die Städte Offenbach und Wiesbaden auszuweiten. Regelmäßig mit dem Auto zu fahren, ist sicher nicht gut für meine Gesundheit und für die Umwelt schon mal gar nicht. Für diese Flexibilität also eine Erweiterung gen Westen. Falls ich aber doch mit dem Auto fahre und der RB mit den Öffis, braucht er die Erweiterung nach Osten. Am Wochenende und Abends können wir zusammen fahren, sodass ich andere Ausflugsoptionen am Horizont sehe. Außerdem hoffe ich, dass ich uns damit noch etwas unabhängiger vom Auto mache.

Am späten Nachmittag habe ich dann mit meiner Mutter telefoniert. Sie hat heute Geburtstag. Und es ist … ach … schrecklich. Meinem Vater geht es – ein Jahr nach dem Schlaganfall – schlechter als direkt nach dem Schlaganfall. Meine Mutter reibt sich an ihrer Situation auf. Es fallen Sätze, zu denen fällt mir nichts ein außer eine pragmatische Lösung (Pflegedienst oder Kurzzeitpflege), aber ich weiß, dass sie das nicht hören will. Es fallen andere Sätze, die mich nur den Kopf schütteln lassen, weil da so viel Aluhutitis mitschwingt. Ich schlucke meine Meinung runter und es bleibt auch dazu nicht zu sagen. Und dann kommt noch ein „Ich mein ja nur“-Thema und ich muss tief durchatmen und schaffe es nur mit Mühe, meine aufsteigende Wut im Zaum zu halten.
Und trotzdem ist es einfach nur traurig, dass mein Vater heute – nach 49*** gemeinsamen Geburtstagen – meiner Mutter nicht zum Geburtstag gratulierte, weil er das Datum nicht mit etwas in Verbindung brachte. Es ist sogar fraglich, ob er das Datum wirklich als solches noch begreift.

Der Abend endete für das Kind später als geplant****. Aber es ist schön zu sehen, dass nicht nur ich beim Gute-Nacht-Kuscheln dabei sein soll, sondern dass das Kind den RB dabei haben will.

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* Er war _doch_ im Rucksack, der sich zum Zeitpunkt der Suchaktion schon IM Auto befand.

** Wobei andere Auftraggeberinnen nicht komplett ausgeschlossen sind, wenn sie mir zulaufen.

*** Nächstes Jahr wäre also die Goldene Hochzeit und ich habe keine Ahnung, ob mein Papa das noch erlebt oder ob ich ihm wünschen möchte, dass er das noch erlebt.

**** Er war um kurz nach 21h00 im Bett, aber besser wäre vorher.

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