Ich bin Antifaschistin!

Ich bin Antifaschistin!

Seit ich gestern im zweiten Plattenladen in Paris die erste Nachricht vom Terrorakt gegen die jüdische Gemeinde in Halle las, hüpft mein inneres HB-MännchenMenschlein wild auf und ab. Und wenn ich nicht wüsste, dass meine Äußerungen auf Twitter irgendwann mal gegen mich verwendet werden können, hätte ich mich deutlich unflätig geäußert. Ja, ich bin erschüttert, dass „Halle“ passiert ist. Aber es überrascht mich nicht. Es überrascht niemanden, der sich auch nur ein bisschen mit dem aktuellen Rechtsruck beschäftigt. Und das ganze verharmlosende Geschafel, das seitdem durchs Netz und durch die Medien wabert, ist auch nicht verwunderlich. Es gibt auf Twitter ein paar kluge Analysen, die ich nur allzu gerne als Leitartikel in den Tageszeitungen lesen würde. Das wäre viel, viel hilfreicher als das meiste, dass die Medien bislang absondern.

Die Lage ist ernst. Und sie wird nicht besser, indem wir von „Einzeltätern“ sprechen, die Täter als „Idi*ten“ betiteln, verwundert tun, dass sowas überhaupt passieren konnte, dass die Blau-Braunen IMMER NOCH zu JEDEM Thema ein Statement abgeben dürfen. Jede, die den den Rechtsruck und die Nazis in Deutschland kleinredet, ist mitschuld am Rechtsruck und den Nazis in Deutschland!

Und ich bin es auch leid, immer wieder zu lesen „aber die Antifa ist auch / hat auch / macht auch …“

  1. DIE Antifa gibt es nicht. Das ist kein Organisation wie DIE Nazis. Antifa steht für Antifaschismus bzw. antifaschistisch und
  2. Der Antifaschismus ist eine (notwendige) Reaktion. Eine Reaktion auf – na, wer kommt drauf?! – ja, genau: Faschismus, denn anti = gegen. Und ich kann nur gegen etwas sein, das schon da ist. Ist eigentlich logisch.
  3. Natürlich ist es auch eine Grundhaltung antifaschistisch zu sein. Für mich ist das ein normaler Zustand. Dass das einen Namen hat, liegt halt daran, dass es irgendwann mal Menschen gab, die faschistisch agiert haben.

(2. und 3. gilt auch für Antirassismus, Anti-Antisemitismus etc.)

Und nun zum parktischen Teil. Wir müssen handeln und ad hoc fallen mir folgende Aktionen ein:

  • Jede sollte „ihrer“ gewählten Abgeordneten in Berlin (MdB) jetzt die Bude einrennen und bei Terminen und / oder Bürgerinnensprechstunden das Thema Umgang mit Rassismus und die Haltung zum Antifaschismus abfragen. Noch sind wir in einer Demokratie und sollten das nutzen.
    Das geht übrigens einfach: „MdB“ oder „Bundestagsabgeordneter“ + eigene Stadt eingeben und dann gucken, wer für den eigenen Wahlkreis zuständig ist. Termin ausmachen, Bürgerinnensprechstunde raussuchen. „Guten Tag, ich bin eine wirklich besorgte Bürgerin und der Rechtruck macht mir Angst / Würgereiz / Wut / you name it.“ „Warum werden die Mittel für Anti-Rechtsprojekte gekürzt?“ „Was sagen Sie zu Gewalt gegen Antifa-Demos bei gleichzeitigem Schutz für jede noch so kleine Nazi-Demo?“
  • Geht auf Demos, zu Mahnwachen.
  • Wem es schwer fällt aktiv zu werden, wer sich wegen Halles und des seit langem stattfindenden Rechtsrucks hilflos fühlt und nicht weiß, was sie tun kann und soll: Es gibt viele Projekte gegen Rechts, die Spenden sicher gut gebrauchen können.
  • Abonniert „Der Rechte Rand“ – am besten als Soli-Abo.

2 Gedanken zu „Ich bin Antifaschistin!

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