10 Zentimeter

10 Zentimeter

Eigentlich wollte ich heute übers HomeOffice schreiben. Darüber, was das so für mich, fürs Kind und für den Haushalt im Allgemeinen bedeutet. Aber ich bin zu k.o.

Dafür ist das Kind heute zum ersten Mal alleine mit dem Fahrrad zum Rugby-Training gefahren.*

Seit er beim Rugby ist, fahren wir fast ausschließlich mit dem Rad dahin. Der midi-monsieur kennt also die Strecke in- und auswendig. Allerdings hat sie ein paar Tücken: teilweise keine Radwege oder nur ein Schutzstreifen auf der Straße, eine Tankstellen Ein- und Ausfahrt, Straßenkreuzungen ohne Zebrastreifen oder Ampel, einen nicht optimal einzusehenden Zebrastreifen und zwei riesige, wirklich riesige Ampel-Kreuzungen** mit mindestens 2spurig in alle Richtungen und Schienen noch dazu. Und gerade diese Kreuzungen mach(t)en mir Bauchschmerzen. Ich selbst habe da immer einen Adrenalinstoß extra, weil nie ganz sicher ist, ob nicht doch ein Rechtsabbieger die Radfahrer übersieht oder ob nicht irgendwer einen verbotenen U-Turn macht. Insgesamt sehr unübersichtlich.

Als es heute Zeit wurde, um zum Training zu kommen, saß ich noch an der Arbeit (ja, im HomeOffice) und war auch gedanklich mittendrin. Ich überlegte, ob ich das Kind nur kurz zum Training bringen sollte, direkt zurück fahren und dann später zum Abholen wieder hin. Denn vor Ort arbeiten geht nur bedingt. Irgendwie ist dann da immer eine, mit der ich mich verquatsche. Doch nur hin- und herfahren kostet mich gut 35 Minuten. Zeit, die ich heute wirklich brauchte (im HomeOffice). Also fragte ich das Kind, ob er sich zutrauen würde, ganz allein zum Training zu fahren. Ich würde ihn später abholen. Er überlegte nicht lange und wollte es wagen. Als er sich verabschiedete, war uns beiden etwas mulmig. Ich sagte zu ihm: „Ich vertraue dir, dass du das kannst. Aber ich vertraue den Autofahrern nur bedingt. Du musst auf Dich aufpassen.“ Er düste los und ich bat eine Mutter, mit Bescheid zu geben, wenn sie das Kind wohlbehalten am Platz sähe. Ich arbeitete weiter. Um 17h06 hieß es „Kind ist da“. Ich schrieb noch weiter und weiter und war um 17h50 passend fertig, um das Kind pünktlich abzuholen. Nach dem Training nahm ich ein sehr stolzes Kind in die Arme, das auf wundersame Weise binnen zwei Stunden um 10 Zentimeter gewachsen ist.

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* Stimmt nicht ganz, er ist vor knapp 2 Wochen erstmals einen Teil der Strecke alleine gefahren, weil mir unterwegs die Kette gerissen war und er sonst zu spät zum Training gekommen wäre.

** Für Einheimische: via Alleenring über die Friedberger und die Eckenheimer Landstraße

2 Gedanken zu „10 Zentimeter

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