Rar

Rar

Natürlich gibt es sie. Sie, diese anständigen, normalen, korrekten Männer*, die nach einer Trennung, in die ein Kind** involviert ist, ohne zu diskutieren, Unterhalt für das Kind zahlen. Und ich möchte betonen: Unterhalt FÜRS KIND! Unterhalt für die Mutter aka böse Ex-Partnerin muss ja nur noch in Ausnahmefällen gezahlt werden. Also: Unterhalt fürs Kind. Damit das Kind

  • ein Dach überm Kopf,
  • was zu essen,
  • Kleidung und
  • (im besten Fall) die Möglichkeit Hobbies nachzugehen

hat. Und es geht nicht darum, dass der Kindesvater diese Kosten alleine trägt, sondern dass er seinen Teil dazu beiträgt. Dass sich der Unterhalt am Einkommen des Vaters orientiert, ist nur fair: Hat das Kind zuvor vom – wie auch immer hohen – Einkommen des Vaters profitiert, sollte es das auch nach der Trennung. UNABHÄNGIG davon, was die Mutter verdient. Die muss nämlich auch ihren Anteil zum kindlichen Unterhalt beitragen. Gemessen an ihren finanziellen Möglichkeiten. Und da wird nicht gegengerechnet, dass für gewöhnlich das Kind die meiste Zeit bei der Mutter ist, dass der „Mental Load“ fast ausschließlich auf ihr lastet. Denn in der Regel sind es die alleinerziehenden Mütter, die sich Gedanken machen über: Braucht mein Kind neue Klamotten? Auffangen, wenn das Vatervermissen akut ist. Welche Größe hat das Kind aktuelle? Steht ein U-Termin an? Läuft in der Schule alles gut? Wo ist das Kind wann zum Geburtstag eingeladen? Welches Geschenk wird gewünscht? Stehen Impf-Termine an? Das Kind kann heute nicht in die Schule, wie mache ich das mit der Arbeit? Braucht es vielleicht doch Nachhilfe? Das Kind braucht nachts Zuspruch. Wie kommt das Kind zu seinem Hobby? Eigentlich müsste es mal wieder zum Friseur. Elternabend – und wer passt aufs Kind auf? Geschenkliste für die buckelige Verwandtschaft. Geht es meinem Kind gut? Geht es ihm wirklich gut?

All diese Gedanken fressen Zeit und Energie. Beides rares Gut bei Alleinerziehenden, das unbezahlt bleibt. Ist der Kindesvater ein guter, dann versteht und weiß er, was die Mutter alles für das gemeinsame Kind tut. Dann weiß er, was es sie kostet, aus dem gemeinsamen Kind einen guterzogenen Menschen zu machen. Diese Väter tun ihr Möglichstes, ihren Teil dazu beizutragen: Sie zahlen – ohne Diskussion. Sie nehmen ihre Umgänge wahr – ohne Diskussion. Sie kümmern sich während ihrer Umgänge auch mal um Termine, Hobbies, Geschenke etc – ohne Diskussion. Sie nehmen das Kind auch außerhalb des Umgangs, wenn Not an der Frau ist – ohne Diskussion. Sie versuchen ihr Bestes, damit die Mütter keine unnötigen Energien verlieren in noch unnötigeren Kämpfen, um die wenige Zeit, die sie haben, so gut wie möglich fürs Kind nutzen zu können.

Leider – anders kann eine die Zahlen zu Alleinerziehenden nicht deuten – sind solche Väter bzw. Männer so rar wie Zeit und Energie bei Alleinerziehenden. Die Mehrheit der getrennten Väter scheint sich eher ums Zahlen drücken zu wollen. Zahlen werden so lange gedreht und gebogen, bis fürs Kind nichts mehr bleibt. Es wird damit gedroht, den eigenen Job zu kündigen, nur um nicht zahlen zu müssen***. Es werden Vermögenswerte geschickt umverteilt. Es wird gemauschelt und getrickst. Und eines der liebsten Argumente dieser Väter ist es, dass sie es nicht einsehen, nur zahlen zu müssen, aber keine Rechte am Kind zu haben.

Niemand hat das Recht an einem anderen Mensch – auch oder erst recht nicht an einem (am eigenen) Kind. Wir haben aber die verdammte Pflicht, unseren Kindern alle Fürsorge (emotional und finanziell) zukommen zu lassen. „Man hat“ keine Kinder. Eine ist Mutter bzw. Vater. Eine ist verantwortlich für das Kind, das sie in die Welt gesetzt hat. Kinder sind kein Dings, kein Lifestyle- oder Statussymbol.

Nun höre ich schon die Männer, die „Aber sie hat angefangen. Ich darf das Kind nicht sehen. Also muss ich auch nicht zahlen.“ krakelen. Ja, auch solche Frauen gibt es, aber ich bin mir sicher, dass nicht jeder nicht- oder zu-wenig-zahlende Vater so eine Ex-Partnerin hat.

Und selbst wenn sie „angefangen“ hat: Es geht in letzter Instanz um ein Kind. Es geht darum, dass es dem eigenen Kind gut geht. Es geht nicht darum, der Ex einen auszuwischen, zu zeigen, wer am längeren Hebel sitzt.

Und daher ist der Vorstoß von Ministerin Giffey auch eine Katastrophe: Dieser Vorschlag zäumt das Pferd so dermaßen falsch auf – nein, nicht von hinten. Es ist einfach falsch. Denn es geht nicht um die Kinder. Sollte diese bekloppte SchnapsIdee Realtität werden, gibt sie den eh schon nicht- oder zu-wenig-zahlenden Vätern ein weiteres Machtinstrument. Die Väter, die eh schon so wenig wie möglich zahlen, werden sich noch weiter runterrechnen mit jedem Tag Umgang, den sie wahrnehmen. Ich sehe auch schon kommen, dass ebendiese Väter vermehrt vor Gericht ziehen und mehr Umgangstage einklagen, um sich noch weiter aus dem Unterhalt zu lavieren.

Und ganz weit am Horizont sehe ich Kindesväter, die vom Unterhaltsvorschuss auch noch ihren Teil abhhaben wollen, wenn sie denn mal ihr eigenes Kind hüten.

Als hätten unsere Familiengerichte und Jugendämter nicht schon genug zu tun.

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* Ja, es gibt auch die umgekehrten Fälle, aber in der Mehrheit gehen die Männer und die Mütter bleiben alleinerziehend zurück. Daher bleibe ich mal beim Allgemeinfall.

** mehrere Kinder sind mitgemeint

*** Damit kommen sie vermutlich nicht durch, aber erstmal steht das Wort im Raum und die AE muss sich auch noch darum kümmern.

2 Gedanken zu „Rar

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