Pilz-Themen

Pilz-Themen

Es ist – denke ich – symptomatisch für „unsere“ Zeit, dass Themen wie Pilze aus dem Boden schießen. Sie werden durch web 2.0 (Twitter, Facebook und Co) kurzzeitig gepflegt wie kurze Schauer mit Sonne dazwischen. Doch dann rutschen die Themen in der timeline nach unten, werden übersehen, nicht mehr beachtet und gepflegt.

So wie letztens der „Aufschrei„. Ein kurze, wenn auch große Welle der Empörung überspülte die Gesellschaft. Die Initiatorinnen wurden von Talk-Show zu Talk-Show gereicht – eine Woche, vielleicht zwei.

Dann kam das Pferdefleisch, die Nicht-Bio-Eier, die italienischen Clowns. Morgen wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben. Es wird sich kurz drüber aufgeregt, drüber diskutiert und dann wieder vergessen.

Die Lebensmittelskandale sind erschreckend, aber nicht verwunderlich. Das „warum“ hat Dieter Nuhr gestern Abend sehr treffend formuliert (Satire Gipfel, ARD, 04.03. ab Minute 26 bzw. 32). Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Doch zum Aufschrei sollte (wieder) etwas gesagt werden. Es gab viele gute und (glücklicherweise) auch kontroverse Artikel zu lesen, aber nun ist Ruh. Zeit, das zu ändern!

2 Gedanken zu „Pilz-Themen

  1. Ich sehe immer mehr das Problem nicht nur dort, wo Sexismus besteht und im Alltag so einen Raum bekommen hat, dass Menschen ihn schon gar nicht mehr wahrnehmen (wollen), sondern auch dort, wo Menschen den anderen die Sexismus-Wahrnehmung aberkennen wollen. Es wird bagatellisiert, was das Zeug hält.

    Zusätzlich wird alles in einem Topf verrührt: Komplimente, Flirten, sexuelle Belästigung, Sexismus, Vergewaltigung. Heraus kommt ein Misch, aus dem sich viele je nach Meinung bedienen und gegen den das Argumentieren sinnlos ist, weil es am Thema vorbei ist.

    Der #Aufschrei hat zum Glück vielen Menschen gezeigt, dass Sexismus fest im Alltag verhaftet ist. Und hat vielen Menschen gezeigt, wie andere darunter leiden.

    Leider haben immer noch viele Menschen die Sichtweise, dass „gegen Sexismus“ bedeutet, dass man keine Komplimente mehr machen darf, ein Flirt verboten ist und eine offene Bluse zeigt, dass „nicht alle sich so anstellen“.

    Es freut mich immer, dass so viele Menschen sich gegen Sexismus wehren können oder ihn nicht in ihrem Alltag kennen. Das gibt aber nicht das Recht, den anderen, die ihn wahrnehmen, erleben, die Brisanz oder die Demütigung abzuerkennen.

  2. Ja, genau das ist es. Ich bereite gerade einen Artikel vor. Ich bin auf so viele Artikel gestoßen, die genau das aussagen: Stellt Euch nicht so an. Selbst Schuld etc. pp. Da bekomme ich echt Hals! Wie kann sich irgendwer erdreisten, einem anderen „vorzuschreiben“, wie er sich mit dem Verhalten anderer fühlen darf/soll/mus. Allein das ist schon Sexismus. Und sicher ist alles eine Gradwanderung. Aber wenn man nicht in der Lage ist (sein will), die Abgründe wahrzunehmen, sollte man nicht auf so eine Tour gehen.

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