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Tag: 13. März 2013

Liebes Tagebuch – 3. Tag

Liebes Tagebuch – 3. Tag

Heute begann der Tag mit dem Ende des gestrigen. Nach Mitternacht noch eine e-Mail an die Kollegin geschrieben, die noch versucht, das Segel auf dem sinkenden Schiff zu hissen. Ich kann und will ihr dabei nicht mehr helfen. Ich ärgere mich gerade sehr über meinen Noch-Arbeitgeber und über das Verhalten meiner Chefin. Wenn ein Unternehmen keine Rücksicht auf einer alleinverdienende Mutter nimmt, muss ich auf dessen Zahlen auch keine Rücksicht nehmen.
Danach tief und fest geschlafen bis der mini-minsieur Sehnsucht hatte. Zum Glück nicht wirklich wach geworden.

7h15 Das Handy piept. Ich sollte die Weckzeit mal ändern, jetzt wo ich nicht ins Büro gehe.

7h30 Der monsieur kommt zum ersten Wecken. Das Kind schnarcht neben mir, als wäre es erst gerade in den Tiefschlaf gefallen. Auch ich komme nicht hoch.

7h50 Jetzt ist es höchste Eisenbahn, wenn das Kind halbwegs zeitig im Kiga ankommen will. Der mini-monsieur ist ein Langschläfer durch und durch. Das Wecken funktioniert nur mit harten Geschützen.

8h00 Endlich aufgestanden. Jetzt schnell waschen, anziehen und Frühstücksdose bestücken.

8h30 Die Männer sind fertig zum Losgehen. Ich rufe beim Arzt an, denn ich brauche nen gelben Schein. Die Aussage der MTA gibt mir noch Zeit zu duschen, bevor ich los muss.

10h00 Nach einem kleinen Fußmarsch komme ich beim Arzt an. Wartezeit: ewig.
Mir wird angeboten noch einmal gehen zu können und später wieder zukommen. So komme ich dazu, die Erledigungen zu machen, die für nach dem Arzt auf dem Plan standen: Schuhe abholen, Sammelmappe für die Kunstwerke des Kindes besorgen und Shampoo und Spülung besorgen. Diese besorge ich beim Friseurfachhandel. Ich dachte mal wieder, ich könnte sparen und habe mir Haarwashprodukte aus dem Drogeriemarkt besorgt. Und wie je_des_mal komme ich bzw. kommen meine Haare damit nicht klar. Das Waschzeug geht nicht vollständig aus den Haaren raus und sie fühlen sich pekig an. Nach einem Tag liegen sie platt am Kopf. Also doch das 10fache für Shampoo und Spülung bezahlen (dafür hält das Zeug aber auch ein halbes Jahr). Ab morgen also wieder mit weicher, glänzender Mähne 🙂

11h00 Nachdem ich meine Beute noch schnell zu Hause abgestellt habe, bin ich wieder beim Arzt. Ich muss erstmal noch warten. Irgendwie habe ich keine Lust auf Klatsch&Tratsch, zudem tut das Sitzen meinem Rücken nicht gut. Also blättere ich nur ein wenig, stolpere dabei über ein interessantes kleines Interview mit Jane Fonda, in dem sie sich auch kurz zum Sexismus äußert. Dazwischen muss ich immer wieder durch das Wartezimmer wandern.

11h40 Ich bin endlich dran. Was bin ich dankbar, ein so verständnisvolle Ärztin zu haben. Für den Rücken allein wollte sie mich nur bis Ende der Woche krank schreiben, doch mit der Kündigung gab’s noch ne Woche drauf.

11h50 Die praxiseigene Mikrowelle tut meinem Rücken extrem gut. So ein Gerät hätte ich auch gerne zu Hause 😉

Zu Hause esse ich einen Happen und nicke danach weg.

15h00 Ich muss mich langsam mal unter der warmen Decke rausschälen, damit ich das Kind abholen kann. Bevor ich gehe, helfe ich dem monsieur noch schnell beim Lesen (ist ja nicht immer so einfach), dann schnappe ich mir den Hund und trotte los.

Kind freut sich wieder zum Dahinschmelzen, dass ich ihn abhole. Mit Schlitten und Hund geht es wieder nach Hause. Ich bin schon stolz auf den Lütten, wie kooperativ und verständig er ist. Klar, haben wir auch Diskussionen, aber im Großen und Ganzen kann man ihm mit Argumenten bei kommen.

Eine Diskussion übers Abendessen führt zu einer Diskussion über Fleischkonsum. Was mich dazu inspiriert, vor dem Einkaufen noch schnell beim Buchhändler vorbeizuschauen und eins der Vegi-Kochbücher zu kaufen, die auf meiner Liste stehen. Ottolenghi war nicht da, habe ich also erstmal Das Goldene von GU genommen.

Einkaufen ohne Auto ist anstrengend aber gut fürs Gewissen. Bloß für den Rücken werde ich einen Hackenporsche anschaffen (müssen).

20h00 Nachdem im Einkaufskorb kein Fleisch war, gab’s was Vegetarisches (für Anfänger): Kartoffelgulasch mit Petersilien-Creme. Sehr lecker. Der mini-monsieur aß dazu noch ein Bratwürstchen von gestern. Aber der monsieur verlangte nicht nach Extra-Fleisch.

20h40 Oma ruft an. Ich lasse den mini-monsieur antworten und sich für das gestern geschickte Buch bedanken. Sehr süß und „professionell“ wie er mit Oma telefoniert. Männlich kurz angebunden, aber was soll man als Kind auch sagen, wenn Oma doof fragt, ob er noch nicht im Bett sei.

21h15 Das Kind schläft. Heute sollte ich vorlesen – das neue Buch von Oma.

23h40 Bericht von heute fertig gestellt. Denke, dass ich morgen nicht so genau meinen Tag beschreiben werde, sondern mal erklären werde, was ich beruflich mache – also wie das heißt und wie ich dazu gekommen bin.

Gute Nacht!