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Tag: 11. März 2013

Liebes Tagebuch (wenn alles normal wäre)

Liebes Tagebuch (wenn alles normal wäre)

Zur Zeit ist nix normal, viele Dinge sind aus den Fugen geraten: privat und beruflich. So eine Kündigung bringt einiges ins Wanken. Wie sieht also ein normaler Tag in meinem Beruf aus?! Also, wenn ich wirklich das machen würde, was ich kann und will.

7h15 Aufstehen für alle. Ich mache mich fertig, der Mann das Kind. Kleine Verzögerungen, weil das Kind nicht sicher ist, ob es vor dem Kiga noch einmal ein großes Geschäft machen muss. Außderdem müssen die Dinos noch verarztet werden.

8h10 Mutter und Kind verlassen das Haus und nehmen die Fahrräder, um zum Kiga zu fahren.

8h20 Ankunft im Kiga. Kind feritg machen, Schwatz mit den anderen Eltern und/oder Erzieherin. Dicker Kuss, ich hab Dich lieb, viel Spaß und schon bin ich angemeldet. Ich fahre mit dem Rad zur U-Bahn.

8h30 Ich steige in die U-Bahn. Die Zeit nutze ich für meine instagram- und fb-Runde und einen e-Mail-Check.

9h00 Ankuft im Büro. Rechner anschalten, Kaffee ziehen, Frühstück bereiten (Müsli mit Joghurt), e-Mails checken, kurz mit der Kollegin absprechen.

bis 12h30 Recherchieren (Dienstleister, wissenschaftliche Studien, Veranstaltungslocations o.ä.), Kommunikation mit Kunden und/oder  Meinungsbildnern, Absprache mit den Kollegen aus der Kreation, warum der Flyer, die Broschüre so oder so aussehen muss

12h30 bis 13h30 Mittagspause – viel zu selten nicht am Platz. Doch bei gutem Wetter muss ich auf die Promenade unterhalb vom Bernhard-Nocht-Institut und aufs Wasser gucken.

ab 13h30 Vorbereitung einer Veranstaltung, eines Pressetextes oder ähnlichem

14h25 Nachmittagskäffchen ziehen

14h30 Team-Meeting für den potentiellen Neukunden, Erstellung eines Konzeptes, hitzige Diskussionen über die Strategie, wundere mich, dass man so unterschiedliches Verständnis von ein und demselben Produkt haben kann

17h45 Den Kunden zurückgerufen, der es seit 16h00 versucht, beruhigt, Termine fixiert

18h05 Rechner aus, Licht aus und Tschüss…

18h35 An meiner Heimat-Haltestelle fällt mir ein, dass ich noch dringend Shampoo und Zahnseide brauche. Gut, dass ich direkt ins EKZ komme. Schnell noch ein Brot mitgenommen und dann ab nach Hause, wo die messieurs auf mich warten

19h10 Zu Hause ist der Tisch schon gedeckt und der monsier hat Fisch vorbereitet – yummy

20h15 Das Kind ist im Bett. Zeit für mich/uns, Zeit für telefonieren, Buch, TV, Film, unterhalten, Internet oder…

22:35 Letzte Runde mit dem Hund. Danach noch Buch oder TV und dann Licht aus.

Liebes Tagebuch – 1. Tag

Liebes Tagebuch – 1. Tag

Eine spannende Idee hatte Frau Brüllen: Tagebuch-Bloggen… Mal ein bisschen in andere Leben spinsen (nicht nur ins Gedankengut).

Liebes Tagebuch,

der Tag fing kurzfristig schon mal mitten in der Nacht (den Blick auf die Uhr spare ich mir) an, als der mini-monsieur rüberkam und mich wach machte. Der letzte Artikel vom Nuf drückte gewissermaßen und so musste ich aufstehen. Das Kind wollte nicht allein im Bett bleiben und kam mit. Naja, so konnte er auch noch mal (ist ja noch nicht so lange ohne Windel). Beim Blick ins Wohnzimmer fiel dem Kind ein, dass der Papa ja dort schlief und dass er jetzt dort schlafen wolle. Sehr gerne, tat mir doch der Rücken weh und das Bett ist mit Kind sehr klein.

Kaum war ich fast wieder eingeschlafen, höre ich schnelles Getrappel und kurz drauf stürzt sich das Kind mit „Mama, ich bin schnell wie der Blitz zu Dir geflitzt.“ wieder neben mich. Zum Glück schnell wieder eingeschlafen.

7h15: Der Wecker bzw. das Handy piept. Ich fühle ich, als wäre eine Elefantenherde über mich gestapft. Aufstehen aufgrund von und mit Rücken: UN-MÖG-LICH. Der Papa kümmert sich ums Kind, macht es Kiga-fertig und bringt es auch dorthin (normalerweise mein Part auf dem Weg zur Arbeit).

8h50: Mail ans Büro, dass ich heute nicht komme. Seit der Kündigung vor zweieinhalb Wochen habe ich auch kein schlechtes Gewissen mehr, einfach daheim zu bleiben. Bekomme eh Kopfschmerzen, sobald ich ans Büro denke. Habe zwar angekündigt, vielleicht von zu Hause aus zu arbeiten (dass ich überhaupt noch Zugriff auf den Server für so was hab, finde ich ja etwas unprofessionell, aber gut), hatte bislang aber keine Lust. Es tut mir zwar um die Kollegin leid, dass sie dann immer im Regen steht, aber in einer solchen Situation darf/muss man einfach egoistisch sein.

Danach wie eine alte Frau in die Küche geschlichen und Brot gemacht. Mit Brot und O-Saft wieder ins Bett, ein wenig auf dem Smartphone gedaddelt (fb- und instagram-Runde gedreht), dann überfällige Überweisungen erledigt. Die Fernseh-Steuer lasse ich jetzt unkommentiert, ich würde zum Rücken nur noch Puls und Herz bekommen.

Mail bezüglich eines Jobs erhalten. Ich hatte schon zwei Gespräche, nun geht es um weitere Details. Ein paar Daumen könnte ich gebrauchen. Weiteres erst nächste Woche. Bin gespannt, ob und wie wir zusammen kommen.

Ach und wenn der Rechner schon mal an ist, dann kann ich ja auch endlich mal den Artikel über die Zweisprachigkeit für den Blog fertigstellen. Getippt, recherchiert und veröffentlicht. Blog-Runde gedreht. Da war ja was: Tagebuch-Bloggen. Voilà, da bin ich.

13h00 bis gerade nach Jobs gesucht und ein wenig in die anderen Wohn- naja ehr noch Schlafzimmer gelinst. Beim Blick nach draußen fühle ich mich wie kurz vorm Nordpol, auch wenn es hier nicht so schön ist. Aber die dicken Flocken fallen dicht an dicht. Das Kind will heute früher vom Kiga abgeholt werden. Wenn ich das mache, sollte ich langsam mal aus dem Bett kommen. Aber die Wärmflasche im Rücken ist so angenehm. Außerdem habe ich gerade die Kamera an den Rechner gestöpselt, um die Bilder vom Rodeln in Hamburg zu übertragen und zu bearbeiten. Aber frische Luft hat ja auch noch keinem geschadet.

13h05 Beim Blick auf die Rodelfotos weiß ich wieder, warum ich Rückenschmerzen habe und denke, dass ich die Schmerzen besser als Muskelkater deklariere. Ich sollte einfach mal wieder mit Sport anfangen.

13h15 Wundere mich, dass es so still ist in der Wohnung. Dachte vorhin schon, der Mann sei auf dem Balkon um zu rauchen. Aber so lange? Gucke nach, ob er oder die Balkontür festgefroren ist. Puh, weder noch. Der Mann liegt friedlich auf dem Sofa und genehmigt sich eine Mittagspause. Ich nutze die Gunst der Stunde, dass ich mich in der Vertikalen befinde und mache mir noch ein Brot. Dieses Körner-Baguette von dieser vermeintlich französichen Franchise-Kette schmeckt irgendwie komisch – so chemisch. Werde gleich duschen gehen.

13h50 Raffe mich endlich auf, duschen zu gehen. Interessant, woran man alles unter der Dusche denkt. Man kommt von Höcksken auf Stöcksken. Allerdings macht mir mein Alter heute so zu schaffen, dass sich zwischen jeden Gedankensprung das Mantra „Mir tut die Hüfte weh“ (denken Sie sich bitte die Melodie von „ich hab die Haar schön“ dazu) einschleicht. Heiligsblechle, schon lange hat mich meine Hüftdysplasie nicht mehr so genervt. Ich sollte einfach mal wieder mit Sport anfangen.

14h30 Ich bin präpariert für die Norpol-Expedition. Zumindest sehe ich so aus. Eigentlich will ich nur das Kind vom Kiga abholen, aber es schneit und schneit und schneit. Draußen erfahre ich, dass es nicht nur Hamburger Quer-Regen sondern auch Quer-Schnee gibt. Keine Ahnung, wie man sich dagegen wirkungsvoll schützt, außer drinnen zu bleiben. Gut, dass ich schon vorher dran gedacht habe, die Situation optimal auszunutzen und habe 1) Schuhe zum Schuster gebracht und 2) Brot gekauft. Sah mit meiner Expeditionskleidung etwas fehl am Platz aus.

15h00 Kind freut sich riesig, dass ich ihn abhole. Das sind schon so Herzmomente, wenn das Kind einen mit „Ich hab‘ Dich so vermisst und ich hab Dich soo lieb“ begrüßt. Kind in die Expeditionskleidung gestopft und los mit dem Schlittentaxi nach Hause. Zum Glück schneit es so stark, dass keiner mit dem Räumen hinterher kommt. Sonst würde das Ziehen auf den Rücken gehen.

Zu Hause angekommen, müssen wir erst noch eine Schneeballschlacht machen. Ich freue mich ja, dass das Kind meine Liebe für den Winter und den Schnee so teilt. Danach steht ein bisschen chillen an – bei Kuchen (für die messieurs), Laugencroissant, Milch und Saft – und rumtoben.

18h00 Endlich haben wir das Kind überreden können, dass er duschen sollte. Immer das Gleiche: Erst will er nicht rein. Aber wenn er erstmal drin ist, nicht wieder raus. Hier hilft meistens nur der Wecker: Wenn’s piept, wird das Wasser ausgemacht und er kommt raus. Funktioniert sehr gut. Heute nicht nötig, da der Papa mitgeduscht hat.

Ich bereite derweil ein wenig Abendbrot vor. Heute gibt’s Salat (mit Fenchel, Paprika und Gurke), Brot und Reste von gestern. Daher:

18h50 À table!!!

Das Abendessen ist mir heilig. Da hier nicht gefrühstückt wird, ich über Mittag im Büro bin und der mini-monsieur im Kiga isst, ist das Abendessen die einzige Familienmahlzeit, bei der wir zusammen am Tisch sitzen. Das Kind wird dabei zu seinem Glück gezwungen: Er isst eigentlich ganz gut. Jedoch isst er, wenn man nicht nachhilft, nur soviel, dass sein Hunger gerade gesättigt ist. Den Rest würde er mit Milch, Wasser oder Schorle auffüllen. Also schiebe ich ihm immer wieder einen Happen rein.

20h25 Das Kind ist im Bett (etwas früher also sonst, aber es gab ja auch früher Abendessen). Der Papa durfte/sollte mal wieder was auf Französisch vorlesen. Ich konnte ein bisschen Trash-TV zappen (zwischen R*L und v*ox). Nun sucht der monsieur einen Film, ich werde gleich noch ein wenig surfen und vielleicht einen „was wäre wenn“-Tagebucheintrag verfassen.

21h30 Einen „normalen“ Tagebuch-Artikel geschrieben.

Gleich werden wir knobeln, wer noch einmal mit dem Hund rausgehen und sich in den Schnee wagen möchte.

Danach gibt’s dann noch die obligate instagram- und fb-Runde, ein wenig zu lesen und dann ruft auch schon das Kopfkissen in die Horizontale.

Zwei Sprachen

Zwei Sprachen

Im Zuge von Internationalität ist es ja wichtig, diverse Fremdsprachen zu beherrschen. Und die lieben Kleinen lernen Sprachen ja ach so einfach, wenn man nur früh genug damit anfängt. So müht sich der ein oder andere Nicht-Muttersprachler daheim ab und spricht Schulenglisch mit dem Nachwuchs oder setzt das Kind immer mal wieder vor den Lieblingsfilm in der Wunschsprache (irgendwas wird ja wohl hängenbleiben). Wem das nicht elitär genug ist, der bucht „Spanisch/Englisch/Kisuhaeli für Minis“, schickt sein Kind in eine zweisprachige Kita oder holt sich eine fremdsprachige Hilfe ins Haus (von der am meisten der Papa was hat). Bald wird es Chinesisch für Neugeborene, wenn nicht auch schon im Mutterleib geben.

Toller Trend, dachten der monsieur und ich, als der mini-monsieur sich ankündigte: Das machen wir auch.

Bei monsieur und mir ist das anders. Wir wollten den mini-monsieur nicht zweisprachig erziehen, wir mussten. Denn der monsieur spricht nun mal nur Französich. Ich spreche beide Sprachen – Deutsch ist meine Muttersprache und Französisch (nach Aussage von monsieur) so gut, dass er immer wieder vergisst, dass ich nicht Muttersprachlerin bin. Das ist ein wenig übertrieben, denn ich habe da noch so einige grammtikalische weiße Flecken und die Sache mit den Haken und Ösen an/auf irgendwelchen Wörtern hat sich mir immer noch nicht erschlossen. Aber die hört man ja zum Glück nicht.

Wie bei der Erziehung der mini-monsieurs im Allgemeinen haben wir uns auch für diese Erziehungsfrage keine Ratgeber zugelegt. Ich habe ein wenig im Internet recherchiert und dann beschlossen: Das wird schon, wenn wir einfach nur bei uns bzw. unseren Sprachen bleiben: „Eine Person – eine Sprache

Und es wurde. Wir hatten den Luxus, dass der mini-monsieur die ersten drei Lebensjahre nicht in eine Einrichtung musste, sondern daheim vom Papa betreut wurde. Das heißt, dass der kleine Mann in seinem ersten Lebensjahr täglich französisch-deutsch beschallt wurde, im zweiten und dritten Lebensjahr dann tagsüber Französich mit Papa und abends Deutsch mit mir sprach. Zusätzlich ging er einmal pro Woche in eine französische Kindergruppe und unsere Familiensprache ist Französisch.

Wie alle zweisprachigen Kinder fing auch der mini-monsieur erst spät an zu sprechen. So richtig eigentlich erst mit etwas über zwei Jahren. Das hat uns nie gestört oder beunruhigt, sahen wir doch, dass uns versteht und sich auch sonst bestens entwickelt. Seit der Sprachknoten geplatzt ist, spricht er wie ein Wasserfall, denkt hin und wieder schneller, als er sprechen kann und ringt gelegentlich nach Wörtern. Aber nichts, was uns beunruhigt (im Gegensatz zum Kiga-Logopäden, aber der muss ja auch irgendwie an seine Patienten kommen).

Natürlich hat er auch Frallmand gesprochen (Ich habe eine Puzzle gefait, nach maison gehen o.ä.). Ebenfalls etwas normales und nichts, was mit 2 oder 3 schon korrigiert werden müsste. Zudem war klar zu sehen, dass der mini-monsieur keine Probleme damit hat(te), die Sprachen zu trennen und „wusste“, dass er mit dem Papa Französisch und mit mir Deutsch spricht. So kam es bisweilen vor, dass der mini-monsieur dem Papa „übersetzte“, da der monsieur sich mit Deutsch sehr schwer tut.

Seit einem drei viertel Jahr geht der junge Mann nun in den Kindergarten. In einen rein Deutsch-sprachigen, da es einen französisch-deutschen nicht gibt (zumindest nicht erreichbar). Und hier stieß er an seine Grenzen. Ich möchte nicht sagen, dass er sprachlich hinterher war. Aber das Frallemand stand ihm im Weg. Die anderen Kinder verstanden nicht, was er wollte, er konnte verbal nicht schnell genug reagieren und wurde bisweilen von den älteren Mädels in Grund und Boden diskutiert. Frust machte sich breit, der sich auch in Aggression äußerte. Nicht nur einmal haben wir in der Anfangszeit eine Kind vom Kiga abgeholt, das mal wieder ein anderes Kind gebissen hatte. (Wir hatten so eine Beißphase schon mal, als seine beste kleine Freundin früh anfing zu reden, während er noch nicht mal Mama und Papa sagen wollte, und beim Spielen auf ihn einplapperte.)

Sicherlich war es auf der einen Seite der Ansporn, mit den anderen Kindern mithalten zu können, dass er auf Nur-Deutsch umschaltete. Auf der anderen Seite steht aber auch, dass der Papa in dieser sprachlich sensiblen Phase für zweieinhalb Monate nicht da war. So hörte der mini-monsieur (abgesehen von den Telefonaten mit Papa) nur Deutsch – im Kindergarten, mit Mama, mit der Babysitterin, mit den Nachbarn. Ich bin mir sicher, selbst wenn ich mit dem Kind Französisch gesprochen hätte und/oder nur noch Filmchen auf Französisch hätte gucken lassen, dass die – objektiv betrachtete – schwache Sprache nicht aktiv genutzt worden wäre.

Und so ist es zur Zeit so, dass der mini-monsieur dem monsieur fast ausschließlich auf Deutsch antwortet, wenn dieser mit ihm (Französisch) spricht. Das führt nicht nur zu Missverständnissen (also beim monsieur, da der mini-moniseur Französisch immer noch einwandfrei versteht) und dass ich immer wieder übersetzend eingreifen muss, sondern auch zu Frust beim monsieur (nein, er beißt nicht). Und ich weiß auch, dass es mich sehr stressen würde, wenn ich auf einmal mein Kind nicht mehr richtig verstehen würde. Aber man kann ein Kind in so einer Situation ja nicht zu seinen Glück zwingen.

Umso erfreulicher ist es, dass der mini-monsieur in der letzten Zeit wieder anfängt, Französisch einzufordern. Der Papa soll abends vorlesen, es werden die französischen Kinder-DVDs gesucht und auch wird er nicht müde zu betonen, dass er auch Französisch könne (kann er ja auch).