Weltfrauentag

Weltfrauentag

Joah, Weltfrauentag. Wie jedes Jahr halt am 8. März. Ein Tag für uns Frauen. Yeah. Ein Tag, der immer am gleichen Datum stattfindet und somit in den meisten Fällen auf einen normalen Werktag fällt. Also an einem Tag stattfindet, an dem Frauen arbeiten müssen – arbeiten unter oftmals deutlich prekäreren Verhältnissen und in vielen Fällen für ein deutlich geringeres Gehalt als Männer. Ich wäre ja dafür, dass der Frauentag immer auf einem Sonn- oder Feiertag liegt. Damit Frauen den Tag auch nutzen können. Ach, oh, dann haben ja die Kinder (sofern es welche gibt) und Männer auch frei und wollen betreut und bespaßt werden oder brauchen dringend mal einen Pause vom Alltag. So Zeit für sich halt. Aber wenigstens müsste Frau (sofern sie nicht in einem entsprechenden Beruf arbeitet) am Frauentag wenigstens nicht arbeiten.

Spaß beiseite: Im Netz und so kursieren gerade viele gute, richtige und wichtige Anliegen, was sich für Frauen noch alles ändern muss. Und es ist – leider – viel. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass wir aktuell wieder mehr Schritte zurück als vor machen.

Allerdings komme ich nicht umhin – ja, vielleicht ist das meine Arroganz als weiße, gut ausgebildete, emanzipiert erzogene und gut verdienende Frau – „Orrrr“ zu denken. Orrr, ich kann doch nicht erwarten, dass gewisse Dinge für mich geschehen, ich muss sie doch einfordern. Oder – meiner Meinung nach am besten – einfach machen (oder nehmen). Dazu ein paar lose Gedanken (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

  • Partnerschaft
    • Denkt immer dran: Eine Partnerschaft zwischen zwei erwachsenen Menschen sollte immer eine Partnerschaft auf Augenhöhe sein. Lasst Euch nicht klein machen.
    • Der Grad zwischen „Ich mache es gerne“ und Ausgenutztwerden ist schmal.
    • Nehmt Euren Partner* mehr in die Pflicht. Im besten Fall sollte er von allein seinen Anteil an Care-Arbeit und Haushalt machen. Und nein, er hilft nicht. (Was täte er denn, wenn er alleine wohnte?!)
    • Teilt die Care- und Hausarbeit besser auf. Und glaubt nicht, dass sich das irgendwie regelt oder ausgleicht.
    • Wenn das – warum auch immer – nicht möglich ist, regelt mit Euren Partnern, dass Ihr einen Strukturausglich bekommt (z.B. Zahlung einer private Rentenversicherung).
    • Meistens ist bei Männern mehr möglich, als sie behaupten. Sie haben nur keinen Bock – menschlich völlig verständlich, zwischenmenschlich halt fürn Arsch – auf ihre Privilegien zu verzichten.
    • Macht ihnen deutlich, dass Elternzeit und Teilzeit für Euch ebenso – und in der Regel noch stärkere – Einbußen im Job bedeuten, wie für sie: Denn es ist echt interessant, dass es für Männer achso schwer ist, mehr als 2 Monate Elternzeit zu nehmen. Oder auf Teilzeit zu gehen. Das mag im Einzelfall schwierig sein, aber dann ist es für die Frau im Einzelfall (gleicher Job) genauso schwierig.
    • Findet keine Ausreden für Eure Männer/Partner, warum sie diesdasjenes nicht machen können.
    • Ihr müsst nichts ertragen – weder psychische noch physische Gewalt.
    • Verhütung ist nicht nur Eure Sache. Doch Schwangerschaft schon.
  • Ehe
    • Muss wirklich geheiratet werden? Und wenn ja warum?
    • Überlegt Euch, wie abhängig Ihr Euch durch eine Heirat macht (machen könnt).
    • Denkt daran, dass – zumindest die standesamtliche – Heirat ein bürokratischer Akt ist, der gewissermaßen ein Vertrag ist.
    • Romantik ist toll, aber denkt auch an das Danach.
    • Wenn beide arbeiten, lasst Euch nicht mit Steuerklasse V abspeisen.
  • Job
    • Seid Euch Eurer Fähigkeiten bewusst.
    • Verkauft Euch nicht unter Wert.
    • Lasst Euch nicht abspeisen – weder bei Gehalt, noch irgendwelchen Arbeitszeitmodellen. Wenn es Euch wichtig ist, bleibt hartnäckig.
    • Geht auf Eure Arbeitgeberinnen / Chefinnen proaktiv zu. Erwartet nicht, dass Euch Dinge auf dem Silbertablett serviert werden. (s. oben, Stichwort „Privilegien“)
    • Wenn Ihr nicht auf abstrusen Wegen an Euren Job gekommen seid, müsst Ihr nicht dankbar dafür sein, dass Ihr arbeiten dürft.
    • Auch nicht, wenn Ihr nach der Elternzeit wieder arbeiten „dürft“.
    • Eure Arbeitgeberinnen könnendürfensollen froh sein, dass sie eine kompetente und eingearbeitete Kraft wiederhaben.
    • Wenn Ihr Karriere machen wollt, dann müsst Ihr Euch nicht dafür rechtfertigen.
    • Wenn Ihr keine Karriere machen wollt, müsst Ihr Euch auch nicht dafür rechtfertigen.
  • Kind** (Mutterschaft)
    • Wenn Ihr Euch mal wieder schlecht fühlt, weil Ihr nicht bei Eurem Kind seid/ sein könnt: Überlegt Euch, warum Ihr Euch so fühlt. Wie viel von Eurem Gefühl ist eine (unausgesprochene) Erwartungshaltung von Außen? Wem wollt Ihr mit Eurem schlechten Gewissen gefallen?
    • Wenn es Eurem Kind in der Betreuung gut geht, dann freut Euch drüber, dass es dort bestimmt eine gute Zeit haben wird.
    • Traut Eurem Kind etwas zu. Ihr müsst nicht alles regeln.
    • Ihr habt nicht allein die Verantwortung für Euer Kind.
    • Traut auch Eurem Partner – insbesondere wenn es der Kindesvater ist – etwas zu. Er wird es vielleicht nicht machen wie Ihr, aber anders heißt nicht, dass es falsch ist.
    • Wenn Ihr Zeit für Euch nehmt, dann macht einfach. Ihr müsst das nicht rechtfertigen mit „Danach habe ich wieder Kraft fürs Kind“. Ihr macht das für Euch. Und das ist auch völlig in Ordnung.
    • Ihr seid keine schlechten Mütter, wenn Ihr Euer Kind nicht zu jedem Hobby begleitet.
    • Vereinbarkeit ist nicht die ureigenste und alleinige Aufgabe von Müttern.
    • Zeigt Euren Kindern, dass Frauen und Männen grundlegend alles gleich gut und gleich schlecht können. Die einen das einen und die anderen das andere und das ist unabhängig vom Geschlecht.

Was davon wer für sich annimmt und wovon sie sich angegriffen fühlt, muss jede für sich wissen. Ich will keiner weh tun, aber Frauensolidarität bedeutet für mich nicht, dass ich bei jedem Mimimi mitmimimiend einer über den Kopf streichel und sage: „Oh, ja. Es ist alles soooo schlimm.“ Denn davon ändert sich genau gar nichts. Wir müssen für unsere Rechte selbst kämpfen. Wir werden sie nicht serviert bekommen.

Macht Euer Ding. Ihr müsst in erster Linie Euch gefallen. Macht nicht Dinge, die eine halt so macht, wenn ihr nicht dahinter steht.

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* Ehemänner sind mitgemeint

** oder halt Kinder

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