Resümee 2022 (2)

Resümee 2022 (2)

Ich komme nicht richtig in den Schreibflow. Weder fürs Blog noch für die Arbeit. Ersteres ist schade, zweiteres ist ärgerlich und kontraproduktiv. Da ist es nun mal zentraler Bestandtel meines Jobs. Und da wären wir auch beim nächsten Resümee-Kapitel:

Es war klar, dass ich den Job wechseln muss. Ich weiß gar nicht, ob es ein Neujahrsvorsatz war. Vermutlich nicht, denn ich mache ja keine Vorsätze. Aber der Plan wird trotzdem um den Dreh rum gereift sein. Irgendwann blinkte in meinem Kopf: „Raus, Du musst da raus!“ Und passend dazu ploppten direkt Stellenausschreibungen auf. Ich schrieb sieben Bewerbungen, von denen mir eigentlich nur eine wichtig war. Zwei weitere wären eine okaye Alternative gewesen. Bei den dreien hatte ich auch Bewerbungsgespräche. Von den anderen vier gab es Absagen. Die Bewerbungsgespräche führte ich unter den widrigsten Bedingungen: Beim ersten war ich krank. Beim zweiten hatte ich mich morgens getrennt. Beim dritten hatte ich mich einen Tag zuvor getrennt und teilte direkt danach dem Ex mit, dass er ausziehen müsse. Ohne Freundin J – B., und wenn Du nur 20 Prozent geben kannst, dass ist immer noch mehr als manch andere mit 100 Prozent schafft – hätte ich die Bewebungsgespräche abgesagt. Und das wäre blöd gewesen. Das vierte Gespräch hatte ich, mitten im BurnOut-Tiefpunkt und als ich schon von den beiden anderen Angebote hatte. Insgesamt ging alles sehr schnell. Anfang Februar war alles geklärt, Mitte Februar der Vertag da und ich kündigte.

In der Woche, in der ich den alten Job kündigte, habe ich auch zum letzten Mal im alten Job gearbeitet. Dann kickte der BurnOut so stark rein, dass nichts mehr ging. Ich war AU. Und dann war ich freigestellt.

Nach fünf Monaten ohne Arbeit hatte ich Angst vor dem Start in den neuen Job. Kann ich das noch mit dem regelmäßigen Tagesablauf? Außerdem: neue Kolleg*innen, neues Umfeld und vor allem auch ein neuer Job. Ich habe, wie es manchmal genannt wird, die Schreibtischseite gewechselt. Ich war wieder Newbie. Konnte und kann noch immer nur bedingt auch meine Skills zurückgreifen.

Der Start war gut. Alles spannend, alles neu. Ich stieß an viel „das haben wir schon immer so gemacht“ und beobachtete viel von Außen. Ich lernte viel und fühlte mich wohl. Kurz drauf wurden Dinge grundlegend umstrukturiert. Das ist gut und richtig. Aber es tuen sich alle sehr schwer damit, sich da reinzufinden und die neuen Strukturen zu leben und auszufüllen. Und vor allem anders zu denken. Alle waren und sind damit beschäftigt, sich in das Neue einzufinden. Manchmal wurde mir suggeriert, dass mir das Neue ja leicht fallen müsse, weil ich das Alte nicht kenne. Ja, vielleicht. Aber so lange alle noch im Alten denken, kann ich so neu denken, wie ich will. Ich wurde zunehmend unzufriedener. Meine Vorgesetze war nicht ansprechbar und es lief sehr unrund. Ich war mir nicht mehr sicher, ob der Jobwechsel – zumindes dahin – richtig war. Ich kam mir vor wie eine Flipperkugel: Immer wieder ein Ditsch, wie ich es so oder anders machen sollte. Mach es so, aber auf keinen Fall auf diese Weise. Bedenke das. Vergiss jenes. Ditsch. Ping. Ich habe gehadert, mich beraten. Ich war krank und hatte Urlaub und war so fast einen Monat lang nicht da. Eine wichtige Zeit, um mir klar zu werden: Ich bin da, wo ich bin richtig und wichtig. Und ich möchte da auch bleiben.

Nun ist meine Probezeit rum. Ich stehe erstmals in einem Impressum. Hui. Aber ganz rund läuft es immer noch nicht. Mir fehlen Routinen. Ich bin mit meiner Leistung immer noch nicht glücklich. Ich komme nicht richtig in den Flow (Flipperkugel). Damit geht es mir nicht gut. Und ich ich zerre an mir selbst, was natürlich überhaupt nicht hilft. Geduld hilft bedingt. Es wird ja auch was von mir erwartet. Ich versuche mir meine Inseln zu schaffen und mir Freiräume zu erkämpfen. Es ist mühsam. Es geht zwei Schritt vor und einen zurück.

Von Außen betrachtet erwarte ich – wie so oft – viel zu viel von mir. Mein Leben hat sich dieses Jahr grundlegend geändert. Meine einzige Konstante ist das Kind und auch der ändert sich. Ich muss mich nicht nur darum kümmern, dass ich einen neuen Job habe, sondern auch, dass ich in einer neuen Wohnung in einer anderen Stadt wohne, dass ich wieder alleine wohne, dass sich meine zwischenmenschlichen Beziehungen grundlegend verändert haben. Alles erfordert Energie. Natürlich kann ich im Job nicht meine gewohnten 120 Prozent geben. (Darf und will ich auch so nicht mehr, aber auf solide 80-90 Prozent käme ich schon gerne.)

Ich möchte da bleiben, wo ich bin. Und ich möchte wieder in den Flow kommen.

Es wird werden.

Bestimmt.

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