Durchgeflutscht

Durchgeflutscht

„Alles wird gut“ – oder die etwas abgeschwächte Version „wird schon“ – ist durchaus schon ein Mantra von mir. Allerdings fiel mir während Schulzeit des Kindes nicht immer leicht, daran auch wirklich zu glauben. Nein, es war oftmals ein Balanceakt an der Klippe. Dieses marode System ist einfach ungeeignet, Kinder zu bilden. (Und wohl denejenigen, bei denen es anders läuft.)

Nun ist ein Ende in Sicht. Im Mai hat das Kind schriftliche Realschul-Prüfungen und dann ist die Regelschulzeit vorbei. Oberstufe schließt er für sich – vorerst –  aus. Bereits vor einem Jahr, beim Praktikum hat er den Entschluss gefasst, dass er ein Ausbildung machen will. Und so wie ich ihn kenne, legte er sich da schon fest, dass es Elektronik/Mechatronik werden soll. Und dabei blieb es.* Er machte noch ein freiwilliges Praktikum in dem Bereich, was seinem Wunsch keinen Abbruch tat.

Und so kam es, dass ich Mitte Februar mit dem Kind eine Übersicht machte, welche Ausbildungsbetriebe es denn so gebe bzw. ihm vom Arbeitsamt empfohlen worden waren, und wir schrieben zusammen Bewerbungen. In Anbetracht der sehr langen Liste an Betrieben wurden es sehr wenige Bewerbungen: drei um genau zu sein. Aber womöglich kommt er da nach mir: Ich habe mich auch noch nie große in Bewerbungsmarathons verzetteln müssen.

Schnell bekam er Feedback von zwei der drei Betriebe. Beim einen hat er nach einer kurzen digitalen Vorstellung die Option auf einen Schnuppertag im Betrieb. Beim zweiten machte er einen Test, hatte ein Kennenlerngespräch und – tadaaa – noch am gleichen Tag die Zusage auf einen Ausbildungsplatz. (Mittlerweile hat sich sogar der 3. Betrieb gemeldet und zum Auswahlverfahren eingeladen.)

Das ist so unsagbar großartig.

Nicht weil mein Kind mit zarten 16 schon den harten Arbeitsalltag kennenlernen wird. (Das finde ich ziemlich spooky.) Aber diese Momente der Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmung und (Fremd-)Bestätigung sind ein absoluter Push für junge Menschen.**

Ich platze.
Vor Stolz.
Und Freude.

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* So ist er: Er legt sich gerne fest. Früher waren es die Themen für seine Kindergeburtstage, die mir bereits Monate im voraus diktiert wurden. Und er blieb immer dabei.

** Wie frustrierend muss es sein, Absagen für die erste Berufswahl zu bekommen. Denn sie implizieren immer: „Deine Wahl ist nicht gut.“ „Du bist nicht gut (genug).“ Das kann viel gerade mit einem jungen Mensch machen.

2 Gedanken zu „Durchgeflutscht

  1. Ich freue mich für Euch! Mein „kleines“ Kind lernt ja Elektriker und auch wir bekamen vom Arbeitsamt eine ganze Menge Ausbildungsbetriebe genannt. Geschrieben hat er dann 7 Bewerbungen. Bei den Vorstellungsgesprächen (die wir ihn allein machen ließen) entstand nach seinen Erzählungen bei mir der Eindruck: Die Betriebe bewerben sich bei ihm und nicht umgekehrt.
    Vorallem im Handwerk suchen alle händeringend Azubis und sind Reisen sich um jeden ordentlichen Bewerber.
    Alex hat in dieser Zeit ordentlich Selbstbewusstsein gewonnen.

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