36 Millionen

36 Millionen

Disclaimer: Ich bin „Team Impfen“. Ich bin gegen (fast) alles gemimpft, was in diesen Breitengraden Sinn macht.* Auch das Kind ist gegen alles geimpft – außer FSME* und HPV fand wegen Pandemie bislang auch noch nicht statt. Auch der RB ist altersgerecht durchgeimpft – sogar schon gegen FSME.

Ich werde mich – natürlich – auch gegen Covid-19 impfen lassen und auch das Kind soll dagegen geimpft werden. Und zwar, wann es sich ergibt. Denn da ab 7.6. die Priorisierung aufgehoben ist, gilt ja nicht mehr „wann wir dran sind“.

Seit auch Priogruppe 3 (erhöhte Prio) mit in der Impfschlange steht, sind ca 38 Mio. Menschen impfberechtigt.** Zwar ist von den > 60-Jährigen eine deutliche Mehrheit erstgeimpft***, aber halt noch nicht durchgeimpft****. Gehen wir davon aus, dass alles, was bislang verimpft worden ist, „ausschließlich“ die drei Priogruppen erhalten haben, sind von diesen drei Priogruppen 46 % voll geimpft und nur 1 % noch gänzlich ungeimpft*****. (Mich würden die Impfquoten in den einzelnen Priogruppen bzw. detaillierteren Altersgruppen ja interessieren, aber die gibt es finde ich nicht.) Gemäß der aktuellsten Zahlen für gelieferte und verimpfte Dosen könnten in ca. 4 Wochen diese Menschen vollgeimpft sein (plusminus ein paar Zweitimpfungsnachzügler).

Ursprünglich wollte ich mich darüber aufregen, wie quatschig es ist, dass seit heute das Impfen für alle geöffnet wurde und sich nun zu den verbleibenden 20,5 Mio Menschen aus Prio 1-3, die noch mindestens eine Impfung brauchen ab heute 33 Mio Erwachsene (≥ 16 Jahren) und 3 Mio Jugendliche (12-16 Jahre) drängen. Quatschig ist letztlich aber nur, dass aus dem Versprechen „alle Bürgerinnen bekomme noch im Sommer ein Impfangebot“ ein „Tach auch, jetzt dürfen sich alle impfen lassen. Um den Termin müssen Sie sich schön selbst kümmern.“ wurde.

Denn vermutlich wird gar nicht so viel schief gehen. Zumindest nicht für Menschen aus Prio 1-3. Denn von denen sind (rein rechnerisch) nur noch 206.000 ganz ohne Impfung. Ob von denen noch alle eine Impfung wollen oder dürfen, ist unklar. Die restlichen 20,2 Mio sind „abgesichert“: Die haben schon eine Impfung und demnach auch schon einen Zweittermin.

Problematischer ist es eher für die 36 Mio Menschen, die nun auf den Impfmarkt drängen. 36 Mio Menschen, die sich gleichzeitig um die immer noch nicht üppigen Impfdosen „prügeln müssen“, denn nun gibt es keine Priorisierung mehr. Dabei wäre auch bei diesen Menschen eine Priorisierung immens wichtig, denn sonst „gewinnen“ die, die Computer, Zeit und/oder relevante Kontakte haben – spricht die Mittelschicht und alles darüber. Die, die genug Platz und HomeOffice-Möglichkeiten haben. Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, werden das Nachsehen haben. Sozialdarwinismus halt.

Wobei auch das alles noch Jammern auf hohem Niveau ist.****** So betrug in KW 22 die Impfstofflieferung

  • 3,77 Millionen Comirnaty-Dosen
  • 561.180 Moderna-Dosen
  • 604.600 Vaxzevria-Dosen
  • 722.402 Johnson&Johnson-Dosen

Also 5,7 Mio Impfdosen. Wenn wir weiterhin so viele Dosen pro Woche bekommen, haben wir in 16 Wochen ausreichend Impfdosen für alle ≥ 12 Jahre bzw. in 15 Wochen für alle ≥ 16 Jahre. Das ist beides noch im September.

Wir sehen also, durch die 3 Mio Jugendliche verlängert sich das ganze Impfspektaktel um gerade mal eine Woche.

Fraglich ist nur, wann die Jugendlichen geimpft werden. Wenn wir Medien und verschiedenen Twitter-Bubbles Glauben schenken: vermutlich nie. Ich sage (naja, nicht nur ich): Die Jugendlichen werden im Laufe des Jahres auch geimpft. Nicht alle sofort, wie die Politik es gerne hätte, um sich von ihrer Pflicht zu befreien, die Schulen endlich sicher zu machen und auch nur einen Cent in Kinder und Bildung zu investieren. Denn DAS ist der eigentliche Skandal.

Dass die StIKo keine generelle Empfehlung für die Impfung der Jugendlichen ausspricht*, ist für mich nicht verwunderlich und schon gar kein Aufreger. Zumal sie ja die Impfung nicht verbietet. Wer sein Kind impfen lassen will, dessen Kind wird sicherlich irgendwann auch geimpft.******* Sicherlich etwas später, denn die Kinderärztinnen werden erstmal die vorerkrankten Risikopatientinnen in der Altersgruppe impfen. Verständlicherweise. Daher werde ich auch erstmal nicht beim Kinderarzt anrufen, um mein gesundes (und noch nicht ganz 12jähriges) Kind auf irgendeine Impfliste zu setzen. Das wird sich schon irgendwie fügen.

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* Es fehlt FSME, weil Frankfurt bislang nicht Risikogebiet ist. Allerdings gehen wir in Risikogebieten wandern.

** So ganz genaue Zahlen, wie viele Menschen zu welcher Priogruppe gehören, habe ich nicht gerfunden. Halt nur hier. Vermutlich sind mehr in Gruppe der Priorisierten, da in Prio 3 auch Personengruppen sind, die da nicht aufgrund von Alter u/o Krankheit sind, sondern weil für sie so gut lobbyiert wurde.

*** je nach Bundesland zwischen 70,5-87,5%

**** je nach Bundesland zwischen 36,5-51,6%

***** Es ist schwer abzuschätzen, wie viele bereits Geimpfte auch tatsächlich in eine der Priogruppen gehörte. Ich gehe einfach wohlwollend davon aus, dass der Dränglerinnen-Anteil letztlich sehr gering ist.

****** Und ja, weil wir uns in einer Pandemie befinden, ist ein Blick rund um die Welt durchaus angebracht und den meisten hier geht noch immer ziemlich gut.

******* Da die Kosten für die Impfungen vom Bund getragen werden, ist die fehlende StIKo-Empfehlung hier auch unproblematisch.

2 Gedanken zu „36 Millionen

  1. Danke für die Aufbereitung der Zahlen und das „ins Verhältnis setzen“ dieser. Die Nachrichtenlage kann man momentan ja reinen Gewissens als „diffus“ bezeichnen.

    Aber, da bin ich ganz Deiner Meinung, es geht voran. Langsamen Schrittes geht es Stück für Stück voran und das ist ja allemal besser, als würden wir uns jetzt noch von Lockdown zu Lockdown hangeln und in ahnungslose Politikergesichter blicken, die schulterzuckend Pressekonferenzen abhalten.

    Das Licht am Ende des Tunnels, es rückt näher.

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