Mit beiden Beinen im Leben

Mit beiden Beinen im Leben

X-63 Tage bis zur In der zweiten Welle

Ich habe einen Plan: Ich möchte Hosen aus meiner Gaderobe verbannen. Also nicht komplett verbannen, aber ich habe keine Lust mehr auf Jeans und Co. Ich habe zwei gut sitzende Jeans, aber es ist sehr tagesformabhängig, wie ich mich darin fühle.

Letztlich fing es damit an, dass ich Snagtights für mich entdeckte: Endlich mal Strumpfhosen, die passen. Die nicht rutschen, die nichts abschnüren. Dazu noch in tollen Farben und 80 DEN. Das ist, wenn es kühler ist, ja nicht so unwichtig. Als wir im Februar in Berlin waren, hatte ich nur Röcke (und Strumpfhosen) dabei. Dann kam SARS-CoV2 und ich saß im HomeOffice in allem, nur nicht in Jeans.

Seit Wochen trage ich nur noch Röcke und Kleider – auch im Urlaub hatte ich keine Hosen mit – und es fühlt sich wirklich gut an. Ich trage vor allem kurze Röcke, also kurz über Knie kurz. Etwas über Knie lang geht auch. Aber da habe ich bislang nicht so viele gefunden, die mir gefallen und die nicht Midi-lang sind. Midi-lang mag ich an mir nicht. Aber eigentlich mag ich die kurzen Röcke am liebsten – leichte A-Linie, Skaterstyle. Darin lässt sich auch prima wandern.

Bis noch vor einiger Zeit habe ich im Sommer – wenn überhaupt – lange Röcke getragen. Weil ich darunter meine Beine verstecken kann.* Weil ich meine Beine nicht schön fand.** Weil sie nicht unbedingt so aussehen, was landläufig als „schöne Beine“ bezeichnet wird: etwas kräftig(er), krumme Knie, keine glatte Haut, Krampfadern*** (v.a. rechts), Oberschenkel ohne Lücke**** und mit Hip Dips. Wenn ich viel Sport treibe – also Gymnastik, Yoga, Radfahren – dann wird das ganze zwar etwas definierter, aber die Grundproblemeform bleibt bestehen.*****

Die Erkenntnis, die in den letzten Jahren in mir reifte und für die es wohl auch ein gewisses Alter braucht: Ich werde mit meinen Beinen leben müssen. Und wenn ich so drüber nachdenke, dann haben mich meine Beine auch die vergangenen 43 Jahr äußerst treu begleitet. Okay, das rechte Knie spinnt gelegentlich. Aber bislang machen die Beine ihren Job gut. Ich stehe mit ebendiesen Beinen fest im Leben.

Deswegen war mein Posting auf Instagram auch kein fishing for compliments.

Es ist vielmehr ein Aufruf, sich darum zu scheren, was die anderen denken können:

Liebe alle, aber als Frauen gelesene Menschen besonders,
versteckt euch nicht – in Sack und Asche -, weil ihr meint, nicht der „Norm“ zu entsprechen.
Zieht an, worin ihr euch gefallt. Schwitzt im Sommer nicht unnötig, weil ihr meint, irgendwas unter langbeinigen oder -ärmeligen Klamotten verstecken zu müssen******. Tragt schwarz, wenn es euch gefällt, aber nicht, weil ihr meint etwas kaschieren zu müssen******.
Seid gnädig mit euch und euren Körpern.*******

——————————
* Ich habe auch ein paar ganz lange Röcke. Das mag ich im Sommer manchmal ganz gerne. Zumal ich unter den langen Röcken auch mal die Kompressionsstulpen tragen kann.

** Und an manchen Tagen auch immer noch nicht schön finde.

*** Bereits einmal Veröden und einmal Stripen lassen.

**** Hier eine große Empfehlung für entweder Antitranspirant-Creme oder halt ChubRubs-Shorts

***** Deswegen lasse ich das mit dem Sport aber nicht.

****** Ich schreibe bewusst „zu müssen“, denn ihr müsst gar nichts. Wenn ihr es wollt, weil ihr euch wohler fühlt, ist das was anderes, aber wenn ihr meint zu müssen, um einer „Norm“ zu entsprechen, die es letztlich nicht gibt, dann LASST ES EINFACH!

******* Und nein, ihr müsst nicht mit den 5 Kilogramm zu viel leben, wenn ihr euch damit nicht wohl fühlt, aber das ist dann eure Sache und in eurem Kopf und letztlich – hoffentlich – eure Norm, die ihr auch keiner anderen überstülpen dürft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.