Letzter Ferientag

Letzter Ferientag

X-55 Tage bis zur zweiten Welle

Irgendwie war die Nacht durchwachsen. Zu spät im Bett, nicht zur Ruhe gefunden, komisch geschlafen. Entsprechend spät aus dem Bett gekommen. Zu spät für eine Wanderung mit einer längeren Anfahrt. Zum Glück hatte ich noch eine geplante Route im Taunus mit nur 30 Minuten Anfahrt. Frühstück, Proviant verpacken und los.

Erkenntnisse:

  • Die Wildschweinroute hat nicht viel mit Wildschweinen zu tun. Hmpf. (Und an diversen Stempelstationen fehlten die Stempel.)
  • Das Kind läuft weniger nörgelig mit, wenn er unter „erschwerten“ Bedingungen wandern muss: So hatte er sich ab dem Barfußpfad vorgenommen, mindestens einen Kilometer barfuß zu laufen und lief ohne Schuhe erstaunlich leichtfüßig mit.
  • Andere Menschen haben echt keinen Sinn dafür, wann eine vielleicht mal ruhiger sein sollte. Die Fledermäuse im Fledermausstollen hatten Glück, dass sie durch ein Eisengatter geschützt sind, sonst wären die Kinder der anderen Familie mit „Mama, Papa, da sind Fledermäuse drin“ einfach reingestürmt.
  • Das Kind war insgesamt schlecht drauf. (Der Grund kam erst später raus.)

Weil LowCarb und Essen gehen / bestellen insgesamt recht schwierig ist, hatten wir Essen vorbereitet.

Zitronen-Hühnersuppe mit Quarkklößchen

Das Kind war verhältnismäßig früh im Bett, geisterte aber wieder rum. Orrr, dabei sollte er doch nach der Wanderung durchaus müde sein. Das war er auch, aber der morgige Schulstart ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Er hat Angst vor der Schule. Also nicht vor der Schule, sondern vor allen vor seinen Mitschülern (ja, mit Absicht kein generisches Femininum). Angst vor Hänseleien wegen seiner Frisur, aber auch weil er nicht klapperdürr ist, Angst vor Ausgrenzung, weil dem Platzhirsch der Klasse seine Nase nicht passt, Angst vor dem Alleinsein – in der Klasse und auch auf dem Schulhof.

Uff.

Es war Mitternacht und das Kind sollte schlafen, aber ich wusste: Er konnte so nicht schlafen. Wir redeten. Natürlich kann ich in 30 Minuten Bettkanten-Gespräch nicht die Welt in Ordnung bringen und ihn auch nicht nachhaltig fit machen, um das Mobbing zu ertragen. Und nein, damit meine ich nicht, dass die Täter aus der Pflicht genommen werden sollen, aber ich kann nur für mein Kind da sein, kann es immer wieder bei den Lehrkräften ansprechen.

Wir sprachen. Ich versuchte ihn zu stärken, ihm Mut zu machen, bestätigte ihm, dass er toll ist, wie er ist. Dass er zu sich stehen soll.

Nein, sein Weg ist nicht leicht. Er ist da alles anders andere als mir ähnlich. Er will dazugehören. Will Freunde finden, aber es fällt ihm so unendlich schwer. Er macht es sich unendlich schwer. Er schafft es nicht, offen zu sein. Er geht immer vom Schlimmsten aus. Die anderen wollen ihm nur was Böses. Ihm fällt es unendlich schwer zu erkennen, ob jemand ihm wirklich Böses will oder ob er nur gefoppt wird. Und gerade im Schulumfeld hat er in der Grundschule leidvoll gelernt, dass sich ein Vertrauensvorschuss nicht lohnt. Dass sein Vertrauen mit Füßen getreten wird. Von Lehrkräften und auch von Mitschülern.

Am Ende unseres Gesprächs war er entspannter. Ich konnte es spüren. Er ließ sich fest drücken, bedankte sich, nahm seinen Orca fest in den Arm und rollte sich ein.

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