Freundschaft?

Freundschaft?

Manche Dinge hält man für unmöglich, bis man sie erlebt hat.

Es muss Mitte Februar gewesen sein, als eine Freundin die Idee aufbrachte, wir könnten doch mal eben von Frankfurt nach Köln den Flüssen entlang radeln. Terminvorschlag war das 1.-Mai -Wochende. Sie schrieb eine Mail an den infrage kommenden Teil des Freundeskreises und hörte erstmal nix.

Mitte März saßen wir mit einem Teil der Angeschriebenen zusammen – also die Freundin, ich und noch ein Paar. Er wollte mit, sie hat noch nicht einmal ein Fahrrad. Auf seinen Wunsch einigten wir uns auf zwei Etappen, also einmal übernachten vom 1. auf 2. Mai, von Rüdesheim nach Remagen/Bonn. Und sie bot an, dass sie den mini-monsieur im Auto mitnehmen könne. WhatsApp-Gruppe dazu, alles geritzt.

Die Freundin und ich suchten eine Unterkunft und sie reservierte entsprechend drei Doppelzimmer. Stornofrist der Reservierung: 14 Tage.

Sechs Tage vor der Fahrt kam dann von unserem einzigen Mann der Radelrunde die Frage, bis wann die Zimmer zu stornieren seien, er habe Angst vor dem Wetter. Das gab Kontra von drei Frauen. Wir einigten uns auf Abwarten bis einen Tag vor Fahrt.

Zwei Tage vorher schrieb ich zur Motivation, das ja trockenes Wetter für unsere Tage angesagt sei. Kontra vom Paar, man wolle wie besprochen den nächsten Tag abwarten. Mich beschlich so ein Gefühl und stellte fest, dass ich nicht fahren könne, wenn sie nicht führen. Die Reaktion darauf war eher semi.

Tagsdrauf regnete es Bindfäden in Frankfurt und auch diverse Wetterdienste gaben hohe Regenwahrscheinlichkeiten für unsere Strecke aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Paar nicht mitfahren würde, war mindestens genauso hoch. Vermutlich schrieb ich deswegen, dass ich auch kein Lust hätte bei Regen loszufahren. Wie zu erwarten kam promt die Antwort: Man würde sich dann abends im Hotel in Lahnstein treffen und am Samstag eine Strecke zusammen fahren.

Ich brütete für den Rest des Tages über Wetterprognosen und Bahnfahrplänen. Daneben noch der mini-monsieur, der eigentlich nicht Auto fahren wollte. Und irgendwie so ein Gefühl. Nach langem Hin-und-Her und auch weil ich keinen Bock hatte, auf irgendwen angewiesen zu sein, beschloss ich, dass der mini-monsieur auch sein Rad mitnehmen muss.

Und weil das Wetter am 1. Mai trocken war, fuhren wir mit dem Zug bis Boppard, um von dort mit den beiden anderen Radlerinnen, die sich wie _ursprünglich_ vereinbart getroffen hatten, den Rest der Strecke zusammen zu fahren. Vom Paar kein Wort auf weiter Flur.

Am frühen Abend im Hotel war vom Paar nichts zu sehen. Gehört oder gelesen hatten wir auch nichts. Von der Pensionswirtin erfuhren wir jedoch, dass sie wohl im Laufe der Woche dort angerufen hatten, um zu fragen, ob sie das Zimmer noch stornieren könnten. Abgesagt hatten sie das Zimmer allerdings auch nicht. Der mini-monsieur meinte dazu lakonisch: „Die beiden kommen nicht mehr. Ich weiß das.“ Auch nach dem Essen: kein Paar, keine Nachricht. Und nicht, dass wir es wirklich erwartet hätten, aber am nächsten Tag auch nichts.

Wir hatten ein tolles Wochenende zu dritt mit Kind. Und für den mini-monsieur war es sicherlich das Beste, das wir so spontan agieren mussten, denn so konnte er mit. Hätte ich früher gewusst, dass er nicht im Auto mit kann, hätte ich ihn womöglich „wegorganisiert“. So fuhr er halt einfach mit. Am ersten Tag 25 Kilometer und am zweiten 30 Kilometer. Und er hatte Spaß dabei.

Doch noch immer schwanke ich – wie schon das ganze Wochende über – zwischen Wut und Enttäuschung (mal abgesehen vom Stolz über die Super-Radelleistung meines Kindes) über dieses befreundete Paar. Eigentlich sind wir sehr eng befreundet. Ich verstehe nicht, wie man sich gar nicht melden kann. Und wieso sie nicht frühzeitig abgesagt haben, anstelle dieses blöde Wetter vorzuschieben. Denn schon bei der ersten Wetter-Panik war klar, dass sie eigentlich nicht mitwollen. Was ist so schwierig daran zu sagen: „Hey, sorry. Aber wir haben keinen Bock mehr.“ Wenn noch nicht einmal DAS unter Freunden möglich ist, dann frage ich mich wirklich, wie es um diese Freundschaft gestellt ist.

5 Gedanken zu „Freundschaft?

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