Ehrgeizig

Ehrgeizig

Ich bin kein sonderlich ehrgeiziger Mensch. War ich noch nie. Irgendwie bin ich bislang mit meinem ergebnis-optimierten Minimalismus recht weit gekommen. Klar kann ich mich auch hinter Sachen klemmen. Aber schon in der Schule fand ich’s blöd, meine Freizeit mit Lernen zu vergeuden, wenn ich mit Nicht-Lernen auch eine akzeptable Note ergattern konnte.

Ähnlich verhält es sich auch im Job. Ich hatte nie das überbordende Bedürfnis, weiß der Geier wie schnell die Karriere-Leiter hochzustolpern. Ich fand es damals nicht schlimm, dass mein Mit-Trainee, die zwei Monate nach mir angefangen hatte, gleichzeitig mit mir zum Junior ernannt wurde. Immerhin hatte sie PR studiert und ich war so was wie ein Quereinsteiger.
Dass ich dann aber lange unge- bzw. -befördert blieb, wurmte mich schon. Sicherlich hätte mir ein ausgeprägterer Ehrgeiz an diesem Stillstand schneller weitergeholfen. Aber die Situation, die Umstände… Und ich war zu der Zeit auch so mit mir selbst beschäftigt, dass es auch ganz bequem und beruhigend war, nicht dem nächsten Karriereziel hinterher hechten zu müssen.

Das Kind hat meinen Ehrgeiz etwas entfacht. Als Alleinverdienerin bin ich für die finanzielle Sicherheit zuständig, dafür, dass wir uns „was leisten“ können. Es geht nicht um große Sprünge, aber ich will z.B. nicht drüber nachdenken müssen, ob der mini-monsieur zum Musikunterricht kann, wenn er das wünscht.

Dass es mit meinem Ehrgeiz aber trotzdem nicht sehr weit gediehen ist, habe ich heute mal wieder gesehen. Mit großen Augen stellte ich fest, dass ein Kollege, der deutlich über mir ist, nicht – wie vermutet – deutlich älter als ich ist, sondern tatsächlich zwei Jahre jünger.

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