Educate your son

Educate your son

Es reicht.

Es reicht nicht erst seit Collien Fernandes. Oder Gisèle Pelicot. Oder Row Zero. Es reicht schon lange.

Je.der ein.zel.ne Fall, der publik wird, ist kein Einzelfall. Es ist nur oberste Spitze eines riesigen Eisbergs, der in seiner Widerlichkeit und Menschenverachtung nicht zu unterbieten ist. Ich tue mich so schwer damit nachzuvollziehen, wie ein Mensch mit einem anderen Mensch so umgehen kann. Nicht nur, solche „Phantasien“ zu haben, sondern diese auch auszuleben bzw. auszuführen. Wieso ist da keine Sperre im Kopf? Warum haben diese Menschen keine Moral?

Ich habe den größten Respekt für jede Frau, die ihren Fall publik macht. Die mit der Veröffentlichung alles nicht nur noch einmal durchmachen muss, sondern sich zudem einem widerlichen und menschenverachtenden Mob darbietet. Einem Mob, der Teil des patriarchalen und misogynen Systems und vor allem Teil des Problem ist.

„Es ist noch nichts bewiesen“ – „Wer weiß, was sie ihm angetan hat“ – „Es gehören zwei dazu“ – „Unschuldsvermutung“ – „Wie kann eine denn sowas nicht merken“ – „Er ist doch so ein Netter“ – „Das kann ich mir nicht vorstellen“ – „Die will sich nur wichtig machen“ – „Wieso sagt sie erst jetzt was“

Ich kann es nicht mehr hören. Ich kann das nicht mehr ertragen.

WANN FANGEN WIR AN, DEN OPFERN – DEN FRAUEN – ZU GLAUBEN?

Was mich als Mutter eines jungen Manns bei all dem umtreibt: Wie und wann werden Männer so, dass sie sowas tun? Was ist bei diesen Männern falsch (gelaufen), dass sie Frauen so entmenschlichen, so verachten?

Und: Habe ich dem JMW so erziehen können, dass er so etwas nicht tut? Also wirklich nie?

Also „educate your son“: Ein Spruch, den ich als Antwort auf „protect your daughter“ extrem wichtig finde. Gerade als eine, die in den 1900ern Teenie war und sozialisiert wurde, weiß ich genau, was Christian mit „Menners“ meint. Und es ist extrem wichtig, dass wir aufhören, Arschlochverhalten von Männern mit „so sind Jungs halt“ zu entschuldigen/ zu rechtfertigen. Dennoch finde ich „educate your son“ auch etwas schwierig, denn im Zweifelsfall kann es auf die Erziehenden geschoben werden: Tja, da wurde wohl der Mann nicht gut genug erzogen. Und seien wir mal ehrlich, genau heißt das: Die Mutter – eine Frau – hat versagt, sie hat ihren Sohn nicht gut genug erzogen.

Als Mutter eines Teenies, als alleinerziehende Mutter, kann ich ehrlicherweise nur hoffen, dass ich den JMW „gut genug“ erzogen habe. Dass ihn das Zusammenleben mit mir tief genug geprägt hat. Ich kann mir vorstellen, dass viele Menschen sicher sind, dass er bei mir den Feminismus mit der Muttermilch aufgesogen hat. Dass er weiß, was Frauen leisten (können). Dass Frauen gleichbereichtig sind. Dass er mit einer starken und klaren Mutter wie mir keine andere Wahl hat(te).

Ich habe mein Bestes gegeben. Aber ich bin nicht der einzigen Einfluss meines Kindes. Je älter ein Kind wird, desto wichtiger ist es, sich gegen die Eltern abzugrenzen. Desto stärker wiegen Einflüsse von außen (und dieses Außen ist mittlerweile so vielfältig). Seit die Pubertät begonnen hat und seit der JMW sich in diesem Internet aufhält, kann ich nur (noch) hoffen, dass ich ihm ein festes moralisches Fundament mitgegeben habe.

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