Lose Enden
Wenn eine sich bewegt, dann bewegen sich auch die Gedanken. Während ich beim Yoga eher das Gefühl habe, dass meine Gedanken entweder weit von mir schweifen oder ganz viele auf einem auf mich einprasseln. Gerade letzteres ist nicht immer gut, weil ich ja an einem Ort und in der Regel auch in einem Bewegungsfluss bin. Dadurch kann ich mit den Gedanken nicht viel machen.
Beim Laufen hingegen kommen Gedanken, begleiten mich ein Stück des Weges. Entweder von selbst, oder weil ich sie festgehalten habe – als schriftliche oder Sprach-Notiz. Die Gedanken prasseln auch nicht auf mich ein, sondern kommen nacheinander. Das ist durchaus hilfreich, da ich die Gedanken so natürlich besser fassen und denken kann.
Und als hätte ich nicht schon genug durchdacht, kommen bei jeder therapeutischen Wanderung neue Gedanken, Aspekte und Schmerzpunkte dazu. Tjanun, nach dem letzten Jahr und der Trennung nicht völlig verwunderlich, aber anstrengend ist es dennoch. Aber wenigstens bringt es mich weiter. Ich erkenne Ängste und Schwächen. Beides etwas, dass ich mir oft nicht zugestehe, weil ich denke, dass sie mich nicht weiterbringen. Ich übergehe sie und dann holen sie mich ein.
Ich habe immer wieder Neuanfänge in meinem Leben gehabt. Darin habe ich immer eine Chance gesehen. Ich verstehe nicht, warum es mir gerade so schwer fällt, diesen Neuanfang anzunehmen – zumal er gar nicht so ungewiss ist wie manch anderer Neuanfang und auch schon viele geklärte oder definierte Chancen da sind.
Aber dem gegenüber – und das war eine Erkenntnis vom heutigen Gang – stehen „lose Enden“. Es stehen Ideen, Planungen, auf die ich mich gefreut habe, wie Elefanten im Raum. Ich weiß noch nicht, wie ich die abschließen kann.
(Gelaufen: 5 Kilometer)