Sein Weg
Was habe ich mir Sorgen um das Kind gemacht. Und ich habe es hier auch schon immer mal wieder geschrieben: Er hat einfach viel (zu viel) erleben müssen – Hamburg (insbesondere die Zeit ohne den Kv), der Umzug nach Frankfurt, die sehrsehr unschöne Trennung vom Kv inkl. Polizeieinsatz, der Einrichtungswechsel von Kiga zum Hort, die Grundschulzeit und auch die Zeit auf der alten weiterführenden Schule. Das waren viel zu viele Transitionen in kurzer Zeit – schließlich ist der junge Mann erst 12 Jahre alt.
Und dann kam die Pandemie und das war für das Kind ein Segen. Nein, nicht alle Kinder haben unter der Pandemie und unter den Schulschließungen gelitten. Denn nicht für alle Kinder ist Schule ein Schutzraum.
Doch nicht nur hinsichtlich Schule war die Pandemie ein Segen für das Kind. Sie war auch super, um endlich mal die Beziehung zum Kv aufzuräumen. Für mich war es ja immer eine Frage der Zeit, bis das Kind erkennt, wie der Kv so drauf ist. Und es ist auch ganz normal, dass Söhne ihre Väter irgendwann vom Sockel holen. Aber mit 11 Jahren ist eigentlich etwas früh.
Der Kv hat nen Hau. Ja, das ist für die geneigten Leserinnen, die diese Blog schon länger lesen, nichts Neues. Er hatte sich irgendwann den Gelbwesten angeschlossen und für mich war es nicht verwunderlich, dass er sich auch als Pandemieleugner und Impfgegner entpuppte. Allerdings beides etwas halbherzig. Aber auch das habe ich hier ja schon ein paar Mal erzählt.
Nun ist das Kind geimpft, hat den KV im Sommer (aber nicht im Herbst) besucht und hat auch die Schule gewechselt. Und gerade letzteres machte ihm und mir zu schaffen – zumindest bis zum Vollzug.
Aber es läuft alles prima. Das Kind ist so bei sich wie schon seit Jahren nicht mehr. Er hat in den vergangenen 1,5 Jahren wieder zu sich gefunden. (Wieder) gelernt, auf seine Bedürfnisse zu hören. Und auch dass diese mindestens, wenn nicht mehr wert sind als die des Kv. Dass er (das Kind) nicht für das Seelenheil des Kv verantwortlich ist – wenn dann das Gegenteil. Und wenn das nicht geht, dann hat er das Recht, sich von dem toxischen Verhalten des Kv abzugrenzen. Wenn es sein muss durch Kontaktabbruch.
Und diese Ausgeglichenheit trägt sich durch alles. Der Start in die neue Schule war gut. Er fühlt sich wohl und hat direkt in der ersten Woche Freundschaften geknüpft. Gleiches passiert auch beim Bouldern. Auf einmal werden verschiedenste Namen genannt, mit denen sich getroffen oder gezockt wird. Er geht raus und hat promt neue Leute kennengelernt. Und am Samstag bei der Halloween-Party hat er auch direkt Anschluss gefunden – obwohl er eigentlich nur das Gastgeberkind kannte.
Das war lange Zeit nicht so.
Und es ist so schön zu sehen, dass es endlich wieder anders ist. Auch wie es ihm dabei hilft, sich von mir abzunabeln, zu pubertieren, seinen Weg zu gehen.
3 Gedanken zu „Sein Weg“
Ach wie schön. Es ist schon was, wenn man das Kind noch nie gesehen hat und nur durch dich kennt. Und trotzdem so mitleidet, hofft und sich freut.
<3
Go, Kind, go!