Liebes Tagebuch am Fünften (Juli)

Liebes Tagebuch am Fünften (Juli)

Frau Brüllens Aktion geht weiter. Den Juni habe ich wegen Urlaub ausgesetzt. Aber heute könnte ein spannender Tag werden. Denn ich gehöre ja wieder der arbeitenden Bevölkerung an. Mit dem besonderen Modell: ein paar Tage in Frankfurt und ein paar Tage in Hamburg zu arbeiten (bis ich mich endgültig entschieden habe).

Heute ist ein Hamburg-Tag. Die vergangenen vier Tage war ich in Frankfurt.

0h01 Ich liege schlags-k.o. im Bett. Bin erst vor eine guten halben Stunde wieder in Frankfurt Hamburg angekommen. Die Begrüßung mit dem monsieur war mehr als suboptimal, aber ich habe keine Lust und Energie mich zu ärgern. Also falle ich in die Kissen.

7h30 Der Wecker klingelt. Ich glaube, ich war schon vorher wach. Aber da das Kind sich in den vergangenen Nächten daran gewöhnt hatte, den monsieur zu behelligen, konnte ich weiterschlafen, bis eben der Wecker klingelte.
Ich orientiere mich, suche das Kind neben dem monsieur, wir kuscheln noch ein wenig. Der mini-monsieur freut sich, dass ich wieder da bin. „Ich lieb‘ Dich soooo doll“, geht runter wie Öl, „aber als Du nicht da warst, hab ich Dich vermisst“, sticht ein wenig. Lange machen wir das nicht mit.
Dann muss ich duschen. Der mini-monsieur hat die Ruhe weg. Der monsieur bereitet freundlicherweise das Kiga-Frühstück für den Lütten.

8h40 Wir sind startbereit. Per pedale geht’s Richtung Kindergarten. Zum Glück kein Abschiedsschmerz.

8h55 Ich steige in die U-Bahn. Neue Erfahrung: Ich muss nicht umsteigen. Dafür „verlaufe“ ich mich erstmal. Naja, nicht wirklich. Aber zur Zeit mag mein Smartphone nicht U-Bahn fahren. Oder die U-Bahn fährt zu schnell, dass die bits und bytes nicht hinterherkommen. Auf jeden Fall kann ich nicht sehen, ob Haus Nr. 1-3 am oberen oder unteren Ende der Straße ist und beginne natürlich am falschen Ende.

9h25 Ich stehe im neuen Büro. Etwas verloren. Keiner sagt mir Hallo. Immerhin wurde mir die Tür aufgemacht. „Na, prima“, denke ich. Aber dann, Initiative ergriffen und schwubs, war das Eis gebrochen. Kurz eingewiesen, das Wichtigste gezeigt bekommen. Laptop angestellt, Telefon umgestellt… Jetzt könnte ich eigentlich anfangen zu arbeiten. Wenn, ja wenn ich nicht meine Unterlagen in Frankfurt hätte liegen lassen. Es geht auch ohne… mühsamer, weil Recherchen, die ich schon gemacht habe, noch mal gemacht werden müssen. Noch habe ich nicht alles im Kopf.

9h55 Mein Handy klingelt. Ein Makler aus Frankfurt. Auch wenn ich noch nicht ganz sicher bin, wie das so weitergeht (da ist ja noch ein Termin am 16.), habe ich schon angefangen, nach Wohnungen in Frankfurt zu schauen. Das ist auch eine sehr neue Erfahrung: Individuelle Termine zur Wohnungsbesichtigung. Bevor wir nach HH zogen, haben wir uns ja auch in Frankfurt umgeschaut. Aber da waren das NUR Massentermine.

10h20 Jetzt mache ich erstmal Schluss mit dem Tagebuch-Eintrag. Die Arbeit ruft: Ein Konzept muss geschrieben werden. Mit allem Zipp und Zapp (Analyse, SWOT, Strategie, Maßnahmen) sowie kurzfristigen Ideen für einen Kongress Ende September. Das klingt zwar noch weit weg, aber innerhalb der nächsten elf Wochen müssen die Ideen abgestimmt und Exposées dazu geschrieben werden. Dann will das ganze noch umgesetzt und freigegeben werden.

13h05 Ich mag das Internet. Das spuckt immer so viele gute Informationen aus. Meine Recherche hat mich ein gutes Stück weiter gebracht. Jetzt mache ich erstmal Pause. Dass das Hamburger Büro mitten in der Stadt liegt, muss genutzt werden. Ich suche noch Plastik-Teller. Denn morgen steigt die große Ritter-Drachen-Party zum 4. des mini-monsieurs. Unterwegs noch lustige Deko für die Drachen-Pinata gefunden.

14h00 Ich bin wieder im Büro. Und würde gerne drucken. Es würde nur wenig Sinn machen, wenn ich in Frankfurt drucke. Mit etwas Auwand, aber eigentlich problemlos (ein Vorteil an einem großen Netzwerk) wird mir der örtliche Drucker installiert. Seitenweise Informationen über ein nicht ganz so schönes Thema habe ich jetzt haptisch vor mir liegen.

15h07 Nachricht vom monsieur: Was bezüglich Abholung (um 16 Uhr) des mini-monsieurs vorgesehen sei. Tja, wenn wir gestern abend miteinander gesprochen hätten, hätte ich noch mal deutlich machen können, dass ich mindestens eigentlich bis 18h00 arbeiten muss. Mit Blick auf die Party werde ich wohl früher gehen. Lesen kann ich auch zu Hause. Für einkaufen und Kuchen backen habe ich Zeitfenster.

16h00 Viele von den Informationen zu dem nicht ganz so schönen Thema gelesen… brrrrr. Genau das, was da beschrieben ist, kann ich nicht bekommen. Aber vielleicht schicke ich mal wieder den ein oder anderen zur Vorsorge.

16h20 Überlege, ob ich jetzt schon gehe. Damit ich in Ruhe einkaufen, Kuchen backen, letzte Vorbereitungen treffen kann.

16h40 Bin im Bus, um vom Gänsemarkt zum Jungfernstieg zu fahren. Eigentlich eine Strecke, die ich laufe. Aber in der Mittagspause habe ich mir eine Blase gelaufen.

17h05 Komme zu Hause an. Die Stimmung zwischen mir und dem monsieur ist warum auch immer noch ziemlich mau. Der mini-monsieur freut sich aber dafür umso mehr mich zu sehen. Ich kann’s nicht ändern und mache die Planung für morgen. DER große Tag für den mini-monsieur: seine erste Geburtstagsparty (nicht wirklich, aber die erste, auf die er hingefiebert hat), Thema Ritter & Drachen. Ich muss noch nen Kuchen backen und dekorieren. Den Drachen finalisieren und noch ein bisschen Deko kleben.

17h30 Einkaufsliste fertig. Der mini-monsieur und ich brechen zum Einkaufen auf. Der monsieur fährt den Hund baden.

18h30 Wir sind zurück vom Speed-Shoppen. Der Lütte war so was von kooperativ, dass ich einfach mein Programm abspulen konnte. Noch schnell zur Nachbarin hoch, eine Kastenform ausleihen (parallel backen geht schneller).
Der mini-monsieur beschäftigt sich mit Dinos und lässt mich in der Küche zaubern: parallel bereite ich Grüne Soße (extra importiert) mit Kartoffeln und Eiern sowie Schokokuchen vor und setze den Drachenschleim aka Wackelpudding an.

19h45 Kuchen sind im Ofen. Essen ist fertig. Der monsieur ist mit deutlich besserer Laune wieder da.

20h00 Wir sitzen am Tisch. Gibt es was Leckeres als Grie Soß mit Kartoffeln, Ei und nem Sauergespritzten??? Ich glaube nicht.

20h15 Schnell die Kuchen aus dem Ofen holen. Es duftet nach Schokolade….

20h30 Essen beendet. Weiter geht’s mit der Vorbereitung fürs große Fest. Erstmal wird der Drache final dekoriert. Augen hier, Stachel da, Glitzerkleber dort. Farbige Pfeifenputzer sind was Feines.

21h30 Das Kind schläft endlich. Natürlich musste ich die Geschichte vorlesen. Der Mama-Entzug die letzten Tag war zu groß. Aber er macht es gut mit. Der monsier und ich wurschteln weiter in der Wohnung. Aufräumen, letzte Sachen kleben, ausschneiden, kleben, aufhängen. Wir nehmen noch spontan unsere Inneneinrichtung auseinander, weil ich die Girlande am falschen Nagel befestige. Wir sind so gut beschäftigt, dass es irgendwann

02h00 ist, als wir endlich die Ritterburg fertig haben.

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