Tief berührt
Seit längerem denke ich darüber nach, dass ich eigentlich Insta den Rücken kehren sollte. Bislang habe ich es nicht geschafft. Insta war das erste SoMe, bei dem ich mich rumgetrieben haben. Seit 2012 bin ich dabei. Gäbe es wie bei X Twitter eine gute Alternative, würde ich wohl auch endlich wechseln. Aber noch bin ich da und gestern war ich einmal mehr froh drum. Denn ohne Insta hätte ich nicht mitbekommen, dass in Offenbach ein Gespräch mit einer Zeitzeugin der Shoa, Eva Szepesi, stattfinden sollte.
Der Termin war durchaus unpassend: Donnerstagnachmittag. Zudem stecke ich gerade in eienm Großprojekt, bei dem ich bis dato nicht wirklich in den Schreibflow gekommen bin. Und zu allem Überfluss auch noch an perimenopausalen Schlafstörungen leide (Genau genommen, gelitten habe. Die letzte Nacht war schon deutlich besser.). Kurzum: Ich war eigentlich ziemlich gestresst, meldete mich dennoch an. Wer weiß, wann und ob ich nochmal die Gelegenheit habe, eine*n Zeitzeug*in der Shoa zu erleben. (Obwohl die Shoa, WW2 und auch das Wiedererstarken der Nazis in den 1990er Jahren in meiner Schulzeit immer wieder Thema war, sind wir nie zu einem KZ gefahren oder hatten eine Veranstaltung mit einer*m Zeitzeug*in.)
Vom ersten Wort der mittlerweile 93 Jahre alten Dame war ich in den Bann gezogen und mein Stress war völlig irrelevant. Sie war „nur“ 3 Monate in Auschwitz. Als 12-Jährige. Im Winter 1944/45 bis zur Befreiung von Auschwitz am 27. Januar. Immer wieder brachte mich ihrer Erzählung zum Weinen. Zum Teil auch, weil meine Erinnerung an Auschwitz noch so präsent ist. Ich hatte ein Bild davon, als sie von ihren Erlebnissen in Auschwitz redete.

Eva und auch ihre Tochter spannten aber auch immer wieder den Bogen zum Jetzt und betonten, wie wichtig es ist Haltung zu zeigen. Wie wichtig es ist, Antisemitismus und Diskriminierung an- und sich dagegen auszusprechen. Und zur AfD fand Eva klare Worte:
Überlegt euch, was ihr wählt. Ob ihr wirklich ohne Demokratie leben wollt. Ich habe eine Welt ohne Demokratie erlebt.
Nach anderthalb Stunden verließ ich tief berührt und zutiefst dankbar die Offenbacher Stadthalle.