Lichtblicke 2025

Lichtblicke 2025

Eine bekommt das Gefühl, dass die Welt bald auseinanderbricht. Die politische Lage ist so katastrophal wie schon lange nicht mehr. Vor allem auf Landes-, Bundes-, Europa- und Welt-Ebene. Auf lokaler/kommunaler Ebene läuft es – hier in Offenbach – gar nicht so schlecht. Das beruhigt zwar vorerst, aber wenn ich an die Zukunft denke, gruselt es mich. Und mich gruselt es noch mehr, dass der JMW irgendwann ohne mich sein wird in dieser Welt. Dann ich mache mir kurzfristig immer wieder Vorwürfe, ihn in diese Welt gesetzt zu haben. Kurzum: Ich habe einiges an Optimismus verloren. Aber ich bemühe mich, mich nicht zu sehr runterziehen zu lassen. Weiterhin Haltung zu zeigen. Und meinen Teil dazu beizutragen, dass diese Welt weiterhin eine gute bleibt bzw. wieder wird.

Für mich und auch den JMW war 2025 ein tolles Jahr. Es lief alles rund, wir hatten eine gute Zeit – jede*r für sich und auch zusammen. Und weil das Außen so anstrengend/aufreibend/ermüdend war, ist es umso wichtiger, sich an das Gute und Schöne zu erinnern. Ich war viel unterwegs, habe viel gesehen und tolle Konzerte erlebt. Ich trinke weiterhin keinen Alkohol mehr und Fleisch esse ich auch nicht mehr. Meine private Gallerie ist weiter gewachsen. Und ich habe seit langem mal wieder richtig Urlaub gemacht – mit dem Kind.

Januar

Der Januar beginnt eigentlich ganz schön: Winterlichter, mein Geburtstag und 4 Tage Paris inkl. Konzert mit den Freundinnen L und L. Das Kind und ich installieren das Balkonkraftwerk. Dass Trump nun Kaiser König Despot Präsidient von Amerika ist, ist gruselig genug. Doch wir brauchen gar nicht zu weit weggucken, um politischen Kackmist zu sehen: Merz zettelt eine Abstimmung mit den Nazis an. Ich weiß noch, wie ich nach einem langen Arbeitstag die Nachricht darüber erst auf dem Heimweg in der Bahn las und sehr mit den Tränen kämpfen musste. Auftakt zu einem sehr demolastigen 1. Halbjahr. Der (neue) Job macht Spaß. Es müssen sich Dinge einrückeln, aber insgesamt läuft es super.

Konzerte: Bromure / Los Tres Puntos / 8°6 Crew in Paris
Oper: Rodelina

Februar

Am 1. Februar ist direkt Demo 2 des Jahres. Die Nazis treffen sich im Speckgürtel von Frankfurt und das gilt es zu verhindern, naja, zumindest zu verzögern. Vor den Neuwahlen am 23.2. findet eine große Aktion gegen die AfD statt, bei der ich viele Kilometer zurücklege. Der JMW bekommt ein gutes Zeugnis fürs 1. Hj (danke hier nochmal an die großartige neue Klassenlehrerin) und schreibt mit mir Bewerbungen für die Ausbildung. Ich habe 2 Opern-Termin und es geht zu Igor Levit. Das Kind braucht und bekommt eine Brille. Beruflich ist viel zu tun und ich bin mit meiner Jobentscheidung weiterhin zufrieden. Bei den vorgezogenen Neuwahlen bin ich Wahlhelferin. Das war eine gute Erfahrung. Nun haben wir die rechtsoffenste Regierung seit Ende des Krieges am Hals. ICH HABE DAS NICHT GEWÄHLT. Und kaum im Amt gibt es schon die erste verbale Entgleisung als Kanzler, woraufhin ich – und seeehr viele andere – eine Tasse ans Kanzleramt schicken muss.

Konzerte: Igor Levit, Violent Times / Gewohnheitstrinker
Oper: Guercœur, Die Zauberin

März

Ein sehr arbeitsreicher Monat – u.a. muss ich 2x auf einen Kongress. Die (wenigen) Bewerbungen des JMW sind erfolgreich und er bekommt von seinem Wunsch-Betrieb eine Zusage. Ich stelle Freundschaften (wegen USA und Alter-Weißer-Mann-Getue) in Frage. Freundin N hat Vernissage und ich reise dafür Hofheim. Das Konzert der israelischen Band Haze’evot hat großen Spaß gemacht. Die Führung am/im IG-Farben-Haus aka Poelzig-Bau aka Johann-Wolfgang-Goethe-Uni ist sehr interessant, aber zeigt einmal mehr, wie schwer sich Frankfurt mit dem Gedenken an die NS-Zeit tut. Ansonsten sind alle irgendwie in Schockstarre wegen des Wahlergebnisses. Ich versuche es mit etwas Normalität wie Grie Soß…

Konzerte: Haze’evot, Evil Fu / Fritters Galore

April

Die viele Arbeit des 1. Quartals trägt „Früchte“: Ich habe viel Migräne und bin fertig. Wenigstens ist es bei der Arbeit etwas ruhiger. Zwei Freundinnen und ich machen einen schönen Ausflug zum Nichtstun. Eine andere Freundin löst nach 1,5 Jahren ihr Geburtstagsgeschenk ein und wir fahren in einer größeren Gruppe nach Würzburg. Ich bekomme einen letzte absurden Anruf einer Lehrkraft des JMW (eigentlich müsste ich das mal verbloggen). Der JMW bekommt noch mal Motivation für die Realschulprüfungen. Der Monat endet, wie er enden muss: beim Ska in den Mai in der Reduit.

Konzerte: Ska in den Mai

Mai

Der Mai ist ein toller Monat: Kunst, Konzerte ein neues Fahrrad für mich. Ein Highlight ist das Rudelsingen-Event, bei dem ich mit Freundin N großen Spaß haben. Oper ist auch: Norma hat uns sehr begeistert. Ich fahre spontan für eine Nacht nach Hamburg, um des letzte Konzert einer befreundeten Band zu sehen. Ich lade den JMW anlässlich seines unterschriebenen Ausbildungsvertrags zum Sushi-Essen ein. Zudem bringt er seine Realschul-Prüfungen hinter sich (Spoiler: erfolgreich). Beruflich hat es sich eingerückelt. Aus Gründen bekomme ich einen neuen Titel.

Konzerte: „No Place for Hate“ mit Juciy Roadkill / Stage Bottles / Moscow Death Brigade, Snob City Boys, Rancœur
Oper: Norma

Juni

Im Juni ist richtig viel los und toll ist er auch: Ich lerne Polnisch für den Urlaub mit dem JMW, was ganz gut läuft. Ich habe wieder blaue Haare. Ursprünlich für ein Kostüm, aber dann passt es gut, dass der JMW seinen letzten Schultag hat. Und so habe ich ihn mit blauen Haaren ein- und ausgeschult. Der JMW fährt kurz zum Kv, kommt mit diesem für die Zeugnisübergabe und zum Geburtstagnachfeiern für 2 Nächte wieder (und fährt danach mit dem Kv wieder gen Frankreich). Die 3 Tage zu dritt sind gut gelaufen. Nun ist der JMW fertig mit Schule. Juhuuu!
Ich fahre nach Hamburg. Zum einen weil da eine Glitzer-Ausstellung war und zum anderen, um ins Opernloft zu gehen. Mit Freundin L und ein paar Herren geht es nach Dessau bzw. Rosslau fürs „This ist Ska“-Festival. Mit Freund G gibt’s eine „bewegtes“ Theaterstück. Mit Freundin N gehe ich – an einem seeeehr heißen Tag – zu einer Führung auf dem alten Jüdischen Friedhof. Toller Monatsabschluss: New Model Army in Aschaffenburg mit Freund M.

Konzerte: Au-Fest, This ist Ska, Feuerwerks-OpenAir, New Model Army
Oper: Carmen (im Opernloft Hamburg)

Juli

Der JMW ist nicht da und das tut gut. Ich muss viel arbeiten. Ein blödes Phänomen kurz vor dem Urlaub. Immerhin bin ich viel mit dem Rad unterwegs. Und 1x schaffe ich es auch ins Museum. Meine Mutter kommt mich kurz besuchen, um mir eine frohe Botschaft mitzuteilen. Ich fahre allein nach Essen für eine Konzert. Bei der Ausstellung von Freund B erwebe ich mal wieder Kunst. Mit Freund G fahre ich extra nach Darmstadt, um den Film „Kein Land für niemand“ zu gucken. So ein krasser, eindrücklicher Film. Ein Film, der Pflichtprogramm für alle ab 15 Jahren sein sollte.
Ende des Monatas geht es das erste Mal seit langem in den Urlaub: zusammen mit dem JMW und mit dem Zug geht es über Berlin (Besuch des Haus der Wannseekonferenz) es nach Polen. Unsere 1. Station ist Kraków: Wegen der Stadt, aber auch, weil wir von da aus einfach nach Auschwitz können.

Konzerte: Stage Bottles, Bromure + Squelette
Oper: La Damoiselle elué/Jeanne d’Arc au Bûcher

August

Von Kraków geht es am 1.8. nach Warszawa. Ausgerecht am Tag des Warschauer Aufstands. Der JMW und ich sind sehr froh, dass wir Französisch miteinander sprechen können, und sind uns auch einig, dass wir das in der Öffentlichkeit machen. Der Urlaub ist super: die Reise als solches und mit dem JMW im Besonderen. Danach geht es für ihm mit der Ausbildung los. Zunächst nur Berufsschule. Und obwohl da Schule draufsteht, findet der JMW es nicht so schlimm.
Ich rückel mich in meinen Alltag wieder ein. Arbeit läuft, Konzerte gibt es auch. Mit Freundin L gehe ich ins OpenAir-Kino. Mit Freund G wandere ich eines Nachts auf den Altkönig. Und das MuseumsUferFest hat dieses Jahr wirklich Spaß gemacht (gut, ich bin auch nur zwischen Feinstaub-Bühne und Dreikönigskeller gependelt).

Konzert: Babylon Circus, Latex / Maria Iskariot, Riverside Stomp, MuseumsUferFest

September

Der September fängt ganz gut an, nämlich mit einer Führung an einem Ort Frankfurts, an den eins sonst nicht so kommt. Und die Opern-Saison wird auch eröffnet: Peter Grimes ist toll – mit Bühnenbildern wie Gemälde. Das Kind ist bestens in die Ausbildung gestartet (und bis heute happy). Ich traue mich endlich mal wieder zur Zahnärztin. Da ich zwischendurch eine fiese Aura (ohne Kopfschmerzen) hatte, mich irgendwie ungut fühle und auch die letzten Male mein Blutdruck bei der Gyn und beim Blutspenden höher war als sonst, veranlasst der Hausarzt eine 24h-Blutdruckmessung (ohne Ergebnis). Ich muss für einen beruflichen Termin in die Landeshauptstadt und nutze die Gelegenheit, das hochgelobte Museum Reinhard Ernst zu besuchen. Ja, das kann sich eins durchaus angucken. Tolles Raumkonzept und viel moderne Kunst. Danach werde ich allerdings richtig krank: bakterielle Sinusitis. Ich habe Glück im Unglück und bekomme seeehr kurzfristig einen Termin beim HNO und ein Antibiotikum. Insgesamt ist der Monat sehr durchwachsen, wenigstens beruflich nicht übermäßig stressig.

Oper: Peter Grimes

Oktober

Die letzten Jahre waren ja gerade Oktober (und November) höchst anstrengend: wahlweise emotional/mental, fianziell, beruflich. Irgendwas oder alles zusammen war immer. 2025 ist es anderes: Der Oktober meint es gut zu mir. Es beginnt mit zwei neuen Tattoos von einer bezaubernden jungen Tattooartist. Dann fahre ich mit Freundin N nach Nancy. Aufgrund von Verkettung von Umständen fahren wir mit dem Mietwagen und ich fahre mal wieder seit langem Auto. Das ist ein feiner Ausflug. Das Kind nutzt die freie Zeit, um mit seinen Kumpeln seinen Geburtstag nachzufeiern. Nach über 20 Jahren in Frankfurt mache ich erstmals eine Fahrt auf dem Main. Bei den Freunden vom 57Nord ist die Ausstellung von Freundin N (nun wohnt ein weiteres Werk von ihr bei mir und eins von ihrem Co-Aussteller)). Meine Namesschwester ist zur Lesung ihres neusten Buchs (Unter weitem Himmel) in Offenbach. Das darf ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Sauerland-Fritz labert mal wieder Sch***, diesmal geht es ums Stadtbild. Ich beginne einen Polnisch-Kurs bei der VHS (Spoiler: Ich breche ihn ab, weil mir der Lehrer zu unstrukturiert ist.). Im Job ist viel los. Aber die Kollegin und ich teilen uns den Wahnsinn und nehmen es mit Humor. Ende des Monats treffe ich mich zum ersten Mal mit Freundin D für einen tollen Tag in Hannover bzw. im Sprengel-Museum.

Konzerte: Dystopik-Festival, Crop Action / Pillhuhn Polka / Violent Times
Oper: Manon Lescaut

November

Am 1. November wollte ich eigentlich nur eine Freundin besuchen. Mit Kuchen. Uneigentlich habe ich den Kuchen aufgrund von unglücklicher Verkettungen in der Bahn stehen gelassen und habe versucht, den Kuchen wieder einzuholen. Vergeblich. Zwischenzeitlich stand es kurz auf der Kippe, aber dann kann Freundin J doch mit mir zu Hagen Rether. Es ist großartig. Mit Freund G gehe ich zur Lesung von Susanne Siegert (Keine Erinnerungskultur bei Insta). Weil meine Opern-Freundinnen nicht können, begleitet mit der JMW. Seine 1. Oper. Nun ist er angefixt und er hat mit zu Weihnachten einen weiteren gemeinsamen Opern-Besuch geschenkt. Mein Keksback-Urlaub startet mit Eislaufen. Das war sehr schön, mal wieder Kufen unter den Füßen zu haben. Danach flutscht das vegane und glutenfreie Keksebacken dieses Jahr super. Ich habe zwischendrin das Vergnügen, die Technische Sammlung des Ausbildungsbetriebs des JMW zu besichtigen. Vom Keksebacken geht es direkt nach Berlin zum 6. Kongress des Jahres, der mit einem netten Essen mit der Kundschaft beginnt.

Konzerte: Produzenten der Froide / Pillhuhn Polka
Oper: Boris Gudonow

Dezember

Nun bin ich seit einem Jahr im gleichen Job. Das ist nach dem turbulenten letzten Jahr durchaus eine Bemerkung wert. Wir haben Weihnachtsfeier und die beste Kollegin und ich haben Spaß-T-Shirts. Am 2. Advents-WE fahr ich nach Berlin. Polkageist geben ihr letztes Konzert und bislang habe ich es nie auf ein Konzert geschafft. Ja, es geht doch nichts über ein ordentliches Hotelzimmer für solche Aktionen. Und wenn ich schon mal in Berlin bin, dann muss ich mir auch das Lübcke-Denkmal anschauen. Am 3. Advent ist #BAdventskaffee, der wie immer sehr schön ist. 4. Advents-WE: Das Kind fährt zu Oma (bis nach Weihnachten) und ich fahre nach Köln. Denn da spielen New Model Army seit Jahren zum Abschluss ihrer Tour. Ein ziemlich gehyptes Event (das hätte mich stutzig machen sollen), dem ich als Fan-Girl dann doch mal bewohnen wollte. New Model Army ist wie gewohnt gut, aber das Palladium ist zu groß und 2 Vorbands sind mindestens eine zu viel. Nachdem ich am 23. quasi spontan entscheide, am 25. doch noch zu meiner Mutter und dem JMW zu fahren, beginnt aber erstmal MEIN Weihnachten: Nachdem ich mir morgens noch ein Puzzle gekauft habe, schlüpfe ich in meinen Weihnachts-Onesie und verbringe die nächsten 36 Stunden darin. Alleine. Nur ich und das Puzzle und leckeres Essen. Okay, am 24. ist noch „Sissi“ dabei. Dann geht es für 24 Stunden nach Bielefeld. Das ist sehr nett und genau die richtige Dosis. Wieder zurück geht endlich mal wieder ins Theater. Die letzten Tage des Jahres füllen das Kind und ich mit Ikea und Möbel-Maßnahmen in der Wohnung.

Konzerte: Polkageist, Hydra, New Model Army
Oper: Die Banditen (Operette), Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui (Theater)

Während ich für mich persönlich vor 2026 keine Angst habe, habe ich politisch und global durchaus Befürchtungen fürs neue Jahr. Dennoch wünsche ich uns allen, dass wir optimistisch bleiben können.

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