Barlihn
Ich besitze derzeit (bis Ende August) einen Deutschland-Pass der Bahn. Allein fürs Pendeln ungemein entspannend. Ich brauche mir außer einer eventuell nötigen Sitzplatzreservierung keine Gedanken mehr machen, ob ich denn auch wirklich ganz sicher das richtige Ticket in die richtige Richtung habe.
Aber es wäre schade, diese BahnCard 100 auf Zeit nur fürs Pendeln zu nutzen. Die messieurs sind immer noch in Frankreich und in Hamburg möchte die Wohnung aufgeräumt bzw. ausgemistet werden für den Umzug. Perfekte Voraussetzungen für mich, Meisterin der Überprungshandlungen, etwas zu unternehmen.
Von Hamburg nach Berlin ist es nicht weit mit dem Zug. Das Elbe-Hochwasser hat auf der Strecke auch keinen Schaden angerichtet und so erreicht man die Hauptstadt in unter zwei Stunden.
Also auf-auf für ein Speeddate mit der Hauptstadt.
Am Samstag quäle ich mich morgens früh aus dem Bett. Der erste Zug ist mir etwas zu früh. Aber der zweite soll es schon sein. Kein Halt bis Berlin Spandau. Also noch mal Zeit zum Dösen bis ich um 8h42 am Berliner Hauptbahnhof aussteige und erstmal wieder die Architektur bewundern muss. 2006 kurz nach der Eröffnung war ich das bisher einzige Mal da. Erster Anfall von Knipseritis auf dem Weg zum S-Bahnhof:
Die S-Bahn führt mich vom Hauptbahnhof nach Charlottenburg. Der Plan: Einmal Schloss angucken und dann mit dem Schiffchen über die Spree bis Mitte. Dazu führt es mich zunächst zu Fuß vom Bahnhof Charlottenburg durch die Einkaufsstraße. Unterwegs finde ich ein Call-a-bike, mit dem ich weiterradele. Das hätte ich lassen sollen! In Berlin kann man nämlich sein Call-a-bike wirklich NUR an Stationen abstellen. Und weit und breit ums Schloss gab es keine Station.
Nach einem Abstecher zum Bahnhof Westend muss ich tatsächlich wieder zurück zu der Station, an der ich das Rad entnommen hatte.
Von da dann doch mit der U-Bahn ein Stück Richtung Spree und das letzte Stück bis zum Schiff zu Fuss.
Die Schifffahrt kann ich nur weiterempfehlen: Entspannt legt man so gut 7,5 Kilometer zurück, sieht viel und bekommt das auch noch erklärt.
Am Anleger Friedrichstraße gehe ich von Bord. Und starte den nächsten Fahrrad-Versuch. In der „Innenstadt“ gibt es deutlich mehr Stationen. Und so radele ich durchs Brandenburger Tor, beobachte eine Biker-Demo, fahre am Reichstag, dem Kanzleramt und dem Bundestag vorbei.
Dann weiter zum Holocaust-Mahnmal.
Ich finde es faszinieren, spannend und er- bzw. bedrückend zugleich. Es wird drin gerannt und drauf geklettert. Es wird angenommen und ist Teil der Stadt und der Menschen.
Es wird langsam heißer und ich muss auch bald wieder mein Rad abgeben. Ich düse also bis zur nächsten Station. Eigentlich will ich zu Fuß bis zum Checkpoint Charly. Aber ich entscheide mich dann doch für eine U-Bahnfahrt (wofür habe ich dieses unschlagbar günstige Tagesticket gezogen?!)
Checkpoint Charly ist mir zu wuselig und irgendwie nicht meins. Außerdem habe ich Hunger. Spontan entscheide ich mich beim Barcomi’s in Kreuzberg vorbeizugucken. Die Hackeschen Höfe stehen später auf dem straffen Zeitplan.
Gestärkt mit einem Bagel – mir war so gar nicht nach Kuchen – schlendere ich über die Bergmannstraße.
Eigentlich habe ich ja den Plan, wieder ein Fahrrad zu suchen und per Pedale zur East-Side-Gallery zu fahren. Aber es ist warm und meine Freundin meldet sich, dass sie jetzt bald gleich Zeit habe und sich dann mit mir an der Gallery treffen will. Also doch in die U-Bahn, wo ich erstmal feststellen muss, dass ich bis dahin schwarz gefahren bin.
Und ich kann noch nicht mal behaupten, dass es mir keiner gesagt hätte. Ich habe es sogar gelesen… Damit ich über die Obernbaumbrücke gehen kann, steige ich schon am Schlesischen Tor aus.
Die East-Side-Gallery ist schon beeindruckend. Und so sehr „Die Mauer muss weg“ vor knapp 24 Jahren richtig war, so richtig ist jetzt auch, dass dieses Stück Mauer bleiben muss. Durch die Kunst an der Mauer ist es Teil der Stadt und der Menschen geworden. Es ist ein Teil deutscher Geschichte und sollte weiterhin erinnern dürfen.
Es wird drückender und graue Wolken ziehen immer näher. Wir machen einen kleinen Abstecher in ein Urban-gardening-Projekt direkt an der Spree.
Als der Regen losgeht, fahren wir Richtung Mitte. Die Hackeschen Höfe habe ich das letzte Mal vor gefühlten 500 Jahren gesehen. Naja, zumindest kurz nach der Wende, als das alles noch nicht so schön war. Dafür vielleicht origineller…
Wir spazieren durch Mitte. Und bestaunen die tollen Innehöfe. Ein sehr schöne Berliner Besonderheit, diese Hinterhofbebauung. Es ist alles ganz schön hergerichtet in Mitte. Schick… Ich überlege noch, ob ich’s zu schick finde.
Wir machen noch einen Abstecher auf die Museumsinsel. Das ist schon beeindruckend. Die Bauten, die Atmosphäre. Die vielen Kräne, die das Berliner Schloss wieder aufbauen. Ich finde das eigentlich nicht schlecht. Aber das Erichs Lampenladen deswegen weg musste… irgendwie war es ja auch ein Kulturgut.
Während ich den Ku’damm und den Potsdamer Platz bewusst ausgelassen habe, hat mir der Regen einen Strich durch den Besuch am (und vielleicht auch auf dem) Fernsehturm gemacht. So habe ich ihn nur aus der Ferne gesehen:
Eigentlich wollten wir danach echt berlinerisch Currywurst essen – bei Konnopke. So war der Tipp. Doch diese Berliner Institution war zu. Und so zogen wir weiter und aßen nahe der Kulturbrauerei Prenzlauer Berg ’ne Curry mit Pommes.
Tja, dann blieb noch Zeit für ein Weinchen bis mein letzter Zug gen Hamburg ging. Leicht wehmütig, denn, auch wenn ich 14 Stunden gut 50 Kilometer zu Fuß, mit dem Rad, in der U-Bahn, auf dem Schiff und auch mit dem Auto zurückgelegt habe und somit so einiges abgeklappert und gesehen habe, ist da noch sooo viel, was ich gerne sehen möchte.































































2 Gedanken zu „Barlihn“
Wow! Ich meine WOW!!!
Was für ein Programm für EINEN Tag! Uff.
Und seufz…
Wenn es ein bisschen weniger heiß gewesen wäre, hätte ich vielleicht noch mehr geschafft 🙂 Aber eine tolle Stadt… das nächste Mal mit den messieurs