Punk goes Theater: Antigone
Ich habe ein Dilemma: Ich mag Theater. Aber ich habe Probleme damit, einer Aufführung zu folgen. Und das fällt mir schwerer, je reduzierter die Inseznierung ist. Bei der Oper habe ich das nicht: Da muss ich auf die Musik, den Orchestergraben und auf die Obertitel achten. Das hilft mir tatsächlich sehr, nicht meine Gedanken schweifen zu lassen.
Eins muss es durchaus mögen, dass in Franfurt sowohl die Oper als auch das Schauspiel nicht auf klassische Bühnebilder und Inszenierungen setzen. So auch Antigone. Die extreme Reduktion auf der Bühne war sehr beeindruckend und hat die Aufführung sehr getragen. Durch den Einsatz von Licht und Nebel sind starke Bilder entstanden. Das mag ich sehr.
Was ein bisschen schade war: Die Schauspieler*innen waren teilweise sehr leise oder kamen nicht wirklich gegen die dezidiert eingesetzte Musik an. Das hat mir zwar ein wenig geholfen, nicht gedanklich abzuschweifen, weil ich mich konzentrieren musste. Allerdings war es manchmal wirklich nicht zu verstehen.
Die Handlung von Antigone ist – wie von viele antike Dramen – hochaktuell. Die Menschen lernen halt nichts aus der Geschichte. Neben den absurden familiären Verstrickungen und kreisartigen Stammbäumen geht es um „unsinnige“ Gesetze, dem Mut Antigones diese aus moralischen Gründen zu übertreten. Ihr gegenüber steht Kreon, ein halsstarriger patriarchaler Führer („So lange ich lebe, lasse ich mich nicht von einer Frau knechten“) und dazwischen Menschen, die sich schadlos halten wollen („Ich bin nur Bote und habe mit der Tat nichts zu tun“) oder sich anderweitig raushalten wollen („Ich bin dein Sohn, ich stelle mich nicht gegen dich“), obwohl sie Position beziehen sollten. Und am Schluss, als Antigone und Haimon tot sind, tut sich Kreon vor allem selbst leid.
Nichts Neues und die richtigen Schlüsse aus solchen Stücken ziehen die „Falschen“, also nicht diejenigen, die ihr Handeln entsprechend anpassen sollten.

