Punk goes Oper: Tosca
Als ich der Kollegin, die mich zu dem Zeitpunkt nur mit meinen Tattoos und Antifa-Hoodies kannte, erzählte, dass ich ein Opern-Abo habe, dachte sie zunächst, dass ich scherzte. Aber mitnichten! Auch Punks gehen in die Oper.
Oper begleitet mich schon sehr lange. Mal mehr und mal weniger intensiv. Es fing damit an, dass ich mit 10/11 eine Mozart-Biografie gelesen habe. In Fraktur. Ich glaube, ich hatte die beiden Bände bei meinen Großeltern gefunden, als ich mal zu Besuch war. Ich las also vom Leben Mozarts und danach wollte ich unbedingt Geige lernen (was ich etwas später für 1,5 Jahre tat). Außerdem waren danach meine wichtigsten Wünsche zum Geburtstag: eine mehrplattige Aufnahme einer Zauberflöten-Aufnahme sowie der Besuch einer Zauberflöten-Aufführung. Gab es beides. Später durfte ich hin und wieder meine Mutter bei ihrem Theater-Abo vertreten. In Bielefeld umfasste das auch Opern-Vorstellungen. Ich kann mich daran erinnern, dass ich mal Aida gesehen habe.
Mittlerweile habe ich mit zwei Freundinnen in der 2. Saison ein Opern-Abo*. Das vermeintlich Billigste vom Billigen: Wir sitzen im dritten Rang in der letzten Reihe. Also gaaaanz hinten und gaaanz oben. Dafür allerdings genau in der Mitte. Da der Rang sehr steil ist, haben wir auch trotz aller vermeintlicher Widrigkeiten beste Sicht. Auch in den Orchestergraben, den eins ja vom Parkett aus gar nicht verfolgen kann. Für das Geschehen auf der Bühne gibt es Operngläser.
Ich mag auch die Frankfurter Oper sehr gerne. Das Haus als solches (allerdings ist der Neubau mehr als nötig), aber insbesondere die Inszenierungen inkl. der Bühnenbilder. Üppige Bilder und große Roben sieht eins eher nicht. Es ist modern, puristisch bisweilen minimalistisch.
Die erste Oper 2026** war Tosca. Die war allerdings nicht Bestandteil unseres Abos. Bereits in der Saison 24/25 hatten wir ein paar einzelne Vorstellungen mehr oder weniger spontan zusätzlich zu unserem Abo gebucht. Für die Saison 25/26 hatten wir uns zusammengesetzt und die Zusatz-Vorsellungen geplant, sodass wir fast jeden Monat mindestens 1x in die Oper gehen.

Aber zurück zu Tosca: Es war toll. Ich mag es ja immer, wenn es weibliche starke Hauptrollen gibt. Das ist Tosca durchaus. Gesanglich war es – wie immer in der Frankfurter Oper – hervorragend. Gerade Tosca war sehr beeindruckend. Und Scarpia wurde so gut verkörpert, dass wir zwischenzeitlich echt sauer auf ihn waren, weil er so ekelig ist. Als er dann sehr dramatisch, aber wenigstens nicht einen ganzen Akt lang, stirbt, weil Tosca ihn umbringt, war ich kurz versucht „endlich“ zu rufen. Für Gänsehaut sorgte wieder mal der Opern-Chor, der ja auch schon mehrfach ausgezeichnet wurde, am Ende des 1. Akts, direkt vor der Pause. Insgesamt war die Oper angenehm kurzweilig mit tollen Arien.
Wir freuen uns schon auf die nächste Puccini-Oper: Madama Butterfly.
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* 5 Vorstellungen, keine Premieren.
** Die Saison läuft ja wie ein Schuljahr, beginnt also im September und geht bis zu Juni des Folgejahres. Daher war ich in dieser Saison schon in Peter Grimes, Manon Lescaut, Boris Gudonow und Die Banditen.
2 Gedanken zu „Punk goes Oper: Tosca“
Ich gebe zu, auch bei mir hat das Vorurteil zugeschlagen und ich hätte duch mit Oper nicht in Verbindung gebracht. Ich bin ja auch ein großer Oper- und Ballettfan und betreue nicht umsonst den Kinderchor hier in der Chemnitzer Oper bei Auftritten.
Als Zuschauerin freue ich mich noch auf Don Giovanni und den Fliegenden Holländer.
Solltest du in der nächsten Spielzeit mal wieder in die Nähe von Chemnitz kommen, dann schau mal, ob du eine Vorstellung von „Rummelplatz“ sehen kannst.
Ich finde es generell wunderbar, wenn eine Person Freude an Opern bzw. Kultur allgemein hat – vermutlich weil ich selbst diesbezüglich sehr unbedarft bin. Trotz gewissen Interesses an Kultur (Opern, Theater, Museen) finde ich nicht wirklich Zugang dazu.
Mein bisher einzige Opernbesuch liegt deshalb auch rund 45 Jahre zurück, als ich als damals 15Jährige von der Nachbarin meiner Eltern eingeladen wurde, sie zum „Barbier von Sevilla“ zu begleiten. Ich fand es interessant, doch das hat nicht für weitere Besuche von Opern oder ähnlichen Veranstaltungen gereicht – leider, wie ich finde.