10 Jahre
So langsam ist es tatsächlich ein Muster: Oktober und November sind nicht meine Monate. Oft ist der Oktober auf vielen Ebenen sehr turbulent und im November falle ich in ein Loch. Natürlich gibt es auch Lichtblicke. Trotzdem hänge ich durch.
Ist es mein emotionales Gedächtnis, das sich unbewusst bemerkbar macht und mich zum Innehalten zwingen will?
Heute ist der 17. November. Ein Datum, dass ich mir habe tätowieren lassen. Heute ist es 10 Jahre her, dass ich den Kindsvater von der Polizei aus meiner Wohnung holen lassen musste.
Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde mein Unterbewusstsein, mein emotionales Gedächtsnis auf diesen Tag hinfiebern. So wie auf den Geburtstag oder Weihnachten – anders, nicht so vorfreudig. Auch wenn mich jeder Jahrestag ein Jahr weiter von diesem Ereignis wegbringt.
Ich halte inne: Habe ich all das, was mit dem Kv passierte, verarbeitet? Ja. Aber dieses Ereignis und viele andere haben sich in meine DNA eingebrannt. Und nicht nur in meine, wie mir letzthin im Gespräch mit dem Kind mal wieder bewusst wurde. All das ist ein Teil meiner, unserer Geschichte. Anfangs habe ich noch erwartet/gehofft, dass er sein Verhalten reflektiert und sich entschuldigt. Aber auch das brauche ich nicht mehr.
Der 17.11.2014 war eine Zäsur in meinem Leben. Er hat mich radikalisiert. Er hat mich bewusster gemacht. Ich habe extrem gelernt meine Grenzen zu setzen und zu schützen. (Klappt natürlich nicht immer 100%ig.) In den vergangenen 10 Jahre ist viel passiert.
Das Verhältnis zum Kv hat sich auch verbessert. Okay, viel schlechter als vor 10 Jahren konnte es nicht werden. Wir können uns zum Kind austauschen und auch am gleichen Strang ziehen, wenn es sein muss. Er hat akzeptiert, dass wir das Kind begleiten und nicht über ihn verfügen können. Das Kind entscheidet mittlerweile selbst, wann und wie lange er zum Kv fliegen will.
Ich haben den Kv zuletzt im Januar 2020 gesehen. Das Kind kündigt an, dass der Kv gerne käme, wenn das Kind Abschlussfeier von der Schule habe. Finde es gut, dass er das von sich aus in Erwägung zieht.
Auch wenn es immer mal wieder nicht ganz rund lief in den letzten 10 Jahren, war mir ab Trennung und auch beim Polizeieinsatz klar, dass es so sein muss und richtig ist. Und so ist es gut und wird immer besser.