Großes Privileg

Großes Privileg

Wäre ich ein alter weißer cis Mann würde ich vermutlich sagen: „Wer kann, der kann.“

Ich hingegen bin ein Pick-me-Girl* mir sehr bewusst, dass es ein verdammt großes Privileg ist, dass ich in diesem Jahr zum dritten Mal kündigen  konnte, weil es einfach nicht gepasst hat. Und dass ich jeweils entweder schon einen neuen Vertrag hatte, oder sicher sein konnte, dass ich schon was Neues finden würde.

Die erste Kündigung des Jahres war mehr als überfällig. Hätte ich in der Probezeit zu diesem Job nicht noch im BurnOut gesteckt, hätte ich die Probezeit nutzen müssen. Wie schlimm meine Chefin wäre, hat sich schon damals abgezeichnet. (Und es wurde auch nicht besser. Das war Mobbing.) Ich war aber noch wund und nicht in der Lage zu sehen, was ich will; ob das, was ich kann, das ist, was ich will.

Die zweite Kündigung dieses Jahres war eine Doppelkündigung: Meine Chefin und ich saßen uns mit gegenseitigen Kündigungen in der Probezeit gegenüber. Wir waren uns einig, dass wir nicht zusammenpassen. Ich war ihr zu pingelig und genau. Sie war mir zu beratungsresistent.

Kündigung Nummer drei fand auch in der Probezeit statt. Der Arbeitgeber ist mir zu amerikanisch. Ich merkte schnell, dass ich langfristig da nicht glücklich werden würde – nicht wegen der Kolleg*innen oder wegen der Aufgaben. Aber ich würde mich an der Prozessen aufreiben, an der Prozess- und Zahlengetriebenheit, an den Hierarchien. Ich möchte auch nicht von Kolleg*innen als Ressource bezeichnet, verwaltet und verhandelt werden. Ich will im Team selbstbestimmt arbeiten. Ich musste ein wenig schmunzeln, als eine jüngere Kolleg*in beim Abschied sagt, dass mein Talent die Arbeit mit dem Kunden erleichtert habe. Nein, nicht mein Talent. Das ist mein Können.

Ab Dezember also Job Nummer 4 in diesem Jahr. Mit besseren Konditionen als Job 1-3 und der Hoffnung, endlich wieder eine Job-Heimat zu haben. Das würde mir sehr helfen, mittelfristig darüber nachdenken zu können, ob ich – wenn der Sohn nicht mehr voll unterhaltspflichtig ist** – meine Selbstständigkeit wieder ausbaue und/oder nochmal (in Teilzeit) studiere.

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* Schlimmster Begriff ever. Und ich finde es auch schlimm, wenn sich erwachsene Frauen selbst und/oder gegenseitig als Girl bezeichnen. Allein das ist schon eine Aussage.

** Wenn er ab Sommer 2025 eine Ausbildung anfängt, wird er erstes eigenes Geld verdienen.

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