Diese eine Liebe

Diese eine Liebe

… wird auch zu Ende geh’n.

Die Ärzte – ja, die Band – begleiten mich schon seit irgendwie immer. Mein persönliches Lieblingsalbum ist und bleibt „Im Schatten der Ärzte“. Die 1990er Alben hingegen gingen in Gänze nie wirklich an mich ran – nur einzelne Lieder. „Geräusch“ fand ich noch gut. „auch“ ist komplett an mir vorbeigegangen. Mit „Hell“ kam ich wieder in den Ärzte-Vibe und „Dunkel“ finde ich wirklich gut.

2022-2024 war ich auf 4 Ärzte-Konzerten: 3x Berlin Tempelhofer Feld und 1x Offenbach. Und die Konzerte waren alle super.

Doch seit 2025 bröckelt meine Ärzte-Liebe deutlich. Es ist, wie die Lieblingskollegin immer sagt, ein multifaktorielles Geschehen. Ja, Die Ärzte sind seit jeher antifaschistisch einzuordnen und einige Songs sind sehr klar und deutlich. Aber eine vorrangig politische Band waren sie nie. Wollten sie auch nie sein. Sie machen in erster Linie Fun-Punk* und das ist auch okay. Ich mag ihren Wortwitz (den andere deutschsprachige Punk-Bands immer wieder mehrt schlecht als recht versuchen zu kopieren). Was ich aber nicht mag ist, dass sie sich in ihrer Priviligiertheit als erfolgreiche Band und als weiße Männer nur sehr behäbig weiterentwickeln.

Ich nehme Farin die Nähe zu Flake von Rammstein sehr übel. Und Bela B. hat sich bei mir mit einem Interview zu seinem Buch „Fun“ ins Aus geschossen. So wirklich reflektiert war/ist da nichts. Ich habe schlimme Alte-weiße-Männer-Vibes.

Und was ich ihnen wirklich übel nehme, ist „Schrei nach Liebe“. Dieser Song ist letztlich eine Bäsendienst am aktiven, ja radikalen Antifaschismus. Der Text suggeriert – völlig an der Realität vorbei, dafür mittetauglich: Nazis sind doofe, von den Eltern vernachlässigte Menschen. Eins, also die Gesellschaft, muss sie nur genug lieb haben, dann hören sie schon auf Nazis zu sein.

Ich möchte diejenigen sehen, die den Song inbrünstig mitsingen, wie sie Nazis liebevoll in den Arm nehmen, wenn diese vor ihnen stehen, in der Bahn pöbeln oder die queeren Freund*innen angreift.

Nazis verstehen nur eine Sprache**:

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* Irgendwo las ich, dass sie sich selbst eh nicht (mehr) als Punk-Band definieren. Und ein Punk-Band im engeren Sinne des Punks waren sie halt nie.

** Es ist völlig ok, für sich selbt Gewalt abzulehnen oder – wie ich – sich nicht zuzutrauen. Dennoch verdient jedes erfolgreiches „Nazis aufs Maul“ absolute Unterstützung.

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