Absteigen

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Irgendwann muss eins erkennen, wann das Pferd, das sie reitet, tot ist. Und manchmal muss eins auch (an)erkennen, dass sie ger nicht die richtige Reiterin für das Pferd war. Ich könnte jetzt noch schreiben: Oder erkennen, dass sie gar nicht reiten kann. Aber darum geht es nicht. Denn ich glaube, dass – selbstverständlich metaphorisch gemeint – jede*r reiten kann. Also eine besondere Fähigkeit, Talent, passende Erfahrungen hat.

So wie ich lange Jahre der Idee nachhing, in Hamburg leben und arbeiten zu wollen, hatte ich auch lange den Wunsch bei meiner jetzigen Arbeitgeberin zu arbeiten. Wie immer bei solchen Wünschen / fixen Ideen: Es geht gut oder eben nicht. Das weiß ich aber nur, wenn ich es probiere. Die Zeit in Hamburg (vor gut 10 Jahren sind wir wieder zurückgezogen) hat die Stadt für mich entzaubert. Zeitweise. Mit den Jahren habe ich wieder meinen Frieden mit der Stadt gemacht und kann mir durchaus wieder vorstellen, da zu leben.

Nach der Einleitung ahnt vermutlich die eine oder der andere schon, dass meine jetzige Arbeitgeberin und ich nicht so gut zusammenpassen, wie ich es gehofft habe. Und das liegt hauptsächlich daran, dass ich zwei Antriebe für meine Arbeitsstellen habe: 1) Ich kann dort etwas lernen. 2) Ich kann etwas, z.B. Prozesse, optimieren.

Beides wäre eigentlich bei meiner Arbeitgeberin gegeben. Also Ersteres war gegeben und mir war das auch klar. Anderen war das nicht so klar, weswegen Erwartungen diametral auseinander gingen. Zweiteres hätte ich auch gerne gemacht. Es hätte viel zu tun gegeben. Aber es ist nicht möglich. Die Strukturen sind zu fest. Die Beharrungskräfte zu stark. Das Hierarchiedenken sehr verankert.

Die Folge – um das Eingangsbild wieder aufzugreifen – ist, dass ich das Gefühl habe, dass ich trotz meiner Erfahrungen und Expertisen nicht fest im Sattel sitze, sondern irgendwie ohne Sattel mit Blick nach hinten auf dem Pferd hänge. Dass das Pferd darüber hinaus alles andere als fit ist, ist ein weiteres Problem.

Ich bin froh und dankbar, dass ich bei dieser Arbeitgeberin arbeiten darf. Dass ich der fixen Idee nachgehen konnte. Aber jetzt ist es an der Zeit, vom Pferd zu steigen.

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