Mitlesen

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Die Lauscherin an der Wand hört ihre eigene Schand.

Seitdem ich über meine erste Wut und Enttäuschung über den Vorfall, der zu Teilprivatisierung diese Blogs führte, hinweg bin, bin ich ja etwas im Provo- und Amüsiermodus.

Es erinnert mich an eine Begebenheit, die mittlerweile mehr als 30 Jahre her ist. Damals habe ich ähnlich leidenschaftlich Tagebuch geschrieben, wie ich heute blogge. Ich habe schon immer alles schreibend verarbeitet und mit mir ausgemacht. Schreibend kann ich Gedanken sortieren.

Damals war ich mitten in der Pubertät und das Verhältnis zu meiner Mutter war entsprechend schwierig. Gut, ich war immer ein Papa-Kind. Genau genommen waren wir sehr weit von einander entfernt. Ich ließ sie nicht an mich ran und sie konnte damit nicht umgehen. Wir gerieten in ein vermutlich sehr normale Spirale, in der sie immer wieder insistierte und ich mich bei jedem Vorstoß weiter entfernte.

Irgendwann endete es darin, dass meine Mutter mein Tagebuch las. Da ich zu dem Zeitpunkt eh kein Vertrauen zu ihr hatte, hat mich das zwar geärgert, aber es konnte nichts mehr kaputt machen. Und weil ich nun mal ich bin und mich diese Aktion wie auch jetzt in einen Provo-Amüsiermodus versetzte, fing ich an mein Tagebuch zu manipulieren. Wobei ein richtige Manipulation war es nicht, ich habe nur meine damalige Verliebtheit etwas kreativ umschrieben und nannte den jungen Mann (mit dem ich später tatsächlich noch kurz liiert war) nicht beim Namen, sondern Dope. Und auch sonst klang es eher, als würde ich Drogen nehmen, denn dass ich verliebt bin.

Es dauerte nicht lange, bis meine Mutter sehr schlecht investigativ fragte rumeierte. Weit kam sie nicht. Ich trieb das Spiel noch ein wenig weiter, was meine Mutter dazu nötigte, mir irgendwann tatsächlich die Ärmel hochzuschieben und meine Ellenbogenbeugen zu kontrollieren. Ich weiß noch, dass ich mir sehr das Lachen verkneifen musste und nur trocken sagte, ob sie wirklich glauben würde, dass ich Drogen nehmen würde und dass sie mich einfach gar nicht kennt*.

Doch, das war durchaus eine Genugtuung.

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* Ich habe außer Alkohol keinerlei Drogen probiert.

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