Lichtblicke 2024

Lichtblicke 2024

Die Zeiten sind wild. Umso wichtiger ist es, sich an die guten Momente zu erinnern. Und so anstrengend ich 2024 bisweilen und vor allem zwischen August und November fand, so sehr war es auch geprägt davon, dass ich ziemlich priviligiert bin und es mir persönlich immer noch sehr gut geht. Ich habe viel gute Zeit mit Freund*innen, mit dem Kind und mit mir verbracht. Ich war in vielen Ausstellungen, auf vielen Konzerten (25 + 5 Festivals) und leider nicht so oft im Wald, wie ich es vermutlich gebraucht hätte. Ich war auch mal wieder mehr als ein Mal im Kino. Seit Anfang des Jahres trinke ich keinen Alkohol mehr und ich vermisse es gar nicht nicht. Seit Mitte des Jahres esse ich kein Fleisch mehr und auch das vermisse ich gar nicht.

Januar: Mit Start des neuen Jahres spüre ich deutlicher als zuvor, dass ich an meiner Jobsituation was ändern muss. Es ist klar, dass ich meine bisherige Vorgesetzte nicht mehr ertragen kann. Während ich 4 Wochen AU bin, entscheide ich zu kündigen. Ich habe zwar erste Gespräche, aber als ich die Kündigung abschicken muss, noch nichts Konkretes. Trotzdem ist dieser Schritt so befreiend und selbstwirksam, dass ich danach wieder sehr erhobenen Hauptes für die letzten drei Monate zur Arbeit gehen kann.
Ein fetter Paukenschlag sind die Enthüllungen von Correctiv. Die daraus entstehenden Demos sind beeindruckend. Viele der Bilder rühren mich zu Tränen. Ich habe ein wenig antifaschistische Hoffnung – vorerst.
Lichtblicke: Großmarkthallen-Führung und Kaffeeklatsch zu meinem Geburtstag, WIZO-Konzert

Februar: Ich bin sehr befreit bei der Arbeit. Mit Freundin J biete ich erstmals TeaTime im örtlichen Irish Pub an. Beim Kind bahnt sich das nächste Schuldrama an. Es geht um ein Wort, einen Tadel und viel pädagogische Inkompetenz Überforderung. Ich habe Bewerbungsgespräche, aber schon längst einen Anschlussvertrag unterschrieben. Zwei Mal geht es in die Oper.
Lichtblicke: Frida-Kahlo-Ausstellung, des Kindes obskurer Leberfleck ist nichts Schlimmeres

März: Viel los im März, wenig Lust auf Arbeit. Kino, 2. TeaTime, Ausstellung, Besuch, Konzerte, Oper. Das Kind muss zwei Wochen Praktikum machen, die ihm wirklich gut tun. Das Schuldram erreicht seinen Höhepunkt: Ich habe ein Gespräch mit der Schulleitung und der Klassenlehrkraft, in dem sich die Klassenlehrkraft auf dem Silbertablett präsentiert und das Kind von der anstehenden Klassenfahrt ausgeladen wird.
Lichtblicke: Prag mit L und L, NMA-Konzert

April: Ich starte krank in den Monat (erste MOE seit ewig) und lasse mich bis zum Beginn des Rest-Urlaubs krankschreiben. Der Tag der Abgabe meiner Sachen ist im Vorfeld etwas unangenehm, aber löst sich dann ok. Ich flohmarkte seit Langem mal wieder. Leider müssen wir wegen Wetter abbrechen. Ich mache bei einem Musik-Videodreh als Statistin mit. Wir verastalten die 3. und letzte TeaTime. Ich gehe endlich mal wieder zum Augenarzt, wo sich herausstellt, dass ich seit einem Jahr mit der falschen Stärke durch die Gegend laufe. Endlich werden die Kopfschmerzen und die Müdigkeit besser. Möglicherweise werden die auch besser, weil ich endlich mit einer Hormonersatztherapie wegen Perimenopause beginne.
Lichtblicke: Führung durch die E-Kinos, Igor-Levit-Konzert

Mai: Ich starte Job Nr. 2 in diesem Jahr. Der plätschert so vor sich hin. Das Kind hat seine drei schriftlichen Prüfungen für den Hauptschulabschluss. Ich flohmarkte schon wieder und gehe auch mal wieder in die Oper. Ich komme in das „Vergnügen“ einer Mammographie (alles fein).
Lichtblicke: Faintest-Idea-Konzert mit Kind, Skassapunka-Konzert

Juni: Der Monat ist entspannt. Der Job ist nicht meiner. Ich habe wieder Bewerbungsgespräche. Ich habe endlich wieder einen Auftrag als freie Journalistin. Ich melde mich mit Freundin L für die Wassergymnastik an und ins Hamam geht es nach langer Zeit auch mal wieder. Das Kind hat HNO-Probleme, aber zum Glück geraten wir an eine gute Ärztin und so kommt langsam Grund in den Dauerrotz.
Lichtblicke: viele Treffen mit Freund*innen, das Kind hat einen wirklich guten Hauptschulabschluss mit Quali

Juli: Das Kind absolviert für zwei Wochen ein freiwilliges Praktikum und muss damit bis zu den Ferien nicht mehr in die Schule. Ich bekomme eine Jobzusage. Meine Chefin und ich wollen uns gegenseitig küdigen. Ich gehe zum Blutspenden und mal wieder in die Oper. Das Kind ist zunächst bei Oma und fliegt dann zum Kv. Zwischendurch gehen wir noch zusammen ins Open-Air-Kino. Seit diesem Monat verirren sich immer wieder Hornissen in die Wohnung. Das ist ziemlich nervig (und lässt sich nur mit Netzen vor den Fenstern und Balkontüren verhindern).
Lichtblicke: Back-to-Future-Festival, Tattoo-Termin

August: Ich genieße es, dass ich frei habe. Ich fahre allein nach Kassel zu den Wasserspielen. Eigentlich würde ich am 15. Job 3 des Jahres anfangen. Uneigentlich bekomme ich Covid-19, auf die sich die zweite MOE des Jahres setzt. Ich verschiebe den Job-Start auf September. Ich fahre mit Kumpel M nach Berlin.
Lichtblicke: Konzert in Leipzig, das Ärzte-Konzert am Sonntag

September: Start in Job Nr. 3 dieses Jahr – ohje, ich fürchte, dass die Unternehmenskultur und ich nicht zusammenpassen, aber ich will dem Ganzen eine Chance geben. Schon Ende des Monats nimmt der Job unangenehm an Fahrt auf. Dafür ist das Wetter größtenteils gut. Ich kann viel Fahrrad fahren. Und auch beim Sport-Event von Kumpel F ist das Wetter so gut, dass wir bis zur Preisverleihung bleiben. Für das Kind fängt das letzte Schuljahr an. Ich lasse mich zur Elternbeirätin wählen und mit der neuen (!) Klassenlehrkraft haben das Kind und ich ein gutes Gespräch. Vorboten für den leidigen Oktober/November flattern ins Haus: Mieterhöhung ab 01/2025.
Lichtblicke: Geburtstags-Event für Freundin L, Hagen Rether

Oktober: Im Museum für Kommunikation ist Vernissage einer Ausstellung, zu der ich ein Ausstellungsstück und zwei Audiobeiträge beigetragen habe. Es stehen mal wieder eine Blutspende und Oper an. Im Job ist es nicht gut – leider auf vielen Ebenen und die inhaltliche ist nicht dabei. Ich arbeite zu viel und bin gestresst. Ich bin ziemlich durch und habe keine Energie, mich um eine Alternative zu kümmern. Da bekomme ich ein Jobangebot. Es folgen Gespräche, eine unangekündigte Vertragszusendung und ich muss etwas überstürzt kündigen, damit ich zum 30.11. aus dem Vertrag komme. Nach der Wohnungs-Hiobsbotschaft ist vor der Wohnungs-Hiobsbotschaft: NK-Nachzahlung im vierstelligen Bereich. Da kommt der große Auftrag als Freie gerade recht – inhaltlich muss ich leider ein paar Augen zudrücken (autsch). Das Kind muss seine mündliche Realschul-Prüfung vorbereiten und ich darf ihm helfen. Das machen wir ziemlich gut zusammen.
Lichtblicke: Tattoo-Termin in Bremen.

November: Der Monat zehrt sehr an meinen Kräften. Dank der Kündigung, bin ich aber sehr schnell bei vielen Dingen raus. Damit ist der Jobstress wenigstens weg. Die internationalen und nationalen politischen Ergeignisse sind ja auch schon stressig genug. Sämtliche antifaschistischen Hoffnungen, die ich noch Anfang des Jahres hatte, werden – auch mit Ausblick auf vorgezogene Neuwahlen – zerschlagen. Ich zwinge mich, wenigstens ein bisschen (r)auszugehen. Aber ich brauche viel Ruhe. Dazu passt nicht wirklich, dass das Kind an zwei Wochenende die Wohnung okkupiert und Kumpels zum Übernachten da hat. Aber ich gönne es ihm. An der Schule kommt es mal wieder zu Inkompetenz-Demonstrationen.
Lichtblicke: zur Orange-Day-Demo geschafft, Keksbackerei

Dezember: Start in Job Nr. 4 des Jahres. Es geht gut an. Ich mag die Kolleg*innen, die Struktur und die Kund*innen. Ich finde wieder zu meiner Energie zurück und habe einen schönen Monat. Ich gehe zu Konzerten, in die Oper und zum Impfen. Ich gönne mir Ruhe, wann immer möglich, weswegen ich mir die Weihnachtstage vom Hals halte. Stattdessen nutze ich die freien Tage, um wieder mehr zu wandern.
Lichtblicke: #BAdventskaffee, Nixmas

Auch wenn es mir psychisch im Oktober und November wirklich nicht gut ging, war das Jahr insgesamt doch sehr gut zu mir. Die Jobwechsel waren wild und auch stressig, aber immer nötig und es wurde von Mal zu Mal besser. Ich habe viele tolle Sachen erlebt. Mit vielen lieben Freund*innen und auch wieder mit dem Kind. Wir hatten ein gutes Jahr zusammen.

Ich bin gespannt auf 2025 – und nicht unbedingt freudig gespannt.

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