Abbitte

Abbitte

Ich muss Abbitte leisten. Beim Kind. Ich werde das nicht nur hier machen (das kann er ja eh nicht lesen), sondern auch in Echt bei ihm. Aber zum einen „muss“ ich Dinge ja immer erstmal für mich schriftlich formulieren und zum anderen ist aktuell nicht der richtige Zeitpunkt, um mit ihm darüber zu reden.

Es ist ein, mein, unser großes Glück, dass das Kind und ich eine so gute Bindung haben. Wäre das nicht der Fall, wäre mir das Kind schon längst auf vielen Ebenen entglitten. So grob in den letzten zwei Jahren. Beziehungsweise ganz konkret: seit dem BurnOut bis Herbst letztes Jahr.

Dieser BurnOut in Kombination mit der Trennung, zu denen auch noch die Perimenopause kam, haben mich so dermaßen aus der Bahn geworfen. Heute, retrospektiv, weiß ich: Ich hätte nicht so früh wieder arbeiten dürfen. Aber als Alleinerziehende ohne Netz – von doppeltem Boden ganz zu schweigen – war ich ja schon froh, dank Krankschreibung und Freistellung insgesamt fast 5 Monate, davon 3,5 am Stück, nicht arbeiten zu müssen und therapeutisch wandern zu können. (Okay, ich bin in der Zeit auch umgezogen, habe viel mit dem Ex diskutiert, habe Freundschaften beendet, habe mich um fremden Kram gekümmert, fing einen Tanzkurs an, habe kaum gegessen, hatte noch Stress wegen der alten Wohnung, Geldsorgen …)

Also schleppte ich den BurnOut und die Perimenopause in den neuen Job. Das neue Beziehungskonstrukt mit dem Ex absorbierte die restlichen Energien. Und so war ich dermaßen mit mir selbst beschäftigt, dass ich für das Kind nicht da war, wie ich es hätte sein sollte. Ja, vielleicht sogar vernachlässigte. (Autsch, das tut ganz schön weh, das zu schreiben.)

Bald wird er 15 Jahre alt. Irgendwie kann ich mich nicht an sein 13. Lebensjahr erinnern. Was in der 8. Klasse in der Schule passiert ist, weiß ich größtenteils auch nicht – und das hat nichts damit zu tun, dass ich es prinzipiell richtig finde, wenn Schuldinge in der Schule bleiben. Es ist bezeichnend, dass sein Zeugnis fürs 2. Halbjahr der 7. Klasse verschollen ist.

Ich habe den hochsensiblen Übergang vom Kind zum Teenie verpeilt. Ich habe ihn in der Zeit zu viel sich selbst überlassen. Er hatte Freiheiten. Zu viele. Aber ich war überfordert von allem und hatte keine Kraft zu diskutieren. Ich vertraute darauf, dass ich dem Kind die wichtigsten Basics und Werte mitgegeben hatte. Aber übersah, dass er Halt brauchte. Dass das Internet die mitgegebenen Werte in Frage stellt. Dass er sich – ganz Teenie – in Frage stellt. Er kam mit für mich und in meiner Bubble kruden Ideen ums Eck. Ich empfand es als reine Provokation und bügelte es ab.

Heute weiß ich es besser. Heute nehme ich mir die Zeit und diskutiere mit ihm. Er liebt das. Er braucht das. Er nimmt an, was ich sage. Es fühlt sich wirkich gut an, wenn ich bemerke, was unsere Diskussionen bewirkt haben. Er mag es auch, Zeit mit mir zu verbringen.

Es ist klar: Wir hätten nicht wieder so zueinander gefunden, wenn unsere Beziehung nicht so gefestigt wäre. Zum Glück konnten wir in all den Jahren viel Vertrauen und Verlässlichkeit aufbauen. Und ich habe wohl mehr richtig als falsch gemacht. Wir haben schon einigen Mist miteinander durchgemacht, aber wir haben noch viel mehr Cooles, Tolles und Spannendes erlebt.

Dazu kommt, dass dieses Kind so großartig ist. Der ist die personifizierte Resillienz. Ich bin so stolz auf den.

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