Infiziert vs. erkrankt #6

Infiziert vs. erkrankt #6

Mein innerer Monk sieht die Testreihe gefährdet, denn ich musste mich heute mit anderen Test als an den vergangenen Tagen testen. Wobei der Schnelltest-Test sagt, dass der heutige Test genauso gut ist wie die der letzten Tage. Wie auch immer: Auch heute war der Test negativ. Damit wird eine Erkrankung – zumal ich keinerlei Symptome habe – mittlerweile ziemlich unwahrscheinlich. Zumindest dass ich aktuell COVID-19 habe. Möge der Kelch weiter an mir vorbei gehen.

Am Nachmittag eine spannende Diskussion gehabt über Subkulturen und Gegenkulturen. Über LGBTQI* und Queerness im Besonderen. Wobei ich die Subsumierung von queer in LGBTQI* nicht glücklich finde, weil es meiner Meinung nach ein Überbegriff für diejenigen ist, die nicht in Form der gesellschaftlich gängingen heteronormativen Paarbeziehung lieben und leben und sich auch selbst nicht entsprechend der gesellschaftlich gängigen Rollenbilder als cis-Mann oder cis-Frau definieren#. Also Queerness im Sinne von sexueller, romantischer und geschlechtlicher Vielfalt. Ich habe mittlerweile einiges dazu gelesen und auch gehört. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr würde ich mich als queer bezeichnen.

Zum einem, weil ich mich in erster Linie als Mensch verstehe. Ja, ich biologisch gesehen eine Frau und ich bin mit meinem Körper und mit meinem primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen im Reinen. So gesehen bin ich erstmal eine Frau. Und natürlich bin ich bis zu einem gewissen Grad als Frau sozialisiert und werde auch als solche behandelt, aber ich definiere mich nicht darüber.## Dass bedeutet zwar nicht, dass ich mich als nonbinär bezeichnen würde und einen so richtig passenden Begriff – am ehesten genderqueer – habe ich auch noch nicht gefunden. (Was ich nicht so schlimm finde.) Dennoch oder gerade deswegen ist das ein Teil meines Queerseins.

Zum anderen ist da die bzw. meine Nicht-Monogamie###: Ich merke, wie sehr es mich entspannt, seitdem das ausgesprochen ist. Wie gut es mir tut, nicht mehr versuchen zu müssen, die „Partnerin von“ zu sein. Dazu ging mir durch den Kopf, dass es dank der Nicht-Monogamie nur noch um Beziehungen zu Menschen und nicht mehr um Partner*innenschaften im Sinne einer romantischen Paarbeziehung geht. Mit jedem Mensch, mit dem ich eine Beziehung eingehe, muss ich individuelle Vereinbarungen treffen. Es gibt keine allgemeingültige gesellschaftliche Norm mehr, wie eine sich zu verhalten hat, was sie unausgesprochen erwarten sollte. Kein „wir sind ein Paar, also läuft das jetzt so und so ab“. Es ist krass, wie sehr es die Beziehung zum Ex verändert, ja, verbessert hat. Aber wie sehr es auch mich verändert hat, wie ich mit Menschen umgehe und auch auf sie zugehe####.

Es fügen sich gerade Puzzlesteine, mit denen ich immer mehr bei mir ankomme und mit mir im Reinen bin. Mit denen ich lerne, dass ich nicht einer gesellschaftlichen Norm entsprechen muss. Dass ich ich sein darf und auch sollte.

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# Wobei ich das Akronym insgesamt schwierig finde als Zusammenfassung, denn LGB beziehen sich auch die sexuelle Orientierung, T und I auf die Gender-Identität und Q ist halt beides und noch mehr ist.

## Ich habe das Glück gehabt in einem sehr progressiven Wolkenkuckucksheim aufgewachsen zu sein, dass meine Eltern mich weitestgehend geschlechtsneutral, bzw. zumindest nicht stereotyp erzogen haben. Ich habe nie – zumindest kann ich mich nicht erinnern – von ihnen zu hören bekommen: „Als Mädchen solltest Du aber …“ oder „Mädchen machen so was nicht“ etc. Ich durfte wild, frei und burschikos sein. Sie haben mich verteidigt, wenn die Verwandschaft es nicht verstand, dass ich lieber auf Bäume kletterte statt mit Puppen zu spielen. Es ging stets um mein Werden als Mensch. Nicht als Frau. Und schon gar nicht als „Ehefrau von“.

## Bewusst nicht Polyamorie/polyamor.

#### Und dabei geht es um die jeweilige Person als Mensch und nicht als potentielle*n Sexpartner*in.

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