Ich bin es leid
Kackscheiße. Heute ist so ein Tag, am dem ich am liebsten in den Wald gegangen wäre, um laut und wiederholend „Kackscheiße“ zu brüllen.
Der Tag fing damit an, dass ich direkt nach dem Wachwerden da anknüpfte, wo ich heute Nacht aufgehört hatte: beim Versuch, ein Flugticket von Frankreich nach Frankfurt für das Kind zu buchen. Während ich in der Warteschleife hing, meldete sich der Kv per WA und brachte mich direkt wieder auf die Palme. Er sieht nur sich, hat keine Lust zu viel Aufwand zu haben, aber ist groß darin rumzunölen, wenn sein Umfeld nicht so springt, wie er es gerne hätte. Und sich schon mal gar nicht dafür interessiert, warum das Umfeld nicht springt. In unserem Fall: Ich kümmere mich erst jetzt um das Rückflugticket, weil das Kind immer wieder schwankte, ob er wirklich fahren möchte. Dass es dem Kind nicht gut damit geht, entscheiden zu müssen, was richtig ist. Aber davon bekommt der Kv ja nichts mit und deswegen kommt für ihn als Begründung für mein Handeln nur in Frage, dass ich gegen ihn bin.
Dann brach die Verbindung zur Warteschleife ab. Ich regte mich über den Kv auf. Das Kind war beim Bouldern. In mir reifte der Entschluss, dass es unsinnig ist, dass das Kind nach Frankreich fährt. Die Pandemie ist im vollen Gange, Omicron vermehrt sich rasant. Es ist totale Kamikaze, dass das Kind da einmal quer durch Europa reisen soll. Vor allem quer durch Frankreich, wo das Virus völlig entfesselt gespreadet wird. Die Zahlen explodieren. Wenn der Kv verantwortungsbewusst wäre und seine Sorgepflicht ernst nähme, hätte er schon längst gesagt: „Ich will, dass das Kind gesund bleibt, also soll er zu Hause bleiben.“ Es wäre so wichtig fürs Kind, dass der Kv als Erwachsener diese Entscheidung fällt. Aber stattdessen hat das Kind das Gefühl, die Entscheidung treffen zu müssen. Zumal er dem Kv nicht traut, dass er sich daran hält, was er ihm für die Zeit in Frankreich zugesagt hat: Keine Leute treffen, unter sich bleiben. „Mama, was mache ich denn, wenn er sich nicht daran hält?!“ bzw. „Mama, wenn er sich daran nicht hält, sieht er mich so schnell nicht wieder.“
Nachdem ich nochmal die Preise für den Flug gecheckt hatte und sie nun fast doppelt so hoch waren wie noch Anfang der Woche, entschied ich: Das Kind bleibt hier.
Aber ich bin es so unendlich leid. Leid, Zeit für diese immer wiederkehrende Kackscheiße zu verwenden. Leid, immer wieder Entscheidungen zu treffen, die eigentlich der Kv treffen müsste. Leid, dass der Kv immer wieder seine Bedürfnisse über alles andere stellt. Leid, dass ich das Kind immer wieder auffangen muss.
6 Gedanken zu „Ich bin es leid“
Der Kv sollte von sich aus sagen, dass es in der aktuellen Situation besser ist, dass das Kind nicht durch Europa reist. OK, mir steht es nicht zu, Kritik zu üben, aber auch ein Vater sollte Verzicht üben, das ist auch Teil der Liebe, die man einem Kind entgegenbringt.
Ja, zumal dieser „Verzicht“ ein Zeichen der Sorge ums Kind wäre. Der unbedingte Wille, das Kind nicht in Gefahr zu bringen und dass er gesund bleibt.
Warum hat der Kv sich nicht um das Ticket gekümmert?
LG, Max
Weil ich das aufenthaltsbestimmungsrecht und alle relevanten Papiere habe.
Außerdem würde er den spätestmöglichen Termin buchen. Darauf will sich das Kind nicht einlassen. Das Vertrauen ist schon lange zerstört.
richtige Entscheidung, einer muss ja erwachsen sein.
Ich hätte den Entschluss nicht zu reisen wahrscheinlich schon eher getroffen.
Da das Kind ursprünglich wollte, bevor die Zahlen so durch die Decke gingen, und ich ja nicht das alleinige Sorgerecht habe, kann ich mich nicht gegen alles stellen. Und ich habe – im Gegensatz zu vielen anderen Alleinerziehenden – schon sehr viel Handlungsspielraum, weil 1000 Kilometer zwischen uns liegen und weil der Kv nicht zahlt.