Finderin

Finderin

Lockdown, Tag 21

Ich komme etwas besser bin den Arbeitsflow. Etwas. Aber es fühlt sich auch komisch an, dass ich nur halbe Tage arbeite – und auch versuche, mich daran zu halten. Zu wirklich viel komme ich in 4,5 Stunden nicht. Immerhin habe ich heute einen Text fertig gemacht.

Als ich den Rechner ausmache, ist mir danach rauszugehen. Ich überlege, ein Stück meines Erbes auszuliefern, aber da kommt der RB nach Hause. Mit Laune. Ich werde mit: „Der Tag kann weg.“ begrüßt. Es stellt sich heraus, dass er auf seinem gerade gelaufenen Weg seine Brille verloren hat.

Ich lasse mir seinen Weg genau beschreiben. Wann ist er auf welcher Seite von welcher Straße gelaufen. Mit Musik auf den Ohren und Maske über Nase und Mund gehe ich los.

Es ist erstaunlich, wie schnell die eine den Fokus verlieren kann, wenn sie sich darauf konzentriert, etwas zu sehen bzw. zu finden. Ich muss ja nicht nur auf dem Boden gucken, sondern auch auf Fenstersimsen, Stromkästen, Zäunen oder wo Menschen gefundene Dinge hinlegen, damit sie wiedergefunden werden. Immer wieder halte ich inne und ermahne mich. Der Weg bis zu dem Punkt, an dem der RB feststellte, dass seine Brille weg ist, ist gut 2 Kilometer lang. Unterwegs komme ich an vielen Geschäften vorbei und ich beschließe, dass ich auf dem Rückweg in diesen Geschäften frage.

Als ich beidrehe, ist es schon ziemlich dunkel. Nach 370 Metern kommt ein kleiner Imbiss. Nein, dort wurde keine Brille abgegeben. 100 Meter weiter ist ein Getränkmarkt. Auch da wurde die Brille nicht abgegeben. Nach weiteren 100 Meter, an einer Kreuzung, halte ich kurz inne und schaue mich intensiv um. Joah, dunkel. Mist. Doch, halt, was ist das?! Auf Augenhöhe gucken mich aus einem Zaun (Foto vergessen, ich werde in die Blogerinnen-Hölle kommen) zwei Gläser an. Zwei Brillengläser einer Brille mit halber Fassung – so einer Brille wie der RB sie hat. Und ja, es ist die Brille vom RB. Ich überlege kurz, ob ich ihm direkt Erfolg vermelde. Aber ich stecke die Brille ein und behalte die freudige Nachricht auf den 900 Metern nach Hause für mich.

Nach einem kurzen foppenden Moment („war nicht so schlau, im Dunkeln suchen zu gehen“) ist die Freude aber sehr groß. Er hat es wirklich nicht erwartet und war schon kurz davor, einen Optikerinnen-Termin zu machen. Ich war mir ja recht sicher, dass ich erfolgreich sein werde – immerhin habe ich ja schon meinen Lieblings-Ohrring mehrfach wiedergefunden. Und der ist deutlich kleiner als eine Brille.

Halber Tritt

Halber Tritt

Lockdown, Tag 20

Uarg, bin ich gerädert. Die Gurkerei gestern war durchaus anstrengend, obwohl der RB wenigstens die Rückfahrt bestritten hat.

Gut, dass diese Woche smooth anfängt. Ich musste noch Urlaub aus 2020 abbauen und habe 4 halbe Tage auf Montag bis Donnerstag gelegt. Freitag ist ja frei (mal sehen ob wirklich). So fange ich die Tage erst um 11h00 an und kann gegen 15h30 den Rechner zuklappen.

Ich komme heute aber nicht in den Tritt. Es wäre schon gut gewesen, wenn ich meiner Mutter vor und/oder über Weihnachten beim Packen geholfen hätte und halt nicht auf dem letzten Drücker. Das Wochenende fehlt mir tatsächlich zum Urlaubsabschluss. Außerdem müsste ich mich dann nicht um die Entrümpelung parallel zum Arbeiten kümmern.

Nun denn, es ist wie es ist.

1.900/6

1.900/6

Lockdown, Tag 19

Mit heute bin ich binnen sechs Tagen rund 1.900 Kilometer gefahren, also an drei Tagen jeweils 600 und ein paar Kilometer – 315 hin und eben wieder zurück. Nicht nur die Pandemie, sondern auch die Situation bei meinen Eltern machten es unmöglich über Nacht zu bleiben. Außerdem war stellte sich ja erst bei Besuch 1 raus, dass 2 nötig sei und bei 2, dass ich noch ein 3. Mal kommen müsste. Heute dann mit dem RB.

Die Wohnung war leerer als vorgestern. Einiges ist gestern schon zusammen mit meinen Eltern umgezogen*. Dennoch ist noch viel da und es musste auch noch einiges verträumt oder entsorgt werden.

Systematisch ging ich Zimmer für Zimmer durch. Der RB entsorgte fleißig. Irgendwann kamen A und J, um 8 Meter Regal mitzunehmen. Sie nahmen auch die Wohnung ob Vermietbarkeit in Augenschein. Der RB und ich nahmen Keller und Garage in Augenschein.

Das ist eine 8“-Diskette

Mein Entrümpelungsunternehmen-Beschluss erhärtete sich.

Kurze Begegnung der absurden Art: Ein irgendwie zur Verwandtschaft gehörender Bekannter** meiner Eltern, ebenfalls mit Schlüssel für die Wohnung ausgestattet, kam vorbei. Da waren der RB und ich gerade an der Garage. So traf er zunächst A und J in der Wohnung an. Uns erst an der Garage. Aus irgendwelchen Gründen stellte er sich vor und fragte: „Was macht ihr denn hier?“ Was ist das für eine absurde Frage? Tja, was machen wir an einem Sonntag inmitten der Pandemie in Bielefeld während meine Eltern schon, aber die meisten Möbel und Kisten noch nicht umgezogen sind?!***

Das Kind war übrigens nicht mit. Der genoss sturmfrei und übte sich in „Kevin allein zu Haus“. Er rief an, als er wach wurde (9h30, da waren wir schon kurz vor Kassel), als er Internet bzw. Freischaltung von Switch und Tablet brauchte, versorgte die Nachbarinnen mit Lorbeerblättern, machte Kassiopeia rechtzeitig an und zockte sich durch den Tag. Abends brauchte er dann aber doch eine Extra-Kuscheleinheit.

Morgen werde ich dann ein paar Dinge anleihern (Entrümpelung, Parkettaufbereitung) und dann wird sich zeigen, wann ich nochmal nach Bielefeld fahren muss.

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* Unterstützt von meinen Brüdern. Ich sage jetzt nichts dazu, wie bekloppt ich es finde, dass der eine aus der Schweiz kommt und vermutlich sämtliche Quarantäneregeln ignorieren wird****.

** angeheiratet

*** Spaziergang im Schneeregen? Uns wundern, dass meine Eltern nicht da sind? Die Wohnung ausräumen?

**** Jaja, ich weiß es nicht.

Lockdown, Tag 18

Lockdown, Tag 18

Nach dem Ritt gestern zu lange geschlafen. Auch der RB hat total verpennt. So sind wir den ganzen Tag nicht richtig in den Tritt gekommen. Es fühlt sich an wie Montag oder Dienstag. Aber es ist halt Samstag. Mal wieder Möbel gerückt. DIY-Salat zum Abendessen. Letzte Staffel Vikings zu Ende geguckt. Boah, war die Staffel zäh.

Morgen dann früh raus, damit wir – der RB und ich – zeitig nach Bielefeld kommen.

Frohes …

Frohes …

… Schaffen.

Als ich am Dienstag von meinen Eltern wegfuhr, war klar: Da ist noch viel zu viel zu tun. Das schafft meine Mutter niemals bis Samstag. Wir vereinbarten, dass ich heute wiederkommen werde. Gut, dass ich Silvester schon immer nicht so wichtig fand. Wir vereinbarten auch, dass es doch ok ist, wenn das Kind mitkäme, um Oma und Opa nochmal* zu sehen.

Also fuhren das Kind und ich heute morgen um 8h00 los und kamen bestens durch. Soo leer habe ich die A5/A7 noch nie erlebt. Zeitweise waren wir das einzige Auto auf der Bahn – inmitten des Winterwinderlands.

Bei meinen Eltern hatte ich den Eindruck, dass seit Dienstag nicht viel passiert ist. Meine Mutter tigerte kopflos durch die Wohnung und war alles andere als strukturiert. Sie war aber auch erstmal nicht zugänglich für Strukturierungsvorschläge und so kümmerte ich mich um die Küche – bis auf Geschirr, das wird vom Umzugsunternehmen verpackt, und Dingen, die meine Eltern noch bis morgen Vormittag brauchen. Dabei sortierte ich sehr kräftig aus**. Trotzdem muss meine Mutter mit ihren Vorräten nach dem Umzug erstmal nicht mehr einkaufen – so für 3-4 Wochen.

Hihi, DAS musste ich dem RB mitbringen.***

Das Kind half hier und da, aber vor allem kümmerte er sich um Opa. Spielte mit ihm Mau-Mau.

Irgendwann ließ meine Mutter zu, dass ich etwas mehr Struktur in das Kistenchaos bringen durfte. Und so wurden auch wieder Wege frei. Uff.

Kurz bevor wir wieder fahren wollten, war klar, dass meine Mutter es nicht mehr schaffen würde, die Wohnung morgen so zu hinterlassen, dass die Möbelpacker ohne weitere Anweisung aktiv sein können. „Sehen wir der Realität ins Auge, H.“, stieg ich direkt ein, „Du wirst bist morgen nicht mehr viel schaffen.“ „Vermutlich nicht“, antwortete meine Mutter etwas kläglich. „Du musst Dich jetzt auf das konzentrieren, was wichtig ist: Du packst noch die Sachen, die morgen unbedingt mitgenommen werden müssen. Und um den Rest kümmer ich mich. Ich komme am Sonntag nochmal her und dann mache ich alles fertig, damit die Möbelpacker problemlos arbeiten können.“ Meine Mutter war zu dem Zeitpunkt schon so durch, dass sie meine klare Ansage widerspruchslos akzeptierte.

Mit gemischten Gefühlen fuhren wir nach Hause:

  • Für das Kind war es schön, Oma und Opa gesehen zu haben. Aber er hat sehr darunter gelitten, sie nicht umarmen zu können.
  • Ich bin etwas genervt, weil meine Mutter mir erst am 27.12. Bescheid gegeben hat, dass sie umziehen. Ich hatte schon in der Woche davor Urlaub und an #NixMas hätte ich auch Kisten packen können.
  • Zwischenzeitlich war ich sehr frustriert darüber, dass meine Eltern nach Lüneburg ziehen. Zum einen, weil es so viel weiter weg ist und zum anderen weil es „feindliches Territorium“ (danke M. für die Beschreibung) ist. Aber ich gönne ihnen den Neuanfang und ich gönne ihnen auch, dass sie nun ganz nah bei einem ihrer Kinder wohnen.
  • Hoffentlich geht morgen alles gut. Hoffentlich übersteht mein Vater die Fahrt gut. (Warum geht auf einmal eine 2-Stunden-Fahrt nach Lüneburg, aber 20 Minuten in die Nachbarstadt zu dem Schlaganfallexperten waren nie möglich.)

Zudem hatten wir Erbstücke Schätze im Gepäck (ein Hoch auf das Auto vom RB):

Ich war durchaus gerührt (und auch ein bisschen versöhnt), dass meine Eltern mir das Besteckset und auch den Schreibtisch (beide von meinem Vater) angeboten haben. Dazu habe ich noch ganz viele Flaschen alkoholische Getränke mitgenommen, die der RB via WhatsApp auswählte.

Die Rückfahrt verlief auch erfreulich unspektakulär – abgesehen davon, dass das Navi ab Kirchheimer Dreieck komische Ideen hatte (via A7 und A66 nach Frankfurt), die sehr zur Belustigung vom Kind und mir beitrugen.

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* Das klingt ein bisschen final. Aber es wird mit dem Umzug und besteheder Pandemie durchaus unmöglich sie zu besuchen, denn: Zum Autofahren ist es für einen Tagestrip zu weit, Übernachtungen**** sind aber – wegen Pandemie – nicht möglich. Zugfahren ginge für einen Tagestrip, aber ich fahre während der Pandemie nicht Zug.

**Aaarghs, ich habe diverse Gewürze und andere Lebensmittel mit schon lange abgelaufenen MHD***** gefunden und entsorgt. Auch unbeschriftete selbstgemachte Marmeladen mussten weg.

*** Der RB kommt aus dem Saarland. Und im Saarland nutzt einen Maggi (flüssig) oder halt Fondor. Und in einem Maggi-Flüssig-Haushalt gibt es kein Fondor und umgekehrt. Der RB kommt aus einem Maggi-Haushalt – findet das Zeug allerdings – glücklicherweise – grauslich.

**** Ich möchte auch nicht in Lüneburg übernachten. Aber dazu haben der RB und ich ja schon eruiert, dass wir dann einen Besuch bei meinen Eltern mit einem Hamburg-Trip verbinden können.

***** Jaha, ich weiß, dass MHD nicht bedeutet, dass das Lebensmittel sofort nicht mehr essbar ist, aber Gewürze schmecken sicherlich nicht mehr so gut, wenn ihr MHD seit 2014 abgelaufen ist und Trockenhefe funktioniert irgendwann auch nicht mehr, wenn sie zu halt ist.

Lichtblicke 2020

Lichtblicke 2020

Was für ein Jahr.
Wow.
Uff.

Gesellschaftlich stehen wir – nicht nur, aber insbesondere – wegen der Covid-19-Pandemie vor großen Herausforderungen. Global, aber auch in Deutschland. Ich spüre, dass ich meinen Optimismus verliere und auf vieles nur noch zynisch reagiere.

Im letzten und vorletzten Jahr habe ich das ganze Jahr als Lichtblick empfunden und habe die Monaten auch unter „negativen“ Aspekten – Verzichtet hätte ich gerne auf – betrachtet. Trotz Pandemie war 2020 für mich persönlich nicht so schlimm, aber so ohne weiter nachzudenken, war dieses Jahr recht eintönig (nur zu Hause). Daher ist es mir wichtig, mich in diesem Jahr wieder auf Lichtblicke zu konzentrieren. Was sich für die ganze Zeit festhalten lässt: Der RB und ich sind zusammen – als Paar – gut durch die Pandemie gekommen.

Januar: Seit dem 1.1. bin ich nicht mehr hauptberuflich selbstständig, sondern wieder festangestellt. (Die zwei wöchtentlichen Präsenztage überzeugen mich noch nicht so.) China mit dem SARS-CoV-2 ist weit weg und so startet das Jahr ohne irgendwelche schlimmen Gedanken. Im Gegenteil ich freue mich auf das, was das Jahr bringen sollte. Ich kümmere mich um neue Brillen, ärgere mich über Hello Fresh. Ich hole das Kind aus Paris ab und dreh die obligate Runde durch Frankreichs Hauptstadt. Ich habe Geburtstag. Schule fängt wieder an. Wir gehen auf ein Konzert. Ich muss zu einem Kundentermin über Nacht. Den Monat beende ich mit einem Konzert.
Lichtblicke: dass beim Kind-Abholen trotz Streik alles geklappt hat, der „Teekocher“ zum Geburtstag, #NazisRaus-Merch

Februar: Zum Halbjahreszeugnis gibt es ein längeres Gespräch mit den Klassenlehrkräften des Kindes. Das hallt noch den ganzen Monat über nach. Der RB und ich lowcarben wieder. Der neue Virus kommt näher und es wird diskutiert, ob er gefährlicher als die Grippe ist. Wir gehen mit S und M essen. (Hihi, sie hat SM gesagt.) Ich bin diesen Monat nicht so ganz fit, also ziemlich k.o. Wir gehen zum Circus FlicFlac und mit der Twittergruppe vegan essen. Das Festangestellten-Dasein pendelt sich ein. Ein wenig hadere ich noch – insbesondere wegen der vielen unnötige Meetings, die mich von Arbeiten abhalten. In Hanau erschießt ein Rassist zehn Menschen. Wir fahren nach Berlin und treffen Menschen aus dem Internet. Danach ist klar: Der Virus ist gefährlich(er als gedacht). Es gilt Abstand zu halten und Hände zu waschen. (Was ich in der AG die den Kindern übe.) Der Monate endet mit einem letzten privaten Termin für dieses Jahr mit vielen Menschen an einem Ort. Wir starten das Projekt Putzhilfe.
Post, der mit wichtig ist: Menschen, keine Tweetvorlagen
Lichtblicke: so viele Leute bestellen #NazisRaus-Merch, Circus FlicFlac, Berlin-Trip

März: Der Monat beginnt mit einer Hochzeit – der Fake-Heirat zwischen dem RB und mir, vollzogen vom Kind. SARS-CoV-2 ist überall auf der Welt angekommen und damit leben wir nun amtlich in einer Pandemie. Ich bin seit Anfang des Monats bereits im HomeOffice, muss aber noch für einen beruflichen Termin an den Flughafen (mit ohne Händeschütteln). Die AG sage ich ab und meine FREItage gehen zunehmend für die Arbeit darauf. Ab dem 18.3. ist das Kind zu Hause. Die Schulen sind geschlossen. Auch der Laden vom RB schließt für den direkten Verkauf (er stellt sich schnell auf digital ein: Online-Shop und virtuelle Tastings). Alle Kontakte werden reduziert und so kommt auch die Putzhilfe nicht mehr. Ich mache erstmals sowas wie einen HamsterPrepperkauf. Das Kind ist im Großen und Ganzen kooperativ beim Lernen in häuslicher Umgebung. Ich komme zu wenig raus und es muss sich alles noch einspielen.
Lichtblicke: Start der #CorotäneKneipe

April: Der Monat plätschert so vor sich hin. HomeOffice und „HomeSchooling“ pendeln sich nur langsam ein und dann sind auch schon Ferien. Wir nutzen, dass Kino nun gestreamt wird und machen einen Kinoabend mit dem Känguru. Die Balkonsaison beginnt mit BalkonOffice und Grillen. Wir machen die erste große Wanderung. Wir fangen an, Masken zu tragen. zum ersten und einzigen Mal während der Pandemie nähe ich selbst Masken. Ich rege mich zunehmend über die Schule und deren Nicht-Kommunikation auf. Auch mit den Lehrkräften rappelt es gewaltig. Aber mach ein Gewitter wirkt reinigend. Noch mehr rege ich mich über die verpasste Digitalisierung auf. Der RB versucht mir die Haar zu schneiden (ich muss nacharbeiten). Nach meinen Urlaubstagen komme ich nur schwer wieder in einen vernünftigen Schalfrhythmus. Auf gewisse Weise zehrt das alles. Aber uns geht es gut. Uns fehlt nix und wir haben genug Platz. Trotzdem balancieren wir immer mal wieder an der Grenze zum Lagerkoller. Das Kind bekommt neue Möbel und wir rücken Möbel in der Wohnung. Für das Kind ist die Schulschließung super und er traut sich, endlich einen Iro stehen zu lassen. Er vermisst nicht die Schule und noch weniger seine Mitschülerinnen. Ab Ende des Monats geht es los mit dem virtuellen Klassenzimmer (das auch nur möglich ist, weil ich es einrichte).
Lichtblicke: Urlaub, die #CorotäneKneipe etabliert sich und findet zweimal pro Woche statt, wir können viel auf dem Balkon sein, Wanderung allein

Mai: Gleich am 1. Mai machen wir eine große Wanderung und das soll der Startschuss für unsere wöchentlichen Wanderungen sein. Der Kv macht zunehmend Druck, dass er das Kind sehen will. Also in Echt. Aber die Pandemie lässt es nicht zu. Das Kind will auch nicht. Wir verbringen weiterhin viel Zeit auf dem Balkon. Ich habe viel zu tun. Für einige Projekte stehen wichtig Deadlines an und es muss einiges weggeschafft werden. Mein FREItag ist nicht mehr existent und mein Überstundenkonto füllt sich. Die Schule geht wieder – im Wechselmodell – los. Das funktioniert gut. Auch das Rugby-Training geht wieder los. Beides tut dem Kind gut. Das restliche Leben öffnet sich ebenfalls wieder und es fühlt sich komisch an. Ich komme nicht umhin zu nutzen, dass ich wieder zum Friseur kann.
Lichtblicke: Wanderungen, Friseur, Schule und Rugby fürs Kind laufen wieder an

Juni: Deutschland ist echt gut durch die erste Welle gekommen. Die Hoffnung ist groß, dass das nicht verspielt wird. (Ich brauche nicht spoilern, denn wir waren ja alle dabei.) Ich habe weiterhin viel zu tun. Sehr viel. Gut, dass die Putzhilfe wieder kommt, zum Putzen kommt hier gerade keine. Wir stornieren den Urlaub in Irland, weil dort alles – richtigerweise – strenger gehandhabt wird als anderswo. Wir überlegen hin und her, aber entscheiden, dass wir raus müssen und buchen für die geplante Urlaubszeit kurzfristig eine Woche Belgien und eine Woche Lothringen. Das Kind hat Geburtstag und wir lassen, weil es ein Sonntag ist, den ganzen Tag zoom laufen und so schauen immer mal wieder Menschen vorbei und gratulieren ihm. Das gefällt ihm sehr. Die Corona-Warn-App geht an den Start. Ich spende erstmals Blut. Die Situation mit dem KV spitzt sich zu. Das Kind will nicht zu ihm fahren. Auch wenn das Kind zur Zeugnisvergabe nochmal kurz hin muss, ist das Schuljahr am 30.6. für ihn zu Ende.
Lichtblicke: Wir wandern weiterhin, das Kind hat einen schönen Geburtstag – trotz aller Widrigkeiten, Frau Rabe kurz gesehen, mit Herrn Fischer im Gadde gegrillt

Juli: Zunächst einmal Endpsurt vor dem dringend benötigten Urlaub. Friseur quetsche ich irgendwie auch noch rein. Ich ärgere mich, dass beim Zeugnis „business as usual“ gemacht wird. Aber freue mich dann nur noch auf den Urlaub. Wir fahren mit gemischten Gefühlen weg: Der Urlaub ist nötig, aber müssen wir wirklich wegfahren? (Retrospektiv: Wir haben einen sehr günstigen Moment erwischt, dank früher hessischer Sommerferien und sehr niedrigen Inzidenzen. Es war okay.) Die Tage am Meer waren toll. Da können wir gerne nochmal hinfahren. (Wobei Belgien recht teuer ist.) Die eine Freundin zu sehen war schön (und) schmerzlich: Unsere Ansichten – allgemein und hinsichtlich der Pandemie – driften zunehmend deutlich auseinander. Lothringen war auch okay, aber nochmal müssen wir nicht dahin. Aber es tat gut, rauszukommen, nicht mehr im eigenen Saft zu schmoren. Auf dem Rückweg fahren wir beim Vater vom RB vorbei. Es eskaliert zwischen dem Kv und dem Kind, da das Kind nicht zu ihm will. Wir starten wieder mit LowCarb. Ich starte wieder in die Arbeit. Das Geburtstagsgeschenk vom Kind wird eingelöst und er darf in einem Sportflogzeug mitfliegen.
Lichtblicke: Urlaub mit vielen schönen Ausflügen, glückliches Kind nach Flug

August: Ein insgesamt schöner Sommermonat – teilweise sehr heiß, was das Arbeiten erschwert. Wir wandern. Ich habe viel zu arbeiten. Wir haben eine Fliegenproblem. Außerdem wohne Franz und Ferdinand im Hof. Wir sind bei anderen Menschen (auf der Terrasse) zu Besuch. Ich ägere mich sehr über die Situation im Schulelternbeirat. Ich gehe mal wieder zu Friseur (kurze Haare wollen alle 6 Wochen geschnitten werden). Nachdem Juni und Juli hinsichtlich der Pandemie wirklich entspannt waren, zeichnet sich nur sehr deutlich der Beginn einer zweiten Welle ab. Die Schule fängt wieder an. Ganz normal. Ich bin zum ersten Mal seit Pandemiebeginn bei einer Ärztin. Ich beschließe nur noch Röcke zu tragen. Am Ende des Monats bin ich krank. In Berlin findet die erste große Demo von Nazis und Coronaleugnerinnen statt.
Post, der mit wichtig ist: Mit beiden Beinen im Leben
Lichtblicke: unsere Wanderungen, Normalität mit Maske, der RB ist sehr bewegungsmotiviert

September: Wir starten mit einem Twitter-Essenstreffen in den Monat. So schön, wieder andere Menschen zu sehen (draußen). Meine Arbeit wird nicht weniger. Ich fahre für einen Tag ins Büro. Das ist zwar unproduktiv wie eh schon, aber halt auch eine Abwechselung – wenn auch komisch, weil so viele im HomeOffice sind. Ich netzwerke und habe im nächsten Jahr eine neue Kollegin. Ich komme ein bisschen mehr aus meiner HomeOffice-Höhle raus. Das ist wichtig. Ich starte das AfghanHueShift-Strickprojekt. Kassiopeia zieht bei uns ein (erfolgreich durch die Twitterkneipe geinfluencet). Das Kind hat gar keinen Kontakt mehr zum Kv. Ich mache meine letzte Steuererklärung für die Freiberuflilchkeit. So rückblickend ist dieser Monat der mit den meisten Fremdbegegnungen während der Pandemie.
Post, der mit wichtig ist: Privilegien
Lichtblicke: so viele Spenden für Nils, viele Menschen gesehen

Oktober: Das Kind übernachtet zum einzigen Mal in diesem Jahr aushäusig. Wir helfen zweimal bei der Weinlese für meine Lieblingsweine. Ich habe weiterhin viel zu tun. Das Kind hat Herbstferien und hat – allen steigenden Zahlen zum Trotz – Boulder-Camp, das ihm viel Spaß macht. Ich war noch einmal im Büro. Der RB hat runden Geburtstag und er freut sich sehr über die Video-Glückwünsche. Ich habe Termine bei Ärztinnen (impfen, HNO, CT). Mein Vater muss wegen Lungenentzündung ins Krankenhaus. Wir treffen uns erstmals mit anderen Menschen zum Wandern. Ich beginne mit der Planung des digitalen BAdventskaffees. Übers virtuelle Dorf bekommen wir die Gelegenheit Äpfel und Walnüsse zu ernten.
Lichtblicke: Weinlese, NMA-Konzert, Apfelernte

November: Ich bin in diesem Monat nicht auf der Höhe. Aber das ist der Monat auch nicht. Es gibt „Lockdown light“ und es ist eigentlich ziemlich klar, dass das nicht das bringen wird, was sich damit erhofft wird. Nach über zwei Monaten ohne Kontakt zum Kv nimmt das Kind den Faden wieder auf – ganz rund läuft es nicht. Ich komme endlich auf die schlaue Idee, meinen Blog-Umzug in professionelle Hände zu geben und auf einmal geht alles ganz schnell. Das Kind kränkelt ein wenig vor sich hin und geht ein paar Tage nicht in die Schule. Das ist zwar richtig so, aber tut mir nicht gut. Joe Biden gewinnt die US-Wahl. Die Corona-Leugnerinnen drehen weiter frei. Wir wandern „schon wieder“ mit anderen Menschen. Ich besorge mir einen richtigen Schreibtisch (der erstmal sehr prominent im Wohnzimmer steht). Ich merke zunehmend, dass ich nicht mehr kann, wie ich will. Zum Glück gestehe ich mir irgendwann auch ein, dass ich auch nicht wollen muss, sondern einfach nicht mehr kann. Die Woche Krankschreibung war richtig und gut. In der Schule eskaliert es auch und ich habe ein langes Gespräch mit der einen Klassenlehrkraft. Wir fassen einen #NixMas-Beschluss und ich starte in den alljährlichen Backwahn. Am Ende des Monats schneit es sogar.
Lichtblicke: Blog-Umzug, Wanderung alleine, ärztlich verordnete Auszeit, Schnee

Dezember: Arbeit, Arbeit. Und Keksbacken. Und viele Kekspäckchen packen. Der „Lockdown Light“ hat nicht viel genützt. Die Zahlen steigen zwar nicht mehr exponetiell, aber die Zahl der Toten steigt. Das ist alles nicht schön. Freundin A infiziert sich mit Covid-19 und ich mache für sie einen Quarantäne-Einkauf. Es zeichnet sich ab, dass es wieder einen Lockdown geben muss – mit vorgezogenen bzw. verlängerten Winterferien (nicht in Hessen, aber wir fangen eh früh mit den Ferien an und haben drei Wochen), dennoch ist das Kind drei Tag vor offiziellem Ferienbeginn zu Hause. Der digitale BAdventskaffee funktioniert super. Ich komme extrem wenig raus und wandern fällt an zwei Wochenenden aus. Die Woche, in der mein Urlaub startet, verlangt nochmal viel. Der RB hat Weihnachtsgeschäft und so kommen wir zu nichts – noch nicht einmal zum Kochen. Unsere #NixMas-Gestaltung gefällt uns allen sehr gut und nimmt viel Druck und Stress raus – insbesondere auch, dass das Kind die vielen Geschenke nicht auf einmal bekommt. Wir gestalten das Arbeits- zum Herrenzimmer um und auch das Wohnzimmer wird umgestellt. Ich ärgere mich über die Heizung. Eve zieht bei uns ein (noch so ein Twitterkneipen-Influence-Ding). Ich färbe mir, weil ich nicht mehr zu Friseur kann, die Haar schwarz. Wir haben zwei Outdoor-Dates und ich fahre sehr spontan zu meinen Eltern.
Post, der mit wichtig ist: Kein Allheilmittel
Lichtblicke: digitaler Badventskaffee, wir können „problemlos“ Essen bestellen, meine Eltern doch noch gesehen

Es geht ein Jahr zu Ende, in dem

  • es normal wurde, Maske zu tragen,
  • ich viel zu wenig Menschen umarmt habe,
  • auf einmal vieles virtuell möglich war – eigentlich alles außer Tiernahrung Schule,
  • ich nicht einmal im Museum war,
  • das Kind das Bouldern für sich entdeckte,
  • wir Hessen vorranig zu Fuß erkundeten,
  • wir viele Serien schauten,
  • ich als Elternbeirätin viel zu tun hatte,
  • die Twitterkneipe zu einer festen Institution wurde und uns allen die Pandemie etwas leichter macht(e),
  • wir sehr gut gegessen haben – sowohl aushäusig als auch selbst gekocht,
  • wir zwei richtige Arbeitsplätze in der Wohung eingerichtet haben,
  • das Kind immer mal wieder pubertäre Anflüge hatte,
  • ich wieder festangestellt arbeitete (und diese Entscheidung genau richtig war),
  • uns Konzerte sehr fehlten,
  • wir viel über die Menschheit und deren Abgründe lernen durften und mussten,
  • sich – leider – zeigte, dass nicht alle Menschen mit Eigenverantwortung umgehen können und/oder solidarisch leben wollen,
  • viele, viele Menschen im Mittelmeer ertrunken sind oder in Camps IN EUROPA unter allerschlimmsten Bedingungen vegetieren müssen,
  • Faschismus und Rassismus noch ein Stück weiter in die Gesellschaft gedrungen sind (überall in Europa),
  • sich zeigte, dass Gleichberechtigung nur leidlich funktioniert,
  • die Wissenschaft wahnsinnige Leistungen vollbracht hat,
  • Kommunikation wichtiger denn je war,
  • der Föderalismus keinen Sinn machte,
  • sich alle Fehler und Versäumnisse im Schulsystem mit geballte Macht offenbarten,
  • dem wir – der RB, das Kind und ich – gesund geblieben sind und zum Glück auch die meisten andere Menschen, die uns lieb und wichtig sind.

2021 wird uns nochmal viel abverlangen, da brauchen wir uns nichts vormachen. 2020 ist vielleicht vorbei, aber die Pandemie noch lange nicht. Daher wünsche ich allen:

Durchhaltevermögen, Geduld, Mut, Resilienz, Menschen, die Halt geben, Gesundheit.

2020-F&A

2020-F&A

Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Für mich ganz persönlich: 8.

Zugenommen oder abgenommen?
Zu- und abgenommen.

Haare länger oder kürzer?
Weder noch.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Nicht kurzsichtiger, dafür bräuchte ich eine Lese- bzw. Gleitsichtbrille. Eventuell. Irgendwann.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger.

Der hirnrissigste Plan?
Gefühlt: im Sommer in den Urlaub zu fahren.

Die gefährlichste Unternehmung?
Ich neige immer noch nicht zu gefährlichen Unternehmungen.

Der beste Sex?
Gab es dieses Jahr auch.

Die teuerste Anschaffung?
Neue Bezüge für Sofa und Sessel.

Das leckerste Essen?
Wir haben uns viel gutes Essen gegönnt.

Das beeindruckenste Buch?
Ich habe die Inselbuchhandlungs-Reihe von Julie Peters verschlungen.
Damit ließ sich toll eskapieren.

Der ergreifendste Film?
Systemsprenger.

Die beste CD?
Von den neuen keine. Ich habe viel in „alter“ Musik geschwelgt.

Das schönste Konzert?
40 Years of NMA.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
… mir, Arbeit, dem RB und dem Kind.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
… dem RB und dem Kind.

Vorherrschendes Gefühl 2020?
Wir kommen da schon irgendwie durch.

2020 zum ersten Mal getan?
Eine Pandemie miterlebt.
Regelmäßig Mund-Naschen-Schutze getragen.
Homeschooling Lernen in häuslicher Umgebung begleitet.

2020 nach langer Zeit wieder getan?
Berlin besucht (das klingt wie aus einem anderen Leben).

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
– Pandemie
– Pandemie-Leugnerinnen, /-ignorantinnen
– Dass wir meine Eltern nicht sehen konnten

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
#NazisRaus

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Flug für das Kind.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Der „Teekocher“.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Danke für das Einrichten der Twitterkneipe.“

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Das mögen bitte andere beurteilen.

Mehr Kohle oder weniger?
Mehr.

Besseren Job oder schlechteren?
Weder noch. Nur nicht mehr selbstständig.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Erfahrungen und Erkenntnisse, neue Freundinnen.

Mehr bewegt oder weniger?
Ich habe einiges in Bewegung gebracht – insbesondere fürs Kind.
Ansonsten haben wir uns ab Mai viel und v.a. regelmäßig bewegt.

Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Erfreulicherweise nichts Ernstes.

Davon war für Dich die Schlimmste?
Nichts.

Dein Wort des Jahres?
Antifa.

Dein Unwort des Jahres?
Eigenverantwortung und Lockerungen.

Dein Lieblingsblog des Jahres?
Ich habe immer noch keinen Lieblingsblog.

2020 war mit einem Wort…?
Interessant*.

Dein grösster Wunsch fürs kommende Jahr?
Vermutlich würden jetz viele „Impfung“ sagen. Ich bin mir nicht sicher, ob das MEIN größer Wunsch ist (auch wenn ich mich sicher impfen lassen werden). Wobei mein Wunsch indirekt damit zusammenhängt: Wieder auf ein Konzert gehen.

2019.

—————————–
* gut, spannend und ermüdend

Aufräumkommando

Aufräumkommando

#ClosedAdvent (29) // Lockdown, Tag 14

Was für ein Mist: Trotz früh im Bett konnte ich bis 3h00 nicht richtig einschlafen. Mir schwante schon Schlimmes für den heutigen Tag, denn der Wecker ging um 6h20. Ich war erstaunlich fit, saß um 7h20 im Auto und war nach unspektakulärer Fahrt um 10h25 bei meinen Eltern.

Kurzes Hallo, keine Umarmung, Maske. Ich verschwand im Arbeitszimmer, packte Kisten, rangierte Möbel und fand Dinge* wieder:

Am Ende des Tages war das Zimmer soweit geordnet, dass die Möbelpacker problemlos alles rausräumen können, was sie rausräumen sollen.

Am Anfang hätte ich gerne einfach eine Mulde gehabt, um Dinge, insbesondere Papier, wegzuschmeißen. Ich habe gefühlt tausend Standordner in der Hand gehabt und davon wenigstens die Hälfte geleert. Ich habe noch mehr Bücher in der Hand gehabt, die teilweise älter als ich sind. Alle Fachbücher meiner Eltern werden erstmal eingelagert. Was nicht eingelagert wird, sind die Bücher meines Vaters, also Bücher, die er geschrieben oder herausgegeben hat oder ein Kapitel beigetragen hat. Und uff, schon bei der Dissertationsschrift hatte ich einen Kloß im Hals und ein Tränchen im Auge. Aber bei einem anderen Buch – ich musste gucken, ob er einen Beitrag darin hatte – hat es mich zerrissen:

aus: Thomas Eckert (Hrsg.). Übergänge im Bildungswesen. Waxmann, 2007

Mein Vater ist Erziehungswissenschaftler und brannte für die Themen Lernchancen und Interessenforschung. Gerade auch welchen Beitrag die schulische Bildung auf das MINT-Interesse hat. Wobei er eigentlich eher den M-I-T-Part betrachtete. Zu den „klassischen“ Naturwissenschaften Biologie und Chemie (und Ableger) hatte er keinen direkten Draht. Aber er fand es sehr faszinierend, dass ich Biochemie studiert habe – obwohl ich Chemie ganz bewusst zur Oberstufe hin abgewählt hatte. Er hat mein Studium sehr interessiert verfolgt und wollte damals auch unbedingt meine Diplomarbeit lesen, obwohl er nichts davon verstanden hat.
Daher kann ich diesen Text durchaus als Widmung an mich verstehen. Und da musste ich zwischen all den Kisten und Regalen sehr weinen. Weinen, weil mir (mal wieder) bewusst wurde, wie sehr mein Vater mich liebt und wie sehr er meinen eigenen Weg gutheißt. Aber ich musste auch weinen, weil mit auf einmal sehr heftig und schmerzlich bewusst wurde, dass all sein Wissen, seine Leidenschaft für seine Themen diesem verfickten Schlaganfall zum Opfer gefallen ist. Dass das alles – ganz realistisch – nie wiederkommen wird. Dass er seine Arbeit nicht beenden durfte. (Und während ich das so schreibe, meldet sich in mir wieder der Wunsch, Pädagogik zu studieren. Ja, auch mit dem Gadanken, das Erbe meines Vaters fortzusetzen.)

Ein Glück, dass ich alleine im Arbeitszimmer werkelte, damit wir so viel Abstand wie möglich zueinander einhalten können. So musste ich mit meiner Mutter nicht über meine Tränen sprechen. Außerdem war ich so schon ausgeweint, als sie in einer Unterhaltung über die vielen einzulagernden Bücher sagte: „Weißt du, B., das kann ich nicht so einfach entsorgen. Das ist unser Leben.“

Als ich mit dem Arbeitszimmer fertig war, begingen wir noch ich noch die Garage und den Keller des Grauens. Ich werde mich um die Leerung dieser beiden Räume kümmern, wenn meine Eltern ausgezogen sind und das Umzugsunternehmen da war. Außerdem werde ich am 1.1. nochmal hinfahren** und meiner Mutter dabei helfen, den Rest der Wohnung so zu sortieren, dass das Umzugsunternehmen auch ohne ihr Beisein agieren kann.

Dann fuhr ich nach Hause, was trotz dem kurzen Schlaf und dem vielen Werkeln recht gut ging. Wohlbehalten kam ich um 15 Stunden nach Abfahrt wieder zu Hause an. Da war es ganz schön, mit der Twitterkneipe runterzukommen***, zu quatschen und zu lachen.

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* Auch ein Eisernes Kreuz von 1939, dessen originäre Besitzer sicherlich nicht mein Vater ist und ich noch eruieren muss, warum er es hat.

** Dann wird auch das Kind mitkommen, damit er Oma und Opa nochmal sieht, bevor es nach dem Umzug noch schwerer wird.

*** Wo sie mich doch eh schon über Tag „begleiten“ mussten durften.

Wander … -Montag

Wander … -Montag

#ClosedAdvent (28) // Lockdown, Tag 13

Heute klingelte schon wieder der Wecker, denn schon wieder waren wir verabredet. Diesmal zu einer Wanderung mit einer Twitterkneipistin und ihrem Nachwuchs. Im Marburger Hinterland, sodass wir eine Stunde Anfahrt einrechnen mussten. Und weil noch Winter ist, durften wir ja auch nicht zu spät los, damit es nicht wieder eine Nachtwanderung wurde.

So sehr ich auch unsere Wanderungen allein, also zu dritt, mag, so schön ist es auch, Begleitung zu haben. Und für das Kind war es richtig „cool“, dass noch ein anderes Kind dabei war. Eines in seinem Alter und mit dem er sich direkt gut verstand.

Auf dem Rückweg klärte sich dann auch, dass ich doch – meine Mutter machte gestern kurz einen Rückzieher – zu meinen Eltern fahren würde. Und so ging ich tatsächlich VOR Mitternacht ins Bett.

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* Ich hatte die Maronen in Eve kurz** vor der Abfahrt nach Anleitung von Frau Wunnibar gemacht und dann in eine Thermostüte mit einer Wärmflasche drin transportiert.

** Eingeschnitten und gewässert hatte ich sie schon gestern Abend und vor dem Schlafengehen noch feucht in einen Gefrierbeutel gepackt.

#NixMas-Ende

#NixMas-Ende

#ClosedAdvent (27) // Lockdown, Tag 12

Ouzo- und weinseelig hatten wir uns gestern Abend zu einem Spaziergang für heute verabredet.

Um 11h00.

Uiuiui, das bedeutete Wecker stellen. Am Sonntag.

Zu fünft drehten wir eine gemütliche Runde durch den Stadtwald. Ausgangs- und Endpunkt: der neue Goetheturm.

Ich find ihn ja ganz hübsch

Den Rest des Tages verbrachte der RB nach dem Motto:

Er schlief nach dem Spaziergang, stand kurz auf, um Waffeln* zu essen, legte sich dann wieder hin und stand erst wieder auf, um Burger zu braten und zu essen.

Moah, der Trüffel-Salsiccia-Burger** war sooo lecker

Nun ist die #NixMas-Schlemmerei aus.

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* Dabei rief meine Mutter an und verkündete, dass sie – also meine Eltern – nun sehr schnell umziehen werden. Und weil das alles so holterdipolter geht, werde ich zum Packen helfen hinfahren. Am Dienstag. Voraussichtlich.

** Trüffel-Salsiccia mit Rinderhack 1:1 gemischt, zu 200-g-Patties geformt und von Herrn Weber (und dem RB) perfekt gebraten.