Abschottung, Tag 8

Abschottung, Tag 8

Kein so runder Tag. Lag auch daran, dass ich zu lange geschlafen habe. Das Kind hing den ganzen Tag an irgendeinem Bildschirm. Ich war kurz draußen, um einzukaufen. Die meisten Leute sind entspannt, aber vorsichtig. Ein paar wirken panisch und ich frage mich, warum sie rausgehen. Andere sind mir zu sorglos. Über allem schwebt die drohende Ausgangssperre.

Von der gestrigen RingFit-Sporteinheit habe ich tatsächlich Muskelkater.

Das Angrillen vor ein paar Tagen hat gezeigt, dass Herr Weber nach fast 5 Jahren in dieser Familie ein Lifting braucht: Heute kamen neue Grillroste. Bald hoffentlich auch neue Aromaschienen.

Zeiten wie diese verlangen nach Soulfood. Und auch wenn es sich falsch anfühlt, so viel vor Ostern Grie Soß zu essen. Aber Grie Soß macht vieles besser.

Der Abend endete mit einer Standpauke ans Kind. Es ging um Grundlegendes. Nichts, das speziell mit der Abschottung zu tun hat. Durch diese höchstens verstärkt wird.

Okay, der Abend fürs Kind endete mit einer Standpauke. Der Abend für den RB und mich endete mit Picard, Cloé und für Scott mit einem Pussyhat.

Kinderquatsch(en) II

Kinderquatsch(en) II

Der vorherige Blogpost beinhaltet nur Informationen für Eltern, dernen Kind(er) sich morgen zum Quatschen via zoom treffen wollen.

Daher gebe ich das PW auch nur an die raus, die Kinder haben und die sich vorstellen können mitzumachen.

Abschottung, Tag 7

Abschottung, Tag 7

Ich muss andere Routinen finden. Ich hänge zu sehr an Rechnern. Wahlweise am Arbeits- oder Privatrechner. Möglicherweise war „alles“ besser, als ich nur einen Rechner nutzte. Möglicherweise muss ich mich auch „nur“ mehr disziplinieren.

Vielleicht Vermutlich muss ich auch einfach akzeptieren, dass HomeOffice mit Kind halt doch anderes ist als normales HomeOffice.

Ich war heute nicht draußen. Das war auch nicht gut. Wenigstens war das Kind draußen. Eine Runde mit dem Roller durchs Viertel. Ich weiß, dass ich mich darauf verlassen kann, dass er bei keinem klingelt oder gar irgendwen ableckt.

Zwei Wochenaufgaben konnten wir bereits den Lehrkräften schicken. Bei einem Fach wird alles gebündelt am Ende der Zeit eingesammelt, wenn sie wieder in der Schule sind. Ein Fach steht noch aus.

Ich merke, dass es mir leichter fällt, mit meinen SocialMedia-affinen Freundinnen Kontakt zu halten.

Wirklich widerlich finde ich die Menschen, die die aktuelle Situation ausnutzen. Sich als GesundheitsamtFeuerwehrSonstigeInstanz ausgeben, um verunsicherte Menschen auszunutzen. Wo kommt so viel Böses im Menschen her?

Böse, naja, vielleicht auch einfach nur grundunzufrieden mit dem eigenen Leben, sind auch die Menschen, die andere Mitmenschen fragen, ob sie den Arsch offen hätten, nur weil sie ihr kleines Geschäft – unter deutlich verschärften Hygieneauflagen – weiterhin offen haben. Ich habe viel Verständnis für Angst und Unsicherheit in der aktuellen Situation, aber das ist kein Grund Leute, die eine auch noch persönlich kennt, so anzugehen.

Am Abend ist wieder Twitter-Kneipe und passend dazu wird der RB aus der potentiellen RL-Stamm-Kneipe Essen besorgen (Ausgabe übers Fenster und nur nach Vorbestellung).

In diesem Sinne:

Bleibt zu Hause,
wascht Euch regelmäßig die Hände (singt dazu, was ihr wollt, Hauptsache 30 Sekunden),
leckt die Nachbarin nicht ab (außer sie ist ein Primärkontakt).

Abschottung, Tag 6

Abschottung, Tag 6

Das Kind ist weiterhin kooperativ und macht seine Aufgaben. Er kommt gut zurecht und der Plan hilft.

Ich habe viel zu tun und das ist auch gut so. Aber ich muss auch raus. Sonst ist das mit dem Denken nicht ganz so einfach.

Einkauf mit Einmalandschuhen gemacht.

Die Ausgangssperre wird kommen. Die Menschen können und wollen nicht vernüftig sein. (Also einige schon, aber gefühlt die Mehrheit nicht.)

Der RB bereitet sich darauf vor, agiert sehr vorausschauend und umsichtigt. ABER es ist halt auch sein Einkommen. Von jetzt auch gleich dicht zu machen, kann eine wirklich von keiner verlagen in einer solchen Situation. Und mal ehrlich: In seinem Laden ist es sicherlich hygienischer als in den meisten Supermärkten.

Ich mag das virtuelle Zusammenrücken. Physical distancing eben, NICHT social!

Abschottung, Tag 5

Abschottung, Tag 5

Seit gestern beschäftigt mich die Frage: Wer war der Klopapierhamster Null?

Ansonsten: Kacknacht gehabt und um 9h00 direkt eine Telko. Das war nicht so gut fürs Gemüt. Der Tag war zäh. Ich ungeduldig und für mein Empfinden zu unproduktiv.

Mich gefreut, dass sich unser Putzmensch darüber freut, dass er auch ohne Dienste Stunden abrechnen darf. Das ist das Mindeste, was ich tun kann.

Auch über eine unerwartete Nachricht hab ich mich sehr gefreut.

Gegen den sich anbahnenden Lagerkoller ging ich kurz einkaufen. Klopapier und Waschmittel sind Mangelware. Ich bin tatsächlich froh, beides vergangene Woche sukzessive gekauft zu haben. 4 Liter Milch sind auf den ersten Blick viel. Reichen hier aber meist nur 2-3 Tage.

Mit meinen Eltern geskypet. Das müssen wir öfter machen. Aber auch meine Mutter aufgefordert, sich zu melden.

Abends dem Drang widerstanden, mich zu früh hinzulegen. Stattdessen Essen gekocht. Das Normal hat ja auch was Beruhigendes.

Abschottung, Tag 4

Abschottung, Tag 4

Ist es das, was das Kind braucht?! Ganz klare Strukturen?? Seit ca. 8h00 war er vermutlich wach, schaffte es aber sich erstmal selbst zu beschäftigen. Gegen 8h30 kam er zu mir. Um 8h45 klingelte mein Wecker. Ich wurde langsam wach. Das Kind war hochmotiviert und hatte schon Rührei vorbereitet. Während ich aufstand, hörte ich wie er die Kaffeebohnen für den RB mahlte. Er war ganz aufgeregt. Gegen 9h30 saß ich am Tisch und guckte kurz in den Arbeitsrechner. Das Kind rührte Rührei und sah seinen Zeitplan schon am ersten Tag an die Wand fahren. Sollte er doch von 10-12 Uhr Englischaufgaben bearbeiten.

Um 9h45 saßen dann alle am Frühstückstisch und um 10h05 saß das Kind am Schreibtisch. Ich saß am Rechner. Der RB auch. Ich arbeitete Dinge ab. Das Kind lernte, wie er mit einem Wörterbuch umgeht. Ich hoffe, dass das Kind am Ende dieser Zeit nochmal einen deutlichen Schub in Richtung Selbstlernen und Selbstorganisation gemacht haben wird.

Ich arbeitete weiter. Der RB fuhr in den Landen. Das Kind hielt sich recht penibel an seinen Zeitplan. „Gestört“ wurde er nur von seinem Termin beim Kieferorthopäden, den wir nicht im Zeitraster bedacht hatten. Zum Glück ist das Kind (noch) flexibel genug und der Termin dauert auch nur 30 Minuten (also von Losgehen bis Wiederkommen). Dann folgte er weiter seinem Plan und ich arbeitete immer noch.

Um 17h30 ging nichts mehr bei mir. Der Stecker war gezogen (vermutlich eine Mischung aus nicht ganz so gutem und ganz ausreichendem Nachtschlaf + zu wenig getrunken). Ich legte mich auf den Fakir und war binnen Sekunden eingeschlafen. Um 18h30 wurde ich wieder wach und um 19h00 kochte für das Kind und mich. Das Essen war zwar vor 20h00 fertig, aber halt so knapp, dass ich die Twitterkneipe kauend öffnen musste. Aber so ist das halt in der Kneipe: Die einen essen, die anderen trinken, weitere rauchen. Die Leute kommen und gehen. Es ist unterhaltsam, es ist wunderbar durchmischt.

Voll besetzte Twitterkneipe

Ach, danke, ihr Lieben, die ihr dabei wart, für den schönen Abend. Das machen wir jetzt öfter, damit uns die Abschottung nicht so sehr entsozialisiert. Ich freue mich schon aufs nächste Mal!

Abschottung, Tag 3

Abschottung, Tag 3

Wir proben den Aufstand… äh Alltag. Zumindest ein Anfang. Das Kind musste nochmal zur Schule, um Arbeitsblätter zu holen. So ganz erschließt sich mir die Aktion, denn am Abend gab es e-Mails, dass ab morgen Aufgaben über die Schulwebseite zur Verfügung stehen.

Nachdem ich Donnerstag bei einem Workshop war und Freitag frei hatte, musste ich heute erstmal wieder reinkommen. Texte hier, Telefonate da. Und während die Kolleginnen sich fürs HomeOffice präparierten, hatte ich einen Kollegen in einer Telko, der dringend total verrotzt im Büro rumspuken musste. Auf dem Weg zum Arzt. Mir sind die Augen aus dem Kopf gerollt.

Das Kind kümmerte sich um sein kaputtes Tablett, suchte seinen Schlüssel, vergnügte sich an „seinem“ Laptop, skypte mit dem Kv, machte Mathe.

Der RB arbeitete mir gegenüber, haderte mit seiner Vernunft, machte Besorgungen und grillte an.

Ich diskutierte Unsinniges auf WA. Das Kind schnibbelte von selbst und eigenständig Salat.

Gegrilltes und Salat

Dann machte ich mit dem Kind einen Plan für diese Woche. Ich hatte das Zeitrasta vorbereitet und er durfte sagen, was er wann machen will.

Ich hoffe, dass das alles so klappt.

Er war recht motiviert dabei. Sieht ein, dass er was machen muss – zumal die Aufgaben per Bild an die Lehrerinnen geschickt werden müssen.

Es wird schon irgendwie werden.

Ein kleiner Schmunzeler zu Abschluss: Weil Klopapier dieser Tage Goldwerte erreicht, wird bei uns eine güldene Rolle mit weißem Gold getrocknet.

Ein Sinnbild.

Die genaue Geschichte zum Bild kennt nur der RB und ich fürchte, er wird sie mit in die Badewanne ins Grab nehmen.

Abschottung, Tag 2

Abschottung, Tag 2

Weil ich die gestrige Online-Kneipe so toll fand, habe ich sie nun auch einigen Tweeps „angedreht“ – falls irgendwer interessiert ist, kommentiere hier oder per e-Mail oder via Twitter oder macht Rauchzeichen, dann schicke ich gerne den Link zur Twitterkneipe.

Ansonsten hatte ich heute Mittag zunächst einmal Stress, um alle Eltern der Klasse einzufangen und schrieb e-Mails und viele WAs… Was macht eine nicht alles als Elternbeirätin, damit alle Kinder morgen um 10h00 nochmal in der Schule antreten, um sich die Aufgaben für die nächsten drei Wochen abzuholen.

Danach bekam ich Wut. Der RB musst noch was im Laden organisieren. Das Kind fuhr mit*. Und ich musste mich bewegen und beschloss zu Fuß hinzulaufen. Boah, ey, Menschen sind echt doof. Ja, klar, wir dürfen noch (!) raus. Aber irgendwie Abstand zueinander wäre ja doch mehr als schlau. Doch die Menschen sind nicht schlau. Nein, gar nicht:

  • Am Hafenpark trafen sich die Leute, spielten Basketball.
  • In den Cafés saßen die Menschen dicht an dicht.
  • Ungehemmt wurde sich zur Begrüßung umarmt oder auch die Hand gegeben.

Was glauben die?! Was wollen die erreichen?

Am Ende der 7,65 Kilometer war ich echt aggressiv und sicher:

Daraus ergab sich dann die profane Frage:

Und mein Glauben an die Menschheit im Allgemeinen hat heute sehr gelitten**.

Sehr.

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* War ja keiner da.

** Dazu hat auch nich beigetragen, dass eine Person mich aufgrund meines Nachsatzes in die rechte Ecke stellen wollte bzw. da sieht. Augenarzt hilft da wohl auch nicht.

Abschottung, Tag 1

Abschottung, Tag 1

Das Kind wäre heute eigentlich zu einem Geburtstag eingeladen gewesen. Aber der wurde abgesagt. Blöd, aber richtig. Das Kind war verständlicherweise sehr enttäuscht. Auf der einen Seite.

Auf der anderen Seite machte es ihm sehr deutlich, wie ernst die Lage ist. Und ich werde auch nicht müde, ihn darauf hinzuweisen. Gleichzeitig muss ich aber aufpassen, dass er nicht dystopisch wird. Er hat da einen Hang zu. Zudem ist die Situation total neu: Keine Schule. Kein Training. Neuer Alltag. Was passiert mit uns. Was passiert mit denen, die wir lieben? Was passiert mit der Welt?

Er ist verunsichert und hat Angst. Alles ganz normal. Ich nehme das ernst, aber dennoch muss ich dagegensteuern. Fast mantraartig: Seit Stunden (und werde es wohl noch weiter tun) sage ich, dass wir alle die Situation nicht kennen, dass sie für uns alle neu ist. Dass wir das Beste daraus machen müssen, dass Angst verständlich ist, aber die falsche Ratgeberin ist. Ich erkläre ihm, warum es wichtig ist, sich jetzt in die Abschottung zu begeben*.

Das versteht er.

Deutlich besser als viele Erwachsene.

Dennoch ist das doof, unheimlich, bedrohlich.

Ich bleibe zuversichtlich.

Befeuert wurde meine Zuversicht am Abend: Eine Freundin hatte zur Online-Kneipe eingeladen und ein paar Leute** folgten und es war ein super. Wir unterhielten uns über dies und das. Wir tranken „miteinander“. Die einen aßen, die anderen gingen rauchen – wie so in Echt. Zum Schluss waren dann 4 Stunden wie im Flug vergangen und es zeigte sich:

Hey, physical distancing ist eben NICHT social distancing.

Es ist vieles möglich. Wir müssen nun einfach anders, neu denken. Lasst uns das Beste daraus machen.

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* Nein, es ist keine Quarantäne, denn hier ist (noch) keine positiv getestet. Und nein, es ist auch keine Isolation (was mehr oder weniger ja Quarantäne ist), denn wir dürfen weiterhin nach draußen, wir dürfen zusammen in der Wohnung bleiben und Einkaufen ist auch noch ok. Wir müssen erstmal nur unsere persönlichen, also physischen Kontakte auf ein unausweichliches Minimum reduzieren.

** Ein bisschen lustig war es durchaus, dass auch die Ex vom RB dabei war, die nicht sonderlich gut auf mich zu sprechen war(?) … ist(?). Aber weder sie noch ich wussten, dass wir uns auf diesem Weg begegnen würden. Aber schmunzeln musste ich schon.