Erst die Arbeit, dann … die Care-Arbeit

Erst die Arbeit, dann … die Care-Arbeit

Gestern wurde ich auf einen SZ-Artikel zum Thema HomeOffice aufmerksam. Huch. Tja.

Ich fange mal beim Text selbst an:

  • Das Bild geht gar nicht. Bei wem HomeOffice so aussieht, macht meiner Meinung nach was falsch. Aber dazu später mehr.
  • „Beruf und Familie zu vereinbaren, wird für Millionen Deutsche zur Herausforderung, seit Mütter arbeiten gehen.“
    Dieser Satz ist eine Unverschämtheit, denn er suggeriert, dass die Herausforderungen bei der Vereinbarung alleinig daher rühren, dass Mütter arbeiten gehen (von Wollen vs. Müssen will ich gar nicht erst anfangen).
  • Das Beispiel mit der Ärztin hinkt (zudem ist es aus der Studie „geklaut“), denn als Ärztin ist HomeOffice wahrlich nicht so einfach. Insbesondere wenn sie praktisch (also niedergelassen oder in der Klinik) arbeitet. Und selbst wenn die Praxis in dem Haus ist, ist das nun doch nicht HomeOffice (zumal sich wohl jede Ärztin dreimal überlegt, ob sie ihr Kind mit in (ihre) Praxis schleppt).
  • „Beruf und Familie zu vereinbaren, wird für Millionen Deutsche zur Herausforderung, seit oft beide Eltern arbeiten gehen.“
    Ach, der Satz geht auch in etwas neutraler. Tjanun, ist nur nicht so ein plakativer Einstieg.
  • „Homeoffice und flexibles Arbeiten gelten als Abhilfe: Wer den Weg ins Büro spart und den Tag frei einteilen kann, bringt Kinder und Karriere leichter unter einen Hut.“
    Wenn ich bedenke, was manche Menschen täglich an Weg zur und von der Arbeit absolvieren, bringt das nicht nur „Kinder und Karriere“, sondern generell mal „Leben und Karriere“ unter einen Hut.
  • „Homeoffice ermöglicht Müttern, sich jede Woche drei Stunden mehr um ihre Kinder zu kümmern.“
    Ganz einfache Rechnung: Wenn ich nicht mehr 1,5 Stunden pro Weg tote Zeit habe, kann ich die ins Kind investieren. Und wenn ich zu Hause arbeite, kann ich auch früher anfangen und habe effektiv mehr vom Tag.
  • „Sie [die Studie] zeigt aber auch: Flexibles Arbeiten zementiert traditionelle Rollen von Mann und Frau.“
    Dieser Schluss ist an dieser Stelle nicht offensichtlich. Ist mir auch zu einfach. Aber auf die Studie gehe ich später noch ein.
  • „Denn Väter nutzen Homeoffice ganz anders: Sie machen im Durchschnitt einfach zwei Überstunden mehr die Woche als Kollegen, nehmen sich aber nicht mehr Zeit für die Kinder.“
    Ah, hier kommt die vermeintliche Erklärung für den Satz davor. Da ist bei mir eine Werbung zwischen, wodurch natürlich der vorherige Satz erstmal prima wirken kann.
    Ich stehe Überstunden ja kritisch gegenüber. Insbesondere, wenn sie sich kurz- bis mittelfristig nicht ausgleichen. Dann hat eine nämlich grundlegend zu viel zu tun.
  • „Sie [die Mütter] sind doppelt belastet und bleiben mit dem Stress allein.“
    Das liegt aber nicht am HomeOffice, sondern daran, dass da etwas grundlegend ungleich verteilt ist bei diesen Frauen und ihren Partnern. Das kommt dann in den folgenden Zitaten gut raus:
  • „‚Wie es für die Familie genutzt wird, hängt von der Einstellung von Vätern und Müttern ab.‘ Gerade männliche Führungskräfte glaubten, viele Überstunden leisten zu sollen. ‚Die Mütter machen bei dieser Verteilung mit. Sie halten weiter den Männern den Rücken frei.'“
    Ich sagte ja, das Problem ist nicht das HomeOffice, das Problem ist die Partnerschaft, das Verständnis und die Verteilung der Care-Arbeit.
  • „… Mütter … gehen in Teilzeit. Auch wenn dadurch ihre berufliche Entwicklung leidet und sie finanziell von ihrem Mann abhängig werden.“
    Ich sage da ja immer: Erwachsene Menschen treffen da Entscheidungen. Aber auch hier gilt: Das hat nichts damit zu tun, ob die Mutter im HomeOffice arbeitet oder nicht.
  • „Väter arbeiten viele Stunden am Stück. Mütter stückeln ihren Tag, um sich zwischendrin immer wieder mit den Kindern zu beschäftigen. Der Nachwuchs spricht die Mutter an … seltener den Vater, der zu Hause ist.“
    Hier möchte ich beiden Seiten zurufen: „Selbst schuld!“ Es hängt ja viel davon ab, wie der Job geartet ist und ob eine Stückelung überhaupt möglich ist.
  • Der erste Absatz unter dieser Überschrift: „Väter, die traditionelle Muster ändern wollen, stoßen genauso auf Hürden“ ist interessant. Mal abgesehen davon, dass nicht erklärt wird, auf welche Hürden Väter so stoßen. Aber ja, die Sache mit dem HomeOffice hat sich noch nicht so wirklich durchgesetzt. Natürlich ist nicht jeder Job geeignet für HomeOffice. Aber selbst die, die einen Job haben, der auch gut im HomeOffice zu erledigen wäre, stoßen nur allzu oft an irgendwelche obskuren Argumente. Vielleicht sind „die Deutschen“ da zu preußisch: Arbeit wird in der Fabrik, der Wekrstatt, im Büro erledigt. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Und überhaupt, das war schon immer so! Wo kommwa denn hin mit sonnem neumodischen Gedöns.
    Umdenken ist gefragt. Umdenken auf allen Seiten. Ich kann als Arbeitgeberin keine Agilität und Felxibilität von meinen Arbeitnehmerinnen erwarten, wenn ich ihnen keine ermögliche. Und Arbeitnehmerinnen müssen aus der Dankbarkeits- und Beweisfalle raus.
  • Die beiden letzten Absätze hingegen haben – mal wieder – nichts mit HomeOffice zu tun. Es geht viel mehr darum, wie der Ungleichverteilung vor allem von Care-Arbeit entgegengewirkt werden kann. Was da steht ist alles wichtig und richtig, aber hey, es ging um HomeOffice.

Die Studie
Lott Y. Weniger Arbeit, mehr Freizeit? Wofür Mütter und Väter flexible Arbeitsarrangements nutzen. WSI Report 2019; 47.

  • In der Studie geht es darum, wofür Mütter und Väter flexible Arbeitszeitmodelle – HomeOffice, Gleitzeit, selbstbestimmte Arbeitszeiten – nutzen. Also was machen sie mit der Zeit.
  • Deutschland hat im internationalen Vergleich eine höchst ungleiche Verteilung von Sorgearbeit.

Gender Care Gap

  • Mütter wenden pro Woche an Werktagen durchschnittlich 21,01 Stunden für die Kinderbetreuung auf, Väter nur 8,6.
    • Veränderung von 2000 – 2016: Frauen -1,49 Stunden; Männer: +1,3 Stunden. Wenn das in dem Tempo weitergeht, sind wir in 60 Jahren ungefähr auf gleichem Level.
  • Bei der geneuen Betrachtung, wie sich flexible Arbeitszeitmodelle auf die Care-Arbeit auswirken, kommen in der Studie allerdings andere Zahlen raus:
    • Frauen bringen im HomeOffice gut 21 Stunden für die Care-Arbeit auf (vs. 18 Stunden bei Frauen, die nicht im HomeOffice arbeiten).
    • Männer investieren – ob im HomeOffice oder nicht – 13 Stunden pro Woche in die Kinderbetreuung.

Gender Time Gap:

  • Mütter arbeiten im HomeOffice eine Stunde zusätzlich als Mütter ohne Homeoffice.
  • Männer machen im HomeOffice 6 Überstunden (vs. 4 Stunden ohne Homeoffice).

Gender Leisure Gap
(Keine Zahlen zum HomeOffice)

  • Generell verbringen Mütter 1,5 Stunden weniger mit Freizeitaktivitäten als Väter (4,5 vs. 6 Stunden).
  • Väter mit festen Arbeitszeiten haben die meiste Zeit für Freizeitaktivitäten (> 6 Stunden).
  • Bei Müttern ist die Auswirkung des Arbeitszeitmodels nicht so stark ausgeprägt.

Fazit

  • Väter arbeiten bei flexiblen Arbeitszeitmodellen mehr und wenden gleichzeitig weniger Zeit für die Care-Arbeit auf.
  • Mütter arbeiten mit flexiblen Arbeitszeitmodellen mehr als ohne, wende dabei aber mehr Zeit fr die Care-Arbeit auf.

Tja, was zeigt uns das?! Frauen müssen ihre Partner mehr in die Pflicht nehmen. Sie müssen sich weniger verantwortlich für alles fühlen und sich auch das Recht rausnehmen, etwas für sich zu tun. Flexible Arbeitszeiten können dazu viel beitragen, aber wenn das Potenzial nur von den Vätern genutzt wird, ist es halt auch eine Einbahnstraße. Und damit wären wir wieder bei meinem Frauentags-Appell.

Mein HomeOffice

Ich konnte mir lange Zeit nicht vorstellen, im HomeOffice effektiv zu arbeiten. Und nutzte es als Arbeitnehmerin auch nur selten. Außerdem fand und finde ich den zwischenmenschlichen Austausch im Büro ja durchaus nett. Er kann allerdings auch nerven. Als ich im ersten Jahr alleinerziehend (noch) festangestellt war, wollte ich keine HomeOffice-Lösung. Ich wollte, dass der Job zu Ende ist, wenn ich das Büro verlasse. Mir hatten die drei Monate alleinerziehend mit Wurschtel-HomeOffice-Lösung in Hamburg gereicht, danach war ich fertig.

Doch dann kam die Entscheidung, selbstständig freiberuflich zu arbeiten, was natürlich impliziert, dass ich erstmal in der Regel im HomeOffice arbeiten muss (außer ich hätte mir ein Extra-Büro gemietet). Mein erster Auftraggeber bot mir dann aber tatsächlich an, auch vor Ort zu arbeiten, was ich aber aufgrund der Entfernung nur gelegentlich in Anspruch nahm.

Anfangs war es etwas schwer, wirklich in den Tritt zu kommen. Das Kind war zwar vormittags in der Schule und danach im Hort, aber oft machte ich erstmal dieses und jenes, bevor ich anfing zu arbeiten. Erschwerend kommt dazu, dass ich morgens oft unglaublich langsam bin. Was ich abends in zwei Stunden schaffe, dafür brauche ich vormittags oft zweieinhalb bis drei Stunden. Und ich mag auch die Ruhe am späten Abend.

Mittlerweile hat sich das alles ganz gut eingependelt mit dem HomeOffice. Was sicherlich auch daran liegt, dass ich als Festfreie mit einem definierten Stundenkontingent pro Monat dieses erstmal abarbeiten muss. Das alles in die Abendstunden zu legen, wäre höchst ambitioniert. Außerdem arbeite ich meiner Auftraggeberin nicht nur zu, sondern stehe auch selbst im direkten Kundenkontakt, was eine gewisse Erreichbarkeit voraussetzt.

Vom Prinzip her gibt es feste Zeiten, zu denen ich grundlegend verfügbar bin. Was aber nicht bedeutet, dass ich außerhalb dieser Zeiten nicht arbeite. Entweder nutze ich die Zeit für andere Aufträge oder halt um aktuelle Projekte, die jetztsofort fertig werden müssen, zu bearbeiten. Diese Projekt-Peaks gibt es in meinem Bereich immer wieder. Genauso wie Flauten. Was auch ein Grund ist, warum ich lieber selbstständig denn angestellt arbeiten möchte. Gerade bei Flauten kann ich so einfacher sagen: „Diese Woche stehen nur wenig an. Ich bin an den und den Tagen nicht erreichbar.“ Das ist angestellt (immer noch) schwierig. Dazu kommt, dass ich stundengenau abrrechne. Es wird nicht erwartet, dass ein gewisser Anteil an Überstunden schon direkt abgegolten ist (in „meiner“ Branche durchaus üblich). Umgekehrt habe ich natürlich keinen Urlaubsanspruch und auch bei Krankheit ist das mein Problem. Doch das Stundenkontigent lässt es zu, dass auch das möglich ist.

Ich bin regelmäßig bei meiner Hauptauftraggeberin, aber täglich würde ich nicht hin wollen. Denn es würde mich täglich zwischen 2-3 Stunden Fahrtzeit kosten. Das ist wertvolle Zeit, die ich nich abrechnen kann, die ich aber auch nicht fürs Kind, den Haushalt oder mich nutzen kann. So bin ich in der Regel zu Hause, wenn das Kind nach Hause kommt. Wenn es die Zeit zulässt und meine Motivation ausreichend hoch ist, habe ich dann auch schon eine Sporteinheit absolviert. Außerdem können der RB und ich durchs HomeOffice morgens entspannt zusammen frühstücken. Allein unter diesen Aspekten ist das HomeOffice für die Vereinbarkeit super.

Allerdings geht das Kind zwar vormittags in die Schule, aber nur an drei Tagen in den Hort (demnächst nur noch zwei und ab Sommer dann hoffentlich auf eine Ganztagsschule). An Tagen, an denen er nicht in den Hort geht, heißt das aber nicht, dass ich mit ihm Halligalli mache (außer es ist gerade mal Flaute). Dann wird gegessen. Danach macht er Hausaufgaben. Allein. In seinem Zimmer. Danach muss er – sofern ich arbeiten muss – in seinem Zimmer spielen. Ja, da hilft uns das Tablet viel. Aber auch an Tagen, an denen – warum auch immer – Tablet-Verbot besteht, klappt das in der Regel gut. Mittlerweile. Anfangs hat er nicht verstanden, dass ich zwar zu Hause, aber letztlich – für ihn – nur anwesend und nur bedingt verfügbar bin. Aber ich kann meine Arbeit nicht machen, wenn ich mich nicht mal eine Weile am Stück konzentrieren kann. Das führt auch dazu, dass der RB nicht immer Musik hören darf, wenn er morgens mit mir im Wohnzimmerbüro sitzt.

Was aber ohne HomeOffice nicht möglich gewesen wäre: Dass das Kind zum Rugby geht. Ich wüsste nicht, wie ich es hätte schaffen sollen, dass er pünktlich um 17h00 am Pitch ist – außer mit einer externen Bereuungsperson.

Die Hausarbeit hat nichts vom HomeOffice. Ja, vielleicht werfe ich mal eine Waschmaschine mehr an. Und die Maschine muss nicht nur abends laufen, aber sauberer ist es bei uns auch nicht und das Thema Putzhilfe ist weiterhin ein großes. Wobei ich mich frage, wo ich dann hin soll, wenn die Person gerade in der Wohnung wirbelt.

10 Zentimeter

10 Zentimeter

Eigentlich wollte ich heute übers HomeOffice schreiben. Darüber, was das so für mich, fürs Kind und für den Haushalt im Allgemeinen bedeutet. Aber ich bin zu k.o.

Dafür ist das Kind heute zum ersten Mal alleine mit dem Fahrrad zum Rugby-Training gefahren.*

Seit er beim Rugby ist, fahren wir fast ausschließlich mit dem Rad dahin. Der midi-monsieur kennt also die Strecke in- und auswendig. Allerdings hat sie ein paar Tücken: teilweise keine Radwege oder nur ein Schutzstreifen auf der Straße, eine Tankstellen Ein- und Ausfahrt, Straßenkreuzungen ohne Zebrastreifen oder Ampel, einen nicht optimal einzusehenden Zebrastreifen und zwei riesige, wirklich riesige Ampel-Kreuzungen** mit mindestens 2spurig in alle Richtungen und Schienen noch dazu. Und gerade diese Kreuzungen mach(t)en mir Bauchschmerzen. Ich selbst habe da immer einen Adrenalinstoß extra, weil nie ganz sicher ist, ob nicht doch ein Rechtsabbieger die Radfahrer übersieht oder ob nicht irgendwer einen verbotenen U-Turn macht. Insgesamt sehr unübersichtlich.

Als es heute Zeit wurde, um zum Training zu kommen, saß ich noch an der Arbeit (ja, im HomeOffice) und war auch gedanklich mittendrin. Ich überlegte, ob ich das Kind nur kurz zum Training bringen sollte, direkt zurück fahren und dann später zum Abholen wieder hin. Denn vor Ort arbeiten geht nur bedingt. Irgendwie ist dann da immer eine, mit der ich mich verquatsche. Doch nur hin- und herfahren kostet mich gut 35 Minuten. Zeit, die ich heute wirklich brauchte (im HomeOffice). Also fragte ich das Kind, ob er sich zutrauen würde, ganz allein zum Training zu fahren. Ich würde ihn später abholen. Er überlegte nicht lange und wollte es wagen. Als er sich verabschiedete, war uns beiden etwas mulmig. Ich sagte zu ihm: „Ich vertraue dir, dass du das kannst. Aber ich vertraue den Autofahrern nur bedingt. Du musst auf Dich aufpassen.“ Er düste los und ich bat eine Mutter, mit Bescheid zu geben, wenn sie das Kind wohlbehalten am Platz sähe. Ich arbeitete weiter. Um 17h06 hieß es „Kind ist da“. Ich schrieb noch weiter und weiter und war um 17h50 passend fertig, um das Kind pünktlich abzuholen. Nach dem Training nahm ich ein sehr stolzes Kind in die Arme, das auf wundersame Weise binnen zwei Stunden um 10 Zentimeter gewachsen ist.

——————————-
* Stimmt nicht ganz, er ist vor knapp 2 Wochen erstmals einen Teil der Strecke alleine gefahren, weil mir unterwegs die Kette gerissen war und er sonst zu spät zum Training gekommen wäre.

** Für Einheimische: via Alleenring über die Friedberger und die Eckenheimer Landstraße

Ich bin ich

Ich bin ich

Ich fand die Idee bei Dorothea. Die wiederum fand sie bei Christian. Und ich finde die Idee so gut, dass ich sie nachfolgend aufgreife:

Ich hab mir noch nie etwas aus Rosa gemacht. Zumindest kann ich mich nicht aktiv erinnern. Wenn meine Großmutter für mich nähte, suchte ich mir oft blauen Stoff aus. Mein liebstes Kleid war ein blaues Samtkleid mit weißer Stickborte. Dazu weiße Strumpfhosen und schwarze Lackschuhe. Meine Puppe Franziska hatte das gleiche Kleid. Aber richtig viel habe ich mir aus Puppen nicht gemacht. Ich habe mehr mit Lego gespielt und rumgetobt. Wo Action war, war auch ich.

Und wo es laut war, war ich auch. Das ist auch heute noch so.

Ich war ein Draußen-Kind. Habe Staudämme gebaut, Höhlen im Gebüsch entdeckt, war immer unterwegs. Ich hatte sicherlich mehr Schürfwunden und blaue Flecken als Kind als meine Brüder zusammen. Wenn ich mit den Freundinnen mal Vater-Mutter-Kind spielte, war ich meist der Vater. Ich fand Pferde und Barbies komisch. Versuchte mich aber daran, weil die Freundinnen das so machten.

Als Kind trug ich Hosen lieber als Röcke – es war ja so viel praktischer. Heute trage ich auch immer noch meistens Hosen. Wobei ich meine Röcke und Kleider auch sehr mag. Ich mag allerdings keine Strumpfhosen und damit ist die Zeit für Röcke und Kleider begrenzt.

Ich hatte Ballettunterricht und habe später den „obligaten“ Tanzkurs geliebt. Gerne hätte ich Handball gespielt, aber es gab keine Möglichkeit.

Sachkunde war mein liebstes Fach in der Grundschule. Mathe fiel mir immer leicht. Doch auch das Schreiben in Deutsch sowie die von vielen verhassten Rechtschreib- und Kommaregeln liebte ich. Mein Wahlpflichtfach am Gymnasium war Informatik und Mathe ein Leistungskurs. Ich habe keine Angst vor Zahlen und Technik. Ich wollte Ingenieurin werden. Aus Gründen brach ich das Studium ab.

Ich studierte Biochemie mit dem Ziel Professorin zu werden. Ich machte mein Diplom und hängte die akademische Karriere dann an den Nagel. Ich schlug einen Werdegang ein, der nicht vorgezeichnet war. Den nicht immer jede versteht oder auf den ersten Blick nachvollziehen kann. Aber das ist mir egal.

Ich habe mich selbstständig gemacht, als ich (relativ) frisch getrennt war. Ich hatte kein Backup, keinen Mann, der mich (finanziell) hätte auffangen können.

Ich hatte einige Männergeschichten und sicher ging es nicht immer um die große Liebe. Oftmals war ich ein weiblicher Macho (dieses Sprachkonstrukt klingt sehr komisch), aber Mann wusste immer woran er war. Ich brauche keine Beziehung um glücklich zu sein und definiere mich auch nicht darüber, in einer Beziehung zu leben.

Ich habe früh geheiratet. Es war damals richtig so. Ob ich die Entscheidung nochmal treffen würde, weiß ich nicht. Aber sie war nicht falsch. Ich hatte kein weißes Prinzessinen-Kleid. Wir wollten eine Party. Wir machten eine Party. Als ich mich trennte (und scheiden ließ), dachte ich nicht einen Moment darüber nach, wie ich denn nun als Frau (finanziell und gesellschaftlich) dastünde.

Lange Zeit konnte ich mir nicht vorstellen, ein Kind zu bekommen. Ich fand die Idee, Kinder zu adoptieren viel sinnvoller. Und nach einer Schwangerschaft – die wirklich problemlos verlief – sage ich auch immer: Einmal reicht mir.

Als das Kind da war, war ich die Alleinverdienerin. Der Kv war Hausmann. Für mich war das so richtig. Denn es war schon immer klar, dass ich nicht Hausfrau allein sein kann. Dem Kind hat das nicht geschadet. Dass die Beziehung zum Kv kaputt war, hatte nichts mit dieser Aufteilung zu tun (hat die Probleme allerdings verstärkt). Das Kind hatte lange Haare und das musste auch nicht begründet werden. Wenn er Nagellack wollte, machte ich ihm welchen drauf.

Ich versuche als Alleinerziehende nicht, dem Kind Mutter und Vater zugleich zu sein. Aber ich zeige ihm, dass Menschen Dinge können. Dass ich sein Fahrrad reparieren kann – und nicht nur, weil ich es muss, sondern weil ich es gerne mache. Dass ich aber gleichzeitig auch gerne backe und koche. Ich habe als Alleinerziehende nie dem klassischen Vater-Mutter-Kind-Konstrukt nachgetrauert. Aber für mich war das auch noch nie das allein seligmachende Familienbild.

Ich stelle mein Frausein nicht in Frage, aber frage mich dennoch, was Frausein wirklich bedeutet. Lange Haare, hübsche Kleider, Make-up und rasierte Achseln und Beine, Brüste, die einen BH brauche, eine Vulva sowie Vagina sind es nicht. Wieviel ist Frausein (und auch Mannsein) ein gesellschaftliches Konstrukt? Sind wir nicht letztlich alle einfach Menschen?

Das ist auch die Basis, auf der ich habe all meine Entscheidungen getroffen. Stets als Mensch, nicht als Frau. Ich habe nie gedacht „aber eine Frau macht sowas nicht“ oder „eine Frau sollte besser diesdasjenes machen“.

Rar

Rar

Natürlich gibt es sie. Sie, diese anständigen, normalen, korrekten Männer*, die nach einer Trennung, in die ein Kind** involviert ist, ohne zu diskutieren, Unterhalt für das Kind zahlen. Und ich möchte betonen: Unterhalt FÜRS KIND! Unterhalt für die Mutter aka böse Ex-Partnerin muss ja nur noch in Ausnahmefällen gezahlt werden. Also: Unterhalt fürs Kind. Damit das Kind

  • ein Dach überm Kopf,
  • was zu essen,
  • Kleidung und
  • (im besten Fall) die Möglichkeit Hobbies nachzugehen

hat. Und es geht nicht darum, dass der Kindesvater diese Kosten alleine trägt, sondern dass er seinen Teil dazu beiträgt. Dass sich der Unterhalt am Einkommen des Vaters orientiert, ist nur fair: Hat das Kind zuvor vom – wie auch immer hohen – Einkommen des Vaters profitiert, sollte es das auch nach der Trennung. UNABHÄNGIG davon, was die Mutter verdient. Die muss nämlich auch ihren Anteil zum kindlichen Unterhalt beitragen. Gemessen an ihren finanziellen Möglichkeiten. Und da wird nicht gegengerechnet, dass für gewöhnlich das Kind die meiste Zeit bei der Mutter ist, dass der „Mental Load“ fast ausschließlich auf ihr lastet. Denn in der Regel sind es die alleinerziehenden Mütter, die sich Gedanken machen über: Braucht mein Kind neue Klamotten? Auffangen, wenn das Vatervermissen akut ist. Welche Größe hat das Kind aktuelle? Steht ein U-Termin an? Läuft in der Schule alles gut? Wo ist das Kind wann zum Geburtstag eingeladen? Welches Geschenk wird gewünscht? Stehen Impf-Termine an? Das Kind kann heute nicht in die Schule, wie mache ich das mit der Arbeit? Braucht es vielleicht doch Nachhilfe? Das Kind braucht nachts Zuspruch. Wie kommt das Kind zu seinem Hobby? Eigentlich müsste es mal wieder zum Friseur. Elternabend – und wer passt aufs Kind auf? Geschenkliste für die buckelige Verwandtschaft. Geht es meinem Kind gut? Geht es ihm wirklich gut?

All diese Gedanken fressen Zeit und Energie. Beides rares Gut bei Alleinerziehenden, das unbezahlt bleibt. Ist der Kindesvater ein guter, dann versteht und weiß er, was die Mutter alles für das gemeinsame Kind tut. Dann weiß er, was es sie kostet, aus dem gemeinsamen Kind einen guterzogenen Menschen zu machen. Diese Väter tun ihr Möglichstes, ihren Teil dazu beizutragen: Sie zahlen – ohne Diskussion. Sie nehmen ihre Umgänge wahr – ohne Diskussion. Sie kümmern sich während ihrer Umgänge auch mal um Termine, Hobbies, Geschenke etc – ohne Diskussion. Sie nehmen das Kind auch außerhalb des Umgangs, wenn Not an der Frau ist – ohne Diskussion. Sie versuchen ihr Bestes, damit die Mütter keine unnötigen Energien verlieren in noch unnötigeren Kämpfen, um die wenige Zeit, die sie haben, so gut wie möglich fürs Kind nutzen zu können.

Leider – anders kann eine die Zahlen zu Alleinerziehenden nicht deuten – sind solche Väter bzw. Männer so rar wie Zeit und Energie bei Alleinerziehenden. Die Mehrheit der getrennten Väter scheint sich eher ums Zahlen drücken zu wollen. Zahlen werden so lange gedreht und gebogen, bis fürs Kind nichts mehr bleibt. Es wird damit gedroht, den eigenen Job zu kündigen, nur um nicht zahlen zu müssen***. Es werden Vermögenswerte geschickt umverteilt. Es wird gemauschelt und getrickst. Und eines der liebsten Argumente dieser Väter ist es, dass sie es nicht einsehen, nur zahlen zu müssen, aber keine Rechte am Kind zu haben.

Niemand hat das Recht an einem anderen Mensch – auch oder erst recht nicht an einem (am eigenen) Kind. Wir haben aber die verdammte Pflicht, unseren Kindern alle Fürsorge (emotional und finanziell) zukommen zu lassen. „Man hat“ keine Kinder. Eine ist Mutter bzw. Vater. Eine ist verantwortlich für das Kind, das sie in die Welt gesetzt hat. Kinder sind kein Dings, kein Lifestyle- oder Statussymbol.

Nun höre ich schon die Männer, die „Aber sie hat angefangen. Ich darf das Kind nicht sehen. Also muss ich auch nicht zahlen.“ krakelen. Ja, auch solche Frauen gibt es, aber ich bin mir sicher, dass nicht jeder nicht- oder zu-wenig-zahlende Vater so eine Ex-Partnerin hat.

Und selbst wenn sie „angefangen“ hat: Es geht in letzter Instanz um ein Kind. Es geht darum, dass es dem eigenen Kind gut geht. Es geht nicht darum, der Ex einen auszuwischen, zu zeigen, wer am längeren Hebel sitzt.

Und daher ist der Vorstoß von Ministerin Giffey auch eine Katastrophe: Dieser Vorschlag zäumt das Pferd so dermaßen falsch auf – nein, nicht von hinten. Es ist einfach falsch. Denn es geht nicht um die Kinder. Sollte diese bekloppte SchnapsIdee Realtität werden, gibt sie den eh schon nicht- oder zu-wenig-zahlenden Vätern ein weiteres Machtinstrument. Die Väter, die eh schon so wenig wie möglich zahlen, werden sich noch weiter runterrechnen mit jedem Tag Umgang, den sie wahrnehmen. Ich sehe auch schon kommen, dass ebendiese Väter vermehrt vor Gericht ziehen und mehr Umgangstage einklagen, um sich noch weiter aus dem Unterhalt zu lavieren.

Und ganz weit am Horizont sehe ich Kindesväter, die vom Unterhaltsvorschuss auch noch ihren Teil abhhaben wollen, wenn sie denn mal ihr eigenes Kind hüten.

Als hätten unsere Familiengerichte und Jugendämter nicht schon genug zu tun.

——————————-
* Ja, es gibt auch die umgekehrten Fälle, aber in der Mehrheit gehen die Männer und die Mütter bleiben alleinerziehend zurück. Daher bleibe ich mal beim Allgemeinfall.

** mehrere Kinder sind mitgemeint

*** Damit kommen sie vermutlich nicht durch, aber erstmal steht das Wort im Raum und die AE muss sich auch noch darum kümmern.

Und was ist mit dem Text?!

Und was ist mit dem Text?!

Ich hatte heute den Plan – nachdem das Kind und der RB aus dem Haus waren:

  • Wäsche ab- und wieder aufhängen
  • eine Maschine anmachen
  • Essen weiter vorbereiten
  • mich um das Fenster mit der ungünstigen Kältebrücke kümmern
  • Text schreiben aka arbeiten
  • zu WhiskyTime fahren
  • weiterschreiben
  • mit dem RB essen
  • ggf. fertig schreiben
  • nutzen, dass der RB nach der Messe den Kopf wieder frei hat

Tja und dann merkte ich beim Wäscheaufhängen, also genau genommen beim Wäsche-aus-der-Maschine-Nehmen, dass die Waschmaschine müffelt. Und dann überlegte ich, wann ich sie denn wohl zum letzten Mal gereinigt hatte. Das war der Pulverschublade und dem Fusselsieb-Abfluss nach zu urteilen zu lange her. Also beschäftigte ich mich recht lange damit, die Waschmaschine zu tiefenreinigen: Ich habe die Pulverschublade rausgenommen und auseinander gebaut (soweit es ging) und gereinigt. Dann sah ich, dass da, wo die Pulverschublade eigentlich ist, ja auch mal sauber gemacht werden muss. Beim Durchspülen der Maschine kam immer und immer wieder was durch den Flusensiebablauf raus, dass ich immer weiter schrubbte und bürstete. Dann ließ ich die Maschine leer nur mit Entkalker laufen und könne mich währenddessen dem Fenster widmen. Das war auch betreuungsintensiver als gedacht. Immerhin schaffte ich es, danach noch schnell den Rotkohlsalat anzusetzen und zu duschen. Trotzdem war ich erst um nach 16h00 auf der WhiskyTime. Ich merkte schon auf dem Weg dahin, dass Eberhard sich auf meinen Kreislauf auswirkte, sodass ich es dort nicht lange aushielt. Als ich wieder zu Hause war, musste ich mich aufs Sofa legen, mir war komisch. Ich schaute die letzte Folge der zweiten Charité-Staffel und bei „Marie Curie“ dämmerte ich weg. Um 18h30 kamen das Kind und sein Vater und ich musste mich sortieren. Ich bereitete den Rohkostsalat zu Ende vor, machte den Ofen an und packte die Hühnerbeine* rein. Der RB kam nach Hause und während das Kind und der Kv in des Kindes Zimmer Schach spielten, konnten der RB und ich zu zweit in Ruhe essen**. Der Kv verabschiedete sich. Ich brachte das Kind ins Bett. Mir war immer noch sehr kodderig. Ich legte mich also aufs Bett, um einen kleinen Powernapp zu machen, um doch noch zu schreiben heute abend. Doch nach einer halben Stunde war ich immer noch fertig. Der RB brachte mir Wärmflasche und Magentee. Dann versuchte ich mich zu berappeln, denn der Text drängte weiterhin. Doch es endete damit, dass ich den RB ins Bett beorderte, weil mir nach Knutschen war. Dann fassten wir einen Bett-Vikings-Beschluss. Den Text muss ich dann wohl morgen früh schreiben.

Wenigstens ist die Waschmaschine sauber, das Fenster für den nächsten Schritt präpariert und gut gegessen haben wir auch.

Orangenhähnchen mit Orangen-Rotkohl-Salat

——————–
* Hähnchenschenkel

** Das Kind und der Kv hatten schon zusammen beim Rugby-Gucken gegessen.

Dankbar

Dankbar

Was für ein Glück, dass es auf dieser Welt so viele schlaue Männer gibt, die in ihrer unendlichen Güte uns arme dummen Frauen darüber aufklären, wie sie ihr Leben richtig zu gestalten haben.

Ich bin sehr, sehr dankbar.

Nein, nicht dankbar für solche Männer, sondern für Männer wie den RB. Er nicht nur weiß, wie eine Emanzipation und Gleichberechtigung schreibt, sondern auch was diese Begriffe bedeuten.

Weltfrauentag

Weltfrauentag

Joah, Weltfrauentag. Wie jedes Jahr halt am 8. März. Ein Tag für uns Frauen. Yeah. Ein Tag, der immer am gleichen Datum stattfindet und somit in den meisten Fällen auf einen normalen Werktag fällt. Also an einem Tag stattfindet, an dem Frauen arbeiten müssen – arbeiten unter oftmals deutlich prekäreren Verhältnissen und in vielen Fällen für ein deutlich geringeres Gehalt als Männer. Ich wäre ja dafür, dass der Frauentag immer auf einem Sonn- oder Feiertag liegt. Damit Frauen den Tag auch nutzen können. Ach, oh, dann haben ja die Kinder (sofern es welche gibt) und Männer auch frei und wollen betreut und bespaßt werden oder brauchen dringend mal einen Pause vom Alltag. So Zeit für sich halt. Aber wenigstens müsste Frau (sofern sie nicht in einem entsprechenden Beruf arbeitet) am Frauentag wenigstens nicht arbeiten.

Spaß beiseite: Im Netz und so kursieren gerade viele gute, richtige und wichtige Anliegen, was sich für Frauen noch alles ändern muss. Und es ist – leider – viel. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass wir aktuell wieder mehr Schritte zurück als vor machen.

Allerdings komme ich nicht umhin – ja, vielleicht ist das meine Arroganz als weiße, gut ausgebildete, emanzipiert erzogene und gut verdienende Frau – „Orrrr“ zu denken. Orrr, ich kann doch nicht erwarten, dass gewisse Dinge für mich geschehen, ich muss sie doch einfordern. Oder – meiner Meinung nach am besten – einfach machen (oder nehmen). Dazu ein paar lose Gedanken (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

  • Partnerschaft
    • Denkt immer dran: Eine Partnerschaft zwischen zwei erwachsenen Menschen sollte immer eine Partnerschaft auf Augenhöhe sein. Lasst Euch nicht klein machen.
    • Der Grad zwischen „Ich mache es gerne“ und Ausgenutztwerden ist schmal.
    • Nehmt Euren Partner* mehr in die Pflicht. Im besten Fall sollte er von allein seinen Anteil an Care-Arbeit und Haushalt machen. Und nein, er hilft nicht. (Was täte er denn, wenn er alleine wohnte?!)
    • Teilt die Care- und Hausarbeit besser auf. Und glaubt nicht, dass sich das irgendwie regelt oder ausgleicht.
    • Wenn das – warum auch immer – nicht möglich ist, regelt mit Euren Partnern, dass Ihr einen Strukturausglich bekommt (z.B. Zahlung einer private Rentenversicherung).
    • Meistens ist bei Männern mehr möglich, als sie behaupten. Sie haben nur keinen Bock – menschlich völlig verständlich, zwischenmenschlich halt fürn Arsch – auf ihre Privilegien zu verzichten.
    • Macht ihnen deutlich, dass Elternzeit und Teilzeit für Euch ebenso – und in der Regel noch stärkere – Einbußen im Job bedeuten, wie für sie: Denn es ist echt interessant, dass es für Männer achso schwer ist, mehr als 2 Monate Elternzeit zu nehmen. Oder auf Teilzeit zu gehen. Das mag im Einzelfall schwierig sein, aber dann ist es für die Frau im Einzelfall (gleicher Job) genauso schwierig.
    • Findet keine Ausreden für Eure Männer/Partner, warum sie diesdasjenes nicht machen können.
    • Ihr müsst nichts ertragen – weder psychische noch physische Gewalt.
    • Verhütung ist nicht nur Eure Sache. Doch Schwangerschaft schon.
  • Ehe
    • Muss wirklich geheiratet werden? Und wenn ja warum?
    • Überlegt Euch, wie abhängig Ihr Euch durch eine Heirat macht (machen könnt).
    • Denkt daran, dass – zumindest die standesamtliche – Heirat ein bürokratischer Akt ist, der gewissermaßen ein Vertrag ist.
    • Romantik ist toll, aber denkt auch an das Danach.
    • Wenn beide arbeiten, lasst Euch nicht mit Steuerklasse V abspeisen.
  • Job
    • Seid Euch Eurer Fähigkeiten bewusst.
    • Verkauft Euch nicht unter Wert.
    • Lasst Euch nicht abspeisen – weder bei Gehalt, noch irgendwelchen Arbeitszeitmodellen. Wenn es Euch wichtig ist, bleibt hartnäckig.
    • Geht auf Eure Arbeitgeberinnen / Chefinnen proaktiv zu. Erwartet nicht, dass Euch Dinge auf dem Silbertablett serviert werden. (s. oben, Stichwort „Privilegien“)
    • Wenn Ihr nicht auf abstrusen Wegen an Euren Job gekommen seid, müsst Ihr nicht dankbar dafür sein, dass Ihr arbeiten dürft.
    • Auch nicht, wenn Ihr nach der Elternzeit wieder arbeiten „dürft“.
    • Eure Arbeitgeberinnen könnendürfensollen froh sein, dass sie eine kompetente und eingearbeitete Kraft wiederhaben.
    • Wenn Ihr Karriere machen wollt, dann müsst Ihr Euch nicht dafür rechtfertigen.
    • Wenn Ihr keine Karriere machen wollt, müsst Ihr Euch auch nicht dafür rechtfertigen.
  • Kind** (Mutterschaft)
    • Wenn Ihr Euch mal wieder schlecht fühlt, weil Ihr nicht bei Eurem Kind seid/ sein könnt: Überlegt Euch, warum Ihr Euch so fühlt. Wie viel von Eurem Gefühl ist eine (unausgesprochene) Erwartungshaltung von Außen? Wem wollt Ihr mit Eurem schlechten Gewissen gefallen?
    • Wenn es Eurem Kind in der Betreuung gut geht, dann freut Euch drüber, dass es dort bestimmt eine gute Zeit haben wird.
    • Traut Eurem Kind etwas zu. Ihr müsst nicht alles regeln.
    • Ihr habt nicht allein die Verantwortung für Euer Kind.
    • Traut auch Eurem Partner – insbesondere wenn es der Kindesvater ist – etwas zu. Er wird es vielleicht nicht machen wie Ihr, aber anders heißt nicht, dass es falsch ist.
    • Wenn Ihr Zeit für Euch nehmt, dann macht einfach. Ihr müsst das nicht rechtfertigen mit „Danach habe ich wieder Kraft fürs Kind“. Ihr macht das für Euch. Und das ist auch völlig in Ordnung.
    • Ihr seid keine schlechten Mütter, wenn Ihr Euer Kind nicht zu jedem Hobby begleitet.
    • Vereinbarkeit ist nicht die ureigenste und alleinige Aufgabe von Müttern.
    • Zeigt Euren Kindern, dass Frauen und Männen grundlegend alles gleich gut und gleich schlecht können. Die einen das einen und die anderen das andere und das ist unabhängig vom Geschlecht.

Was davon wer für sich annimmt und wovon sie sich angegriffen fühlt, muss jede für sich wissen. Ich will keiner weh tun, aber Frauensolidarität bedeutet für mich nicht, dass ich bei jedem Mimimi mitmimimiend einer über den Kopf streichel und sage: „Oh, ja. Es ist alles soooo schlimm.“ Denn davon ändert sich genau gar nichts. Wir müssen für unsere Rechte selbst kämpfen. Wir werden sie nicht serviert bekommen.

Macht Euer Ding. Ihr müsst in erster Linie Euch gefallen. Macht nicht Dinge, die eine halt so macht, wenn ihr nicht dahinter steht.

———————
* Ehemänner sind mitgemeint

** oder halt Kinder

Wochenplan

Wochenplan

Seit einiger Zeit haben wir einen Essensplan bei uns eingeführt. Das Grundprinzip dabei ist: Freitagabend und/ oder Samstagmorgen setzen wir uns zusammen und überlegen, was wir in der kommenden Woche essen wollen. Oder ich mache freitagabends einen Plan und lasse ihn vom RB und dem Kind absegnen. Dabei müssen wir überlegen: Wer ist an welchen Tagen abends zu Hause? Wer kommt an welchen Tagen abends wann nach Hause? Wer ist wann da und kann kochen? So sind die Montage, Dienstage und Samstag eher Kochtage vom RB, mittwochs gibt es tendenziell eher kalt (also AbendBROT) oder Reste, donnerstags, freitags und sonntags koche ich. Der RB ist bis zu drei Tage pro Woche nicht da zum gemeinsamen Essen, was das Kind einerseits schade findet, aber andererseits die Chance auf süßes Hauptgericht erhöht.

Wenn die Liste steht, wird sie auf unser „Whiteboard“ übertragen.

Unser erster Wochenplan

Dann schreiben wir dazu eine entsprechende Einkaufliste. Natürlich unter Berücksichtigung der prepper-artigen Vorräte. Eingekauft wird auch am Samstag. Wenn es gut klappt*, schaffen es der RB und ich zusammen auf den Markt und ich kaufe dann die restlichen Sachen im Supermarkt. Oder ich mache beide Einkaufstouren alleine**. Gelegentlich können wir auch zusammen auf den Markt und in den Supermarkt***. Das Kind will in den seltensten Fällen mit.

Ich war ja direkt nach der ersten Woche begeistert: Die Koch- und Einkaufssituation hat sich dadurch total entspannt. Sind wir davor fast täglich einkaufen gewesen – und das meist auch nur kurz vor Kochen -, so müssen wir jetzt nur noch gelegentlich Milch**** und Brot***** nachkaufen. Außerdem können wir beim Kochen wieder mehr experimentieren bzw. neue Rezepte testen, denn wie oft wurde es Nudel-Hühnchen-Irgendwas, wenn wir hangry und erst kurz vor Kochen einkaufen gingen.

Diese Woche sind wir quasi einen Schritt weiter gegangen: Letztens war Land&Genuss-Messe in Frankfurt. Und weil der RB da einen Stand hatte, waren das Kind und ich einen Tag auch da. Wir guckten uns die Stände an und gerieten in die Fänge einer HelloFresh-Hostess. Ich fühlte ihr wegen Müll, Portionsgrößen und auch Bestell-Verpflichtung sehr auf den Zahn. Aber wer so viel stereotypen, fast archaischen Mist von sich gibt (zum Kind gewand: „Dann kann die Mutti Dir was tolles kochen.“ zu mir „Das müssen sie sicherlich mit Ihrem Mann entscheiden.“ oder „Und wenn das Kind nicht so viel isst, bleibt ja auch was für den Vati übrig.“), hat es nicht anders verdient. Immerhin gab es einen ordentlichen Messerabatt, wodurch der durchschnittliche Preis für eine Mahlzeit zu Dritt wirklich sehr in Ordnung ist. Und weil wir ja am Wochenende nicht zu Hause waren und so auch nicht unsere Wochenplanung machen konnten, hatten wir für diese Woche eine Box mit drei Gerichten bestellt.

Ich war ja durchaus skeptisch: Wie schmeckt das? Reicht das? Wieviel Müll produzieren wir damit?

Aber wir sind begeistert. Es war alles lecker. Es war mal was anderes. Es war wirklich ausreichend (3 Portionen für 3 Menschen). Die Müllmenge hält sich auch in Grenzen. Es kam sehr gut gekühlt an. Die Rezeptkarten dazu sind auch okay Für eine, die durchaus schon mal gekocht hat, vielleicht etwas zu basic beschrieben, aber es muss ja für alle passen. Wobei es so heute dem midi-monsieur leicht fiel, das Kochen zu übernehmen.

Für nächste Woche haben wir auch ein Box bestellt, was uns aber nicht vom Wochenplan entbindet. Denn da nur drei****** Gerichte drin sind, müssen wir uns noch was für die anderen Tage ausdenken.

——————————-
* Der Laden vom RB ist samstags geöffnet, sodass wir bis 11h30 den Markteinkauf erledigt haben müssen.

** Wenn mir mein Schlaf und ein gemütliches Frühstück zusammen wichtiger sind.

*** Wenn der RB keinen Ladendienst hat.

**** H-Milch ist für den Notfall und für 5 L Milch ist einfach kein Platz im Kühlschrank.

***** Das verbraucht sich bei uns unterschiedlich schnell, wodurch die Gefahr, dass gelagertes Brot trocken wird, zu groß ist.

****** Eine kann zwischen 3-5 Gerichten für 2-4 Personen bestellen.

Viel zu tun

Viel zu tun

Ich habe gestern und heute zusammen so viel gearbeitet, dass ich damit schon mein wöchentliches Stundensoll erfüllt habe. Es ist aber kein Ende abzusehen. Am Ende der Woche werde ich vermutlich – trotz Montag nicht im Dienst – doppelt so viel Stunden als mein Soll gearbeitet haben. Es ist gerade einfach viel zu tun. Die Kongress-Saison fängt an und da wollen sich die Kunden mit hübschen Texten davor und danach präsentieren.

Aber ich klage nicht. Ich werde nach Stunden bezahlt und wenn weniger zu tun ist, brauche ich mich nicht zu rechtfertigen. Und vor allem muss ich dann nicht in irgendwelche Büros gehen und Showsitzen. Übers Jahr gleicht sich das aus.

Liebes Tagebuch am Fünften (März 2019)

Liebes Tagebuch am Fünften (März 2019)

Uiuiui, der fünfte Tag in Folge, an dem ich blogge. Und weil es auch der Fünfte des Monats – heute März – ist, beantworte ich die allmonatliche Frage von Frau Brüllen: WMDEDGT?

0h15 S05.09 von Viking ist zu Ende und ich bin auch fertig. Wir gehen Zähneputzen und ins Bett. Und ich schlafe tatsächlich schnell und ohne Lesen zu müssen ein.

7h20 Das Kind stürmt das Schlafzimmer, weil es seine Rugby-Hose sucht. Er will sich für die heutige Karnevalsfeier als Rugby-Spieler verkleiden*. Er findet die Hose. Ich stehe auf, mache Brot, diskutiere nebenbei mit dem Kind, dass er besser den kleine Rugbyball mitnehmen soll. Er rennt erstmal mit dem großen und dem kleinen durch die Wohnung. Er sucht im Naschschrank nach Süßkram zum Mitnehmen und wird zum Glück fündig.

7h40 Er findet den kleine Rugbyball nicht mehr** und muss – jaja – doch den großen mitnehmen. Tschüss, bis später. Eigentlich müsste ich jetzt auf bleiben, aber mein Kreislauf ist dagegen. Ich lege mich nochmal hin und döse.

8h30 Das Handy weckt.

8h50 Jetzt muss ich mich aber an mein Tagewerk machen. Ich bin etwas gestresst***, weil echt viel zu tun ist. Mit Tee an den Laptop und e-Mails checken. Ich kümmere mich um ein Mini-Ding, damit das vom Tisch ist. Dann beginne ich mit dem ersten Großprojekt.

11h45 Ich schicke einen Zwischenstand an die eine Kollegin weiter, damit sie reinarbeiten kann. Arbeite aber dann an meinem Teil weiter.

12h00 Es klingelt: Unser Hello-Fresh-Paket kommt an. (Diese Woche testen wir das mal mit drei Gerichten.)****

Der RB ermahnt mich, was zu essen. Ich verstehe gar nicht, was er meint…

12h40 Ich werde gewahr, dass meine Zwischenstands-e-Mail von jemand, die cc war, an wen Drittes weitergeleitet wurde. Was totaler Quatsch war. Ich ärgere mich kurz. Und telefoniere.

12h55 Vielleicht ärgere ich mich doch etwas mehr. Zumindest ist meine Laune nicht sonderlich gut und der RB bekommt sie ab.

13h55 Telefonat wegen des Großprojekts. Alles fein.

14h25 Das Großprojekt ist endlich vom Tisch.

14h30 Telko zu den aktuellen und kommenden Projekten. Ich sag es mal so: Langweilig wird mir bestimmt nicht.

15h05 Telko-Ende. Ich schnaufe kurz durch. Dann gucke ich mir an, was in der Zwischenzeit an Dramen aka e-Mails aufgelaufen ist. Dann setze ich mich an das zweite Großprojekt.

15h35 Telefonat zu einem – nunja – etwas speziellem Feedback. Ein Text von mir kommt zurück und er ist komplett durch einen neuen ersetzt worden. DAS hatte ich noch nie. Nein, mein Ego kratzt das nicht an, aber ich hätte letzte Woche tiefenentspannt etwas anderes machen können, als diesen Text zu schreiben. Ich versuche mich nicht weiter zu ärgern, sondern mache am zweiten Großprojekt weiter.

16h45 Nochmal Telefonat zum „neuen Text“. Dabei eskaliert es noch kurz wegen eines anderen Mini-Projekts. Angeblich wurde mir das vorgehen anders gesagt. Blöd nur, dass ich es schriftlich habe und ich außerdem … ach, lassen wir das. Weiter am zweiten Großprojekt.

17h10 Der midi-monsieur kommt nach Hause. Trotz Hort halbwegs gut gelaunt.

17h29 Telefonat zu einem anderen Projekt. Das geht wenigstens schnell und reibungslos. Dann weiter am zweiten Großprojekt.

19h20 Uiuiui, wo ist die Zeit geblieben? Ich sitze immer noch am zweiten Großprojekt. Aber ich gucke schon ganz kariert. Und Hunger habe ich auch. Also suche ich mir die Rezeptkarte zum ersten Hello-Fresh-Gericht und fange an.

19h30 Der RB kommt nach Hause. Das Kind telefoniert mit seinem Vater*****. Ich merke, dass mich das Kochen entspannt. außerdem bin ich echt angetan von den Zutaten, dem Rezept und der einfachen Zubereitung.

20h15 Wir können essen. Es ist echt lecker und wirklich reichhaltig******.

Schwein mit Kartoffeln und leckerem Salat.

21h30 Nach etwa viel Gewese ist das Kind endlich im Bett. Und ich setze mich direkt wieder an das zweite Großprojekt. Ich will es heute noch vom Tisch kriegen, zumal es jetzt nur noch Fleißarbeit ist und meine Trüffelschwein-Qualitäten gefragt sind. Es ist nicht immer ganz einfach, wenn eine nur Nachname, Abkürzung des Jurnals und Veröffentlichungsjahr (bzw. Kongress und Jahreszahl) zur Verfügung hat und muss dann eine richtige Quellenangabe dazu finden. Aber bis auf eine, bei denen die Autoren wohl die asiatischen Pendants zu Müller und Schulze haben (und vermutlich die Jahreszahl nicht stimmt), und den beiden Data on file (das sowas überhaupt genutzt werden darf…) habe ich alle gefunden.

22h50 Das Projekt wird verschickt. Die Kollegin braucht es morgen früh. Ich könnte jetzt Schnaps gebrauchen. Ich könnte auch mit einem der anderen Projekte anfangen. Aber nach 14 Stunden mehr oder weniger durchgehend am Rechner ist auch irgendwann mal Schluss. Lieber tagebuchblogge ich.

So, nun ist nicht mehr viel Fünfter übrig. Vielleicht jetzt doch noch Schnaps.

—————————–
* Das ist zwar nicht wirkliche ein Kostüm, aber wenigstens auch keine kulturelle Aneignung.

** Ich finde den kleine Ball irgendwann im Laufe des Tages im Bad.

*** Was ich vor allem daran merke, dass ich mich beim Tee machen unverhältnismäßig stark über die chaotische Küche ärgere.

**** NEIN, das ist keine Werbung. Ich bezahle dafür und ich bekomme auch kein Geld dafür, das ich darüber schreibe.

***** Auch so ein obskures Phänomen: Der Kv hat kurz bevor er nach D kommt, um das Kind zu sehen oder zu holen, immer das total Redebedürfnis (zum Glück nicht mit mir).

****** Eine weiß ja immer nicht, was eine Person so bedeutet und hier wohnen ja auch keine Hungerhaken.