Artikel 5

Artikel 5

Ich finde ja, dass wir viel zu lange AfD-Wählerinnen nicht als das benannt haben, was sie sind: Nazis!
Sie als besorgte Bürgerinnen zu verstehen, hat zu genau was geführt?! Nichts.

Nein, das stimmt nicht. Zu nichts hat es nicht geführt, wie Frau Rabe so richtig anmerkte. Es hat dazu geführt, dass zu vieles, was vor ein paar Jahren noch eindeutig rassistisch oder faschistisch geächtet worden wäre, heute als normal toleriert wird. Grenzverschiebungen. Stück für Stück nach rechts. „Man wird ja doch noch sagen dürfen…“

Mit Blick auf Artikel 5 des GG ist das grundlegend nicht falsch, aber der gleiche Artikel sieht vor, dass es auch andere Meinungen geben kann und soll. Meinungsfreiheit ist nämlich nicht Meinungshoheit.

Allerdings hat jede Freiheit ihre Grenzen und endet spätestens dann, wenn die Freiheit eines anderen eingeschränkt bzw. bedroht wird oder – ganz allgemein – wenn ich anderen Menschen Schaden zufüge.

Und natürlich muss ich mich fragen, ob ich mit der Aussage „AfD-Wählerinnen sind Nazis“ irgendwem schade, beleidige oder verleumde.

Vielleicht.

Aber ich werde es weiter sagen. Wer sich davon angegriffen fühlt, weil sie die Blaubraunen gewählt hat, ist herzlich dazu eingeladen, darüber nachzudenken.

Der Rechtsruck bei der AfD ist so offensichtlich, dass ich keiner mehr abnehme, diese Partei aus Protest zu wählen. Wer im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte ist, kann verstehen, was die AfD will und wo sie steht. Daher muss eine davon ausgehen, dass erwachsene Menschen wissen, wo sie ihr Kreuz machen und das halt auch ganz bewusst.

Reflektion

Reflektion

Nach dem Sport ist vor dem Sport: Heute war mal wieder Rugby fürs Kind angesagt. Erstmals Turnier in der neuen Altersstufe. Es war nass. Und es war lehrreich. Das Kind hat sich anfangs sehr geärgert. Nicht zu unrecht, aber nur sich ärgern und Flunsch ziehen bringt halt nichts. Wir sprachen und ich bin froh, dass er es mittlerweile schafft, sich nicht reinzusteigern, sondern Situationen reflektiert und sie mehr und mehr kontruktiv angehen kann.

Auf dem Weg nach Hause mussten wir dann noch ein Situation reflektieren. Da hatte das Kind einen Bock geschossen und mir war es wichtig das zu klären. Während ich nach der Maxime lebe „Wer nachtragend ist, hat viel zu schleppen“, steigert sich das Kind in die kleinsten Nichtigkeiten rein und hat die Tendenz, „Rache üben zu wollen“. Damit kann ich nur sehr schwierig umgehen. Ich werde es vermutlich lernen müssen, weil es halt ein Charakterzug von ihm ist. Aber er muss – wie ich finde – auch lernen, seine „Rachegelüste“ besser zu kanalisieren.

Premiere

Premiere

Fußball ist nicht so meins. Ab und zu mal ein Länderspiel im Fernsehen, aber dieses Fansein rund um einzelne Mannschaften ist geht nicht an mich ran. Der RB behauptet, dass er St.-Pauli-Fan ist. Aber sein Fansein hält sich sehr im Rahmen: Er hat zwei Pauli-Tassen und ein paar T-Shirts, ansonsten taucht das Thema hier nicht auf. Er guckt auch keine Spiele im Fernsehen und reist der Mannschaft auch nicht hinterher. Joah, soll mir recht sein.

Mich zog es bislang in kein Stadion – außer zu Konzerten. Immer mal wieder dachte ich, dass ich als Wahl-Frankfurterin wenigstens einmal die SGE im Waldstadion gesehen haben muss und der FSV hat sein Stadion quasi direkt vor meiner Haustür. Aber es ergab sich bislang nicht.

Heute sollte es dann soweit sein. Der RB erzählte irgendwann, dass im Bornheimer Hang die SGE gegen Chemie Leipzig spielen würde. Ein Freundschaftsspiel. Also ein Spiel, bei dem es um nichts geht. (Spoiler: Doch um viel, aber halt nicht um Tore.) Und irgendwie gefiel mir der Gedanke und ich sagte, dass ich mitkommen wolle – inklusive Kind. Der RB wollte unbedingt im Chemie-Block stehen. Also auf keinen Fall sitzen und auch nicht bei den SGE-Fans stehen.

Tja, da standen wir dann heute auch. Mittendrin zwischen den Fans aus Leipzig. Und es war toll. Ich habe nicht ganz so viel vom Spiel mitbekommen, weil mich das Drumherum deutlich mehr in den Bann gezogen hat. Ich musste kurz das Kind mental einfangen, weil er anfangs etwas unlaunig war*. Außerdem kamen wir mit ein paar Chemie-Fans ins Gespräch und ich erfuhr einiges über deren Verein, deren Fans (durch und durch antifaschistisch) und über die nur 15-jährige Freundschaft der Eintracht- und Chemie-Fans.

Das hat mir durchaus gut gefallen. So lasse ich mir Fußball gerne nochmal gefallen.

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* Das Kind tut sich ja anfangs oft schwer, wenn er in unbekannten Menschenmengen ist. Dazu kamen noch viele unbekannte Eindrücke, Gerüche und Hunger. Aber ich kenne meinen Sohn, er muss manchmal zu seinem Glück gezwungen werden. Und entsprechend viel Spaß hatte er dann tatsächlich auch in der zweiten Halbzeit.

Liebes Tagebuch am Fünften (September 2019)

Liebes Tagebuch am Fünften (September 2019)

Huch, schon September? Wo ist denn das Jahr geblieben? Wie dem auch sei, der September ist noch jung und das ist der Moment für Frau Brüllen, um zu fragen: WMDEDGT?

Es ist nach Mitternacht, als ich ins Bett gehe. Allerdings nicht, um zu schlafen, sondern um eine To-Do-Liste zu erstellen und zwei Dokumente für den heutigen Elternabend vorzubereiten. Daher ist es fast

2h00 als ich endlich schlafen will. Aber erstmal nicht kann. Ich wälze mich unruhig, schlafe nicht tief ein, muss auf Toilette… repeat

7h30 Jetzt muss ich spätestens aufstehen. Das Kind ist zum Glück schon wach und dabei, sich umzuziehen. Ich mache ihm seine Brotdose.

7h45 Das Kind geht los. Er will erstmals mit dem Bus zur Schule fahren. Ich lege mich nochmal hin. Die Seuche und der schlechte und wenige Schlaf fordern ihren Tribut.

9h30 Aufstehen. Telefonieren. Auf ein Projekt warten.

11h40 Projekt finalisiert rausschicken. Anderes Projekt angehen. Im Internet rumwabern. Der Drucker produziert wiederholt Papierstau. Ich höre nebenbei alle Briefcast-Folgen. (Es ist tatsächlich der einzige Podcast, den ich hören kann.)

13h35 Der Kammerjäger kündigt sich an.

13h50 Der Kammerjäger ist da und kontrolliert die Fallen. Nichts. Kein Zeichen, dass hier Mäuse sind. Da war wohl SuperCat1 ausreichend erfolgreich.
Als der Kammerjäger weg ist, kümmere ich mich um ein weiteres Projekt.

14h40 Projekt verschickt, jetzt könnte ich mal duschen gehen.

15h30 Ich muss unbedingt noch Zubehör für die morgigen AG-Versuche besorgen.

16h10 Wieder zu Hause meldet sich das Kind via Handy, dass er unterwegs sei. Als er kurz darauf da ist, muss er sich schnell fürs Lauftraining umziehen.

16h35 Der midi-monsieur ist wieder unterwegs. Ich esse endlich mal was. Dann bin ich total k.o. und lege mich vor den Fernseher. Ich kann aber nicht einschlafen. Dann fällt mir auch noch ein, dass ich noch was im Keller suchen muss.

17h50 Ich bekomme eine Mail in dieser Sache und eind wegen eines anderen wichtigen Projekts mit der Info, dass wir nichts Neues dazu bekommen und so die Timeline nicht halten können, was aber – zum Glück – nicht an uns liegt.

18h30 Das Kind kommt wieder, ich packe meine Sachen für den Elternabend, er geht sich einen Lahmacun kaufen. Wir klatschen uns ab.

18h47 Treffe an der Bushaltestelle eine andere Klassenmutter, die ich schon seit Kindergarten und Grundschule kenne. An der Schule verschwinde ich kurz im Lehrerinnentrakt, um was zu kopieren. Im Klassenzimmer werde ich gewahr, dass der Elternabend schon um 19h00 anfangen soll und nicht erst 19h30 (wie ursprünglich mal kommuniziert). Ich darf aber trotzdem noch schnell die mitgebrachten Sachen in meinen AG-Raum bringen.
Dann: Elternabend. Insgesamt ganz ok. Es entbrennt zwischendurch ein absurde Diskussion über Entschuldigungen und Beurlaubungen. Es scheint ein paar Eltern zu geben, die das mit der Schulpflicht vor den Ferien nicht so sinnvoll ansehen. Tjanun. Die Wahl zur Elternbeirätin verläuft kurz und schmerzlos: Neben mir hat sich noch eine andere Mutter angeboten. Ich bin zur ersten und sie zur zweiten Elternbeirätin gewählt worden. Rückweg zu Fuß, noch ein bisschen mit zwei neuen Müttern geschnackt.

21h30 Zu Hause. Das Kind kurz duschen und Zähneputzen geschickt. Noch zweidrei Sachen mit ihm besprochen – unter anderem übers Lernen und darüber, dass Sprache von Sprechen kommt. Ich freue mich, dass ich endlich auch mal „normale“ Schulgespräche mit dem Kind führen kann. Dann sage ich ihm gute Nacht.
Ich esse was, mache es mir auf dem Sofa bequem.

23h00 Der RB kommt nach Hause. Ich bin ziemlich k.o. und werde dann auch bald ins Bett gehen.

Lose Gedanken

Lose Gedanken

  • Es scheint, als brütete ich etwas aus. Heute habe ich mich ziemlich matschig gefühlt. So wattig im Kopf. Krankwerden wäre jetzt allerdings doof. Wobei die Nacht auch höchst bescheiden war. Durch- und ausschlafen ist schon anders.
  • Eine Telko gehabt, nach der ich sehr den Kopf schütteln musste.
  • Eine e-Mail gelesen, nach der ich noch mehr den Kopf schütteln musste.
  • Der nachmittäglich Diskussion im britischen Unterhaus gefolgt und weiter nicht aus dem Kopfschütteln rausgekommen.
  • Flammkuchen auf Lizza-Basis, gebacken auf dem Pizzastahl gegessen. Geht gut.
  • Einen Geburtstag nicht vergessen.
  • Letztens habe ich endlich die letzte OITNB-Staffel beendet. Für mich war ja schon die Staffel davor schwierig. Und nun war noch mehr Zeit vergangen. Ich war raus. Habe es aber ganz brav zu Ende geguckt. (Naja, „brav“/monkisch ist auch relativ: Bei House of Cards hat mich mein Monk verlassen und ich werde es wohl nicht zu Ende gucken.)
  • Endlich die Küdigung zu mein Abo für DAS Frankfurter Stadt geschrieben. (Wo findet eine denn auch die blöde Abo-Nummer wieder. Nach 5 Jahren Abo.)
  • Ich bin etwas unzufrieden mit mir.
Skinheads sind keine Nazis

Skinheads sind keine Nazis

Letztens waren wir auf einem Konzert. Wir, also der RB, das Kind und ich. The Movement machen sogenannten Hard Mod, also recht klassische Skinhead-Musik. Vor Ort trafen wir einen Bekannten, der den RB und dessen politische Haltung schon länger kennt. Kurz darauf traf ich ihn wieder und er fragte mich: „Geht Dein Sohn so wie bei Konzert auch in die Schule?“ So – damit meinte er Docs, Polohemd und Braces*. Dazu hatte das Kind auch ganz frisch auf 3mm gekürzte Haare. Er trug zwar eine kurze Hose dazu, aber sonst sah er aus wie Shaun aus This is England (amazon-PartnerLink). „Naja“, meinte ich, „in der Grundschule nicht. Da war ihm schon klar, dass er damit aneckt**. Mal sehen, wie es auf der weiterführenden aussieht.“ „Ich bin ja schon kurz zusammengezuckt“, meinte der Bekannte. „Ich weiß es ja eigentlich besser, aber diese Assoziation ‚Skinheads sind Nazis‘ ist echt stark.“

Ja, danke auch, liebe Medien, euretwegen wird kaum eine Subkultur so in eine äußerliche Sippenhaft genommen wie die Skinheads.

Doch Nazis gibt es überall. Nazis „verstecken“ sich in jeder Subkultur und am allermeisten sehen sie aus wie die nette Nachbarin und der hilfsbereite Kollege aus. (Wenn wir bedenken, dass durchschnittlich 12-15 Prozent die AfD wählen, dann müssten verdammt viele kahlköpfige Menschen durch Deutschland rennen. Und ja, die AfD sind Nazis!)

Die politische Gesinnung eines Menschen erkennt eine nicht dessen Aussehen.

Dass Skinheads – vor allem in Deutschland – mit Nazis verwechselt werden, hat mit der Entstehungsgeschichte der Skinhead-Subkultur in Deutschland zu tun.

Summer of ’69, Skinheads und Ska
Aber fangen wir vorne an: Der „Summer of ’69“ – also vor 50 Jahren – gilt als Beginn der Skinhead-Bewegung. In England. Wobei Beginn nicht bedeutet, dass die Skins damals auf einmal wie Pilze aus dem Boden schossen. Sie entwickelten sich aus den Jugendlichen der Nachkriegs-Arbeiterklasse. Die Hard-Mods gelten als direkte Skinheadvorgänger. Sie trugen bevorzugt Jeans und Stiefel und zunehmend kurze Haare. Wegen ihnen gilt Ska auch als die Musik der Skinheads gilt.
Ska war damals noch unbekannt und entsprechend unkommerziell. Das gefiel und passte natürlich auch zur Grundhaltung. Den Ska hatten die sogennanten Rude Boys, Einwanderer aus Kingston, Jamaika und Westindien, nach England mitgebracht. Die Rude Boys pflegten ihrerseites einen etwas schickeren Kleidungsstil, der sich mit dem der Hard-Mods mischte. Den Kleidungsstil der Hard-Mods wiederum kopierten ab Mitte der 1960er Jahre die Hooligans (ja, genau, Fußballfans, denen die dritte Halbzeit mindestens so wichtig war, wie das Spiel selbst). Und aus allen drei Subgruppen entwickelten sich dann die Skinheads – wie sie seit 50 Jahren genannt werden.

Skinhead-Mode
Die Skinheads kamen aus der Arbeiterklasse und es war ihnen wichtig, das zu zeigen und sich auch von den Hippies, die sich ebenfalls gerade entwickelten, abzugrenzen. Auch deswegen wählten sie einen eher derben Look aus Jeans, Stiefeln und kurz (nicht kahl) geschorenen Haaren. Dazu jedoch Hemden, Jeans- oder Harringtonjacken. Fred-Perry-Polos waren auch immer dabei. Die Skin-Girls trugen nicht selten Kostüme und oft einen Feather-Cut. Den Skinheads ging es dabei um eine Würdigung ihres Milieus. Militärische Uniformstücke waren verpönt. Lediglich die Bomberjacke wurde ab Ende der 1970er fester Bestandteil der Skinhead-Uniform. Die vermeintlichen Springerstiefel waren Arbeiter- oder DocMartens-Stiefel. Sicherlich von der Hooligan-Seite her kam die Sportmarke Lonsdale zu den Skins.

Farbige Schürsenkel gab es schon „immer“ in der Szene: Aus rein modischen Gründen oder auch, um die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Fußballverein, einer Gang darzustellen. Aber sicherlich NICHT aus politischen Gründen.

Politische Gesinnung
Dazu muss eine auch bedenken: Anfangs waren die Skins ziemlich unpolitisch und rassistisch schon mal gar nicht. Wie auch?! Viele Ska-Musikerinnen waren farbig. Möglicherweise stammt auch daher das Ska-typische Black&White-Muster: eine Banderole aus 3-4 Reihen Schachbrett-Muster.

Kein Skin kann Rassist sein, weil er sonst seine schwarzen Wurzeln verleugnet.

Roddy Moreno

Allerdings waren die Skinheads damals keine lieben Jungs, die nur friedlich Musik hörten. Sie haben sich durchaus einen etwas härteren Ruf erarbeitet – sei es als Hooligans, in Bandenkämpfen oder welchen Auseinandersetzungen auch immer***.

Skin-Punks
In den 1970ern entstand der Punk, der tatsächlich zu einer ziemlichen Modeerscheinung aufstieg. Aus der vermeintlichen Jugendbewegung entwickelten sich bald die Edel-Punks, von denen sich die Street-Punks abgrenzen wollten – sowohl optisch als auch musikalisch. Der Iro wurde abrasiert und der Oi-Punk aus der Taufe gehoben. Dieser neue Musikstil war (bzw. ist) deutlich mehr vom Rock geprägt und auch viel härter als Ska. Auch wenn sich die Skin-Punks insgesamt etwas derber kleideten als die Skinheads, ließ es sich kaum vermeiden, dass sie in einen Topf geworfen wurden. Zudem gab es durchaus auch eine Vermischung der beiden Subkulturen.

Als Ende der 1970er in England die Arbeitslosigkeit ziemlich hoch war, fruchtete Propaganda gegen Ausländer besonders gut. (Das Spiel war und ist nicht neu und wird wohl bis zum Ende der Menschheit funktionieren. Das zum Thema „der Mensch lernt aus der Geschichte“.) Gerade Teile der Skin-Punks waren empfänglich für diese rassistischen Botschaften, mit denen National Front und British Movement Stimmung machten und Anhänger fanden. Und für die Oi-Bands wuchs die Notwendigkeit, sich politisch zu positionieren: Von vielen gingen eindeutige antifaschistische und antirassistische Botschaften aus. Was allerdings einen Teil ihrer – mittlerweile – rassistischen Fans nicht davon abhielt, an „ihren“ Bands festzuhalten. Auf Konzerten kam es so immer wieder zu Ausschreitungen zwischen rechten und linken Konzertbesuchern, die teilweise sehr massiv waren und in den Medien – trotz kleiner Subgruppe – Erwähnung fanden. Die Gleichung, die sich aus den Berichten ergab, war einfach: Skinheads sind Rassisten. In diesem Fahrwasser entstanden Anfang der 1980er auch Blood&Honor und Combat18.

Skinheads in Deutschland
Ende der 1970er Jahre kamen zunächst der und die Punk(s) nach Deutschland. In den frühen 1980er folgten dann die Oi-Skins inklusive Musik. Es ließ sich nicht vermeiden, dass auch kurz drauf die rassistische Skinheadbewegung über den Ärmelkanal schwappte. Ein ideales Biotop für Bands wie Böhse Onkelz, Endstufe, Kraft durch Froide. Sie nahmen den Oi-Trend musikalischen auf und waren schnell in der Hooligan-Szene beliebt. Wie schon in England hatten es rechte Parteien auch in Deutschland recht leicht, gerade in dieser Subkultur Anhänger zu finden.

Die Ska-Skinheads waren zu diesem Zeitpunkt eine Randerscheiung in Deutschland.

Der Non-Spirit of ’89
Mit der Wende bekam die Boneheadbewegung**** noch einmal deutlichen Zulauf und dank Hoyerswerda (1991), Rostock-Lichtenhagen (1992), Mölln (1992) und Solingen (1993) waren sie omnipräsent in allen Medien.

DWDS-Wortverlaufskurve für „Skinhead“,
erstellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache,
abgerufen am 22.7.2019

Natürlich war in dieser Zeit die Rechnung „glatzköpfige Person = Nazi“ nicht falsch.

DWDS-Wortverlaufskurve für „Skinhead · Nazi · Neonazi“,
erstellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache,
abgerufen am 22.7.2019.

Aber die Rechnung war auch nicht ganz richtig. Wie viele Red- oder Oi-Skins haben in der Zeit schon aktiv dagegen gekämpft – immerhin waren sie zuerst da und die Boneheads haben sich vieles nur abgeguckt. Bezeichnend ist auch, dass sich bereits 1989 die erste S.H.A.R.P.-Gruppe in Berlin gründete.

À propos abgucken: Die Boneheads trugen anfangs aus Ermangelung an Alternativen und Gehirnzellen halt auch alles, was die Skinheads trugen. So ganz verbrieft ist es zwar nicht, dass Fred Perry tatsächlich jüdischer Abstammung war, aber allein die Option scheint Grund genug zu sein, dass die Nazis mittlerweile lieber ihrer eigenen Marken haben. Und auch Lonsdale ist so eine okkupierte Marke: Weil die britischen Skinheads damit rumliefen, wurde der Look erstmal von den Bonehads kopiert. Irgendwann kamen sie dann wohl auf den Trichter mit der halbgeöffneten Jacke und dass dann da NSDA steht. Das war niemals das Ansinnen der Marke und das Unternehmen positioniert sich schon seit Längerem eindeutig antirassistisch/ -faschistisch. Mehr dazu kann bei Lonsdale selbst nachgelesen werden.

Im Gegensatz zu den Skinheads rasierten sich Boneheads in der Regel nass und waren damit kahl. Aus der Riege der Alt-Nazis hieß es deswegen nicht selten, dass sie aussehen würden wie KZ-Häftlinge. Das war sicherlich auch ein Grund, warum sich der Look der (Neo-)Nazis immer mehr mäßigte. Natürlich gibt es auch heute noch Boneheads, aber das ist sicherlich nicht die Mehrheit. Guckt Euch die Bilder von aktuellen Nazi-Demos an: Die meisten sehen aus wie der nette Nachbar oder die freundliche Kollegin.

Und doch haben es die deutschen Boneheads und rechten Skin-Punks aus England geschafft, dass bei keiner anderen eigentlich musikalischen geprägten Subkultur die Assoziationsfalle so schnell zuschnappt. Es steckt in vielen Köpfen sehrsehr tief drin: Ein Mann mit Glatze ist ein Skinhead ist ein Nazi. Kommen dann noch weitere äußerliche Attribute wie DocMartens / Springerstiefel*****, Jeans, Polohemd, Hosenträger und (viele) Tattoos dazu, kommt die Person so schnell nicht mehr aus der Klischee-Schublade raus. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Mensch NICHT rechts ist, ist heutzutage sehr groß. Musikalische sind sie „traditionell“ im Ska oder (linken) Oi-Punk zu Hause. (Gerne nehmen der RB und ich Euch mit auf ein Konzert, zu denen ich auch ohne Bedenken das Kind mitnehme.)

Die Nazis haben mittlerweile andere Symbole und Marken. Oft versteckter und eine muss und sollte sie kennen. Eine Übersicht findet ihr hier oder da.

So. Und nun habe ich fertig. Wer bis hier gelesen hat, bekommt noch was auf die Ohren:

Ach, und hier noch ein paar Links, für alle, die noch mehr lesen wollen:

Geschichte der Skinheads

– die Magisterarbeit eines schwulen Skinheads

Belltower

– Mut gegen Rechts

www.rash-darmstadt.de/index2.php?Geschichte

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* Hosenträger

** Im Sinne von einfach anders aussehen

*** Hier will und darf ich nicht das Pakistani-Klatschen verschweigen. Das hatte sicherlich (alltags-)rassistische Momente, aber fällt sicherlich nicht unter den systematischen Rassismus / Faschismus der späteren Boneheads.

**** Zur Abgrenzung von der ursprünglichen Skinhead-Bewegung und bezugnehmen auf die bei Nazis beliebte polierte Glatze, wurden und werden Nazi-Skins „Boneheads“ genannt.

***** Als ob jede direkt hohe Docs von Springerstiefeln unterscheiden könnte.

Der Widerstand gewinnt

Der Widerstand gewinnt

Ich habe vom antifaschistischen Widerstand geträumt. Es gab viele Rückschläge, aber am Ende haben wir gewonnen.

Ich hoffe, dass das wahr wird, bevor die Blaubraunen stärkste Kraft werden.

Ich will nicht, dass Nazis regieren. Weder in dem Land, in dem ich lebe, noch woanders. Nirgendwo auf der Welt.

#NazisRaus

Brotjobfreier Freitag

Brotjobfreier Freitag

  • Der Tag fängt damit an, dass mir die Glaskugel des Tages verliehen wird. Der RB und ich regen uns noch eine Weile auf. Also nicht über die Glaskugel, sondern über den Grund für die Glaskugel.
  • Das Kind war heute morgen sehr müde. Verständlich, war er doch gestern lang mit uns auf.
  • Freitag ist seit Neustem mein freier Tag. Also muss ich mich nicht an den Rechner setzen. Tue es aber doch, um eine e-Mail zu verschicken.
  • Das Gute am brotjobfreien Freitag ist, dass ich mir morgens Gedanken machen kann, was ich nachmittags mit den Kids in der AG anstellen kann. Ich sollte mir allerdings langsam mal ein Konzept überlegen und etwas langfristiger planen.
  • Das Gute am brotjobfreien Freitag ist auch, dass ich dann noch Zeit habe, Zubehör für die Versuche zu besorgen und vorzubereiten.
  • Auch gut am brotjobfreien Freitag ist auch, dass ich mich mittags mit Menschen treffen kann.
  • Die AG war gut und hat allen Spaß gemacht. Ich sehe es so gerne, wie die Kids mit Begeisterung dabei sind und die Infos aufsaugen.
  • Das Kind genießt die freien Freitagnachmittage, während ich in der Schule bin und er zu Hause ist.
  • Kinoabendbeschluss. Twitter half bei der Auswahl und so guckten wir Captain Marvel und hatten ein ausgewogenes Nachtmahl dazu.
  • Vorfreude aufs morgige Ausschlafen.