74
Es ist Tag 74 seit Einleitung diverser Veränderungen in meinem Leben. Es ist extrem viel in Bewegung gekommen, seitdem ich dem Da-noch-nicht-Ex fragte, ob wir noch zusammen seien. Und mir geht es wirklich gut mit alldem. Ich freue mich über alles Neues, was sich seitdem entwickelt hat und auf alles Neues, was noch kommen wird. Ich bin wieder viel mehr ich. Oder vielleicht bin ich auch wieder ganz ich. Ein Ich, an das ich mich aber noch gewöhnen muss. Ein Ich mit alten – bewährten – und neuen Features. Ich erlebe mich verletzlicher, weicher und auch gnädiger mir selbst gegenüber. Das waren für mich lange Schwächen, die ich nicht zulassen wollte. Ich bin doch stark und groß und kann alleine. Nein, kann ich nicht, muss ich auch nicht.
Es ist aber auch der 74. Tag, ab dem mein Essverhalten nicht normal ist. Ich habe deutlich abgenommen, was für mich auch dringend nötig war, denn ich hatte schon wieder körperliche Beschwerden durch mein Gewicht. Mir schlägt Stress immer auf Appetit und Hunger. Und während ich in den ersten Tagen keinen Hunger und keinen Appetit hatte, hatte ich dann irgendwann zwar – zumindest hin und wieder – Hunger, aber keinen Appetit. Was gut mit Blick auf meine Angst vor einer erneuten bulimischen Phase war. Ich habe so wenig gegessen, dass ich auch nicht einmal daran gedacht habe, mir den Finger in den Hals zu stecken.
Nun geht es mir insgesamt so gut, dass ich wieder „normal“ essen könnte, aber ich tue es nicht. Ich gefalle mir gerade gut – auch wenn meine Körperwahrnehmung mal wieder gestört ist – und habe Angst, dass ich so schnell wieder zunehme, wie ich abgenommen habe. Und ich fühle mich nicht wohl mit mehr Gewicht bzw. wenn meine Röcke spack sitzen. Aber tagsüber nur Joghurt und ein Abendessen sind auf Dauer nicht genug. Aber auch das wird werden. Erzwingen kann und sollte ich da halt gar nichts.