Nicht ohne Schutzbrille

Nicht ohne Schutzbrille

Yeah! Puhh! Jippiiieee! Geschafft! *seufz* – So habe ich mich gestern abend gefühlt, als nur noch der mini-monsieur, Mary Poppins und ich am Tisch saßen und Pizza aßen. Das war so gegen 20h00. Die Gäste vom mini-monsieur waren vor über einer Stunde gegangen. Gegangen nach sehr kurzweiligen und für die Kinder sehr spannenden vier Stunden.

Wer mit auf twitter oder ig folgt, weiß, dass ich bis zum Vortag noch gezittert hatte, ob ich wirklich alle Versuche durchführen kann. Waren für zwei der zehn vorgesehenen doch böseböse Chemikalien nötig. Die Apotheke – ja, ich war nur in einer, weil ich einfach keine Zeit hatte, diverse Apotheken im Viertel oder gar der Stadt abzuklappern – konnte mir nur einen Bruchteil der benötigten Chemikalien besorgen.

Aber ich hatte doch schon das benötigte Labormaterial besorgt. Das musste also irgendwie gehen.* Und nach meinem Hilferuf auf fb war ich meinem Plan wieder deutlich näher. Nur dass natürlich Mittwochnacht-Bestellungen bei Post-Streik eher suboptimal sind. Aber Freitag (!) war alles da, sodass ich nachts noch testete. Yeah!

Am Samstag waren nur noch ein paar kleine letzte Vorbereitungen – Törtchen, Melone, Eismasse, Spritzen aufziehen, Ammoniak verdünnen – zu machen und so waren wir eine Stunde vor Einladung bereit. Und während die Regenwolken über uns hinwegzogen und es auch immer wieder nass wurde, war ich sehr froh, einen Indoor-Geburtstag geplant zu haben.

Die kleinen Forscher kamen ziemlich pünktlich. Da unter den Kindern zwei dabei waren, die noch nie beim mini-monsieur waren, habe ich sie erstmal spielen lassen.

Vermutlich hätten sie auch einfach den ganzen Nachmittag getobt, aber als ich sie nach 20 Minuten fragte, ob sie Lust aufs erste Experiment hatten, hätten sie mich fast umgerannt. Und wie schon im letzten Jahr habe ich auch bewusst nicht mit Kuchen essen angefangen.

Bevor es losging, bekamen sie eine Laboreinweisung:

  • Mit behandschuhten Händen nicht sich oder wem anders ins Gesicht langen.
  • Ich bin Buck. Also alles hört auf mein Kommando.
  • Es wird nichts, mit dem wir experimentieren, in den Mund genommen.
  • Es geht den ganzen Nachmittag nicht um Wettbewerb, sondern ums Beobachten, Staunen, Mitmachen. Es kann keiner gewinnen!

Eifriges Nicken, kein Gerangel. Als alle sitzen, verteile ich Petrischalen und Pipetten für den Apfelversuch.

Jedes Kind bekam einen andere Apfelsorte. Aus jedem wurden zwei Schnitze geschnitten, die sie dann in die Petrischale legen sollten. Ein Schnitz blieb unbehandelt, auf den anderen sollten sie Zitronensaft träufeln. Dann wurden sie hingestellt, um zu gucken, was im Laufe des Tages damit passiert.

Da es gerade nicht regnete, beschloss ich Experiment zwei und drei zu tauschen, da wir für das eine Sonne brauchten. Also erstmal Zauberpapier aka Cyanotypie (danke an Frau DrehumdieBolzenIngenieur für die Idee).

 

Und während die blauen Bilder trockneten, waren wir auch schon bei Versuch 3. Einer der Versuche, für die ich die bösen Chemikalien brauchte: der Chemische Garten.

Die Fast-Schulkinder waren aber sehr konzentriert bei der Sache. Es gab weder ein Hauen und Stechen mit den Pinzetten, noch haben sie mit den Metallsalz-Kristallen eine Schneeballschlacht begonnen. Stattdessen bestückte jedes Kind eifrig und gespannt sein Glas mit verdünntem Natronwasserglas mit jeweils einem der drei verschiedenen Kristalle. Erfreulicherweise passierte in ihren Gläsern schneller was, als in meinem am Vorabend beim Testen.

Dann wollten sie erstmal das Kinderzimmer verwüsten spielen. Außerdem kam just Mary Poppins und so konnten wir in Ruhe das nächste Experiment vorbereiten.

Kurz bevor das Spiel zu kippen drohte wegen Unterzuckerung, fragte ich ins Kinderzimmer, ob sie denn Eis wollen. Einmal mehr war ich froh, dass es nur sechs Kinder waren, denn wie laut hätten wohl noch mehr Kinder „JAAAAA“ gebrüllt. 🙂 Dass sie das Eis allerdings selbst machen sollten, hatten sie nicht erwartet.

Als sich aber erwartungsgemäß nicht so viel tat, streute ich Spezial-Pulver (aka Salz) auf die Eiswürfel.

Und siehe da, es wurde langsam fester. Sehr langsam und wir stellten das Eis beiseite und gingen zum Kuchenessen über. Aber einfach so geht das natürlich nicht bei einer Experimente-Feier. Es gab also Kuchen mit Effekt.

Und dann wurde erstmal gegessen. Neben den Muffins Vulkanen gab es noch Erdbeer-Törtchen, Erdbeeren pur und Melone. Mehr braucht es wirklich nicht.

Als alle gesättigt waren, ging der mini-monsieur seine Geschenke auspacken. Aber so richtig bei der Sache war er nicht. (Ganz ehrlich: Wenn die Kinder nicht schon so blöd drauf konditioniert wären, dann würde ich gerne sagen: „Nichts schenken. Das Kinderzimmer ist voll.“)

Daher rief ich zum nächsten Experiment: Chromatographie. Wir wollten also gucken, aus welchen Farben wohl die einzelnen Stiftfarben – gelb, orange, rot, blau, rosa, violett, grün, schwarz, silber und gold – bestehen.

Und weil wir gerade so bei Stift und Papier waren, schob ich den Versuch mit der Zaubertinte*** hinterher. Mit der hellblauen Zaubertinte malten alle unsichbare Bilder auf ihr Blatt.

Die in einer geheimnisvollen Kiste*** auf dem Balkon (so geheimnisvoll, dass es kein Bild davon gibt) entwickelt haben. Soweit es eben ging. Allerdings hat das nicht ganz so geklappt. Ich vermute mal, dass die Zaubertinte zu niedrig konzentriert war.

Als nächstes versuchten wir, Luftballons ohne Pusten aufzublasen. Das soll gehen?! Wir gingen auf den Balkon mit Erlenmeyerkolben, Trockenhefe, Backpulver, Natron, Essig, warmem Wasser und Zucker.

Jetzt wissen die Kinder also, warum man Backpulver, Natron oder (Trocken-)Hefe beim Backen braucht. Und dass die Hefe etwas länger braucht, weil sie es gern kuschelig und süß mag, und dann (gewissermaßen) pupst.

Mittlerweile war es schon 17h30. Also noch eine Stunde bis zum Abholen. Nach Hunger sahen die Kinder nicht aus (also keine Pizza), also lieber noch ein letztes Experiment. Aus vorgeschnittenen Teilen und einer Filmdose fertigte sich jedes Kind eine Rakete an, die wir dann zum krönenden Abschluss und tatsächlich mit einem kleinen Knall haben fliegen lassen.

Nach ein paar Starts zur allgemeinen Belustigung, gab es noch eine Runde Eis, das nun endlich gefroren war. Dann spielten die Kinder noch friedlich bis die ersten Eltern pünktlich kamen und versuchten, das richtige Kind mit den richtigen Schuhen wieder einzusammeln. Zum Abschied gab es noch die (leider) obligatorische**** Mitgebsel-TüteBox mit:

  • eine Lego-Forscherfigur
  • Ahoi-Brause
  • Seifenblasen*****
  • bisschen Süßkram
  • Cyanotypie-Bild
  • Zaubertinten-Bild
  • Chromatographie-Blatt
  • Spritze

Und dann war Ruhe. Nur ein strahlender mini-monsieur erinnerte daran, dass es wohl eine sehr spannende und spaßige Angelegenheit war. Und dass es genau richtig war, keine Wettbewerbsspiele gemacht zu haben. Es dauerte noch eine Weile, bis er endlich schlafen und ich mich danach meinem Bier widmen konnte.

Nächstes Jahr will er übrigens im kleinesten Kreis feiern. Denn er will nach Köln ins Maus-Museum. Und dazu sollen nur der Kumpel, der bald nach Köln zieht, und die (meine) Freundin, in die er schwer verliebt ist und die in Köln wohnt, eingeladen werden. Ich bin gespannt, was daraus wird 🙂

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* Ich hatte sogar den Verlag des Buches angeschrieben und bekam am nächsten Tag eine e-Mail vom Autor höschstpersönlich. Was sollte da noch schief gehen. (Affiliate-Link)

** Schoko = 200 mL (1 Be) Sahne + 9 gut gehäufte Löffel Kakao + 300 mL Milch
Vanille = 200 mL Sahne + 1 Be fertige Vanille-Soße mit Milch auf 500 mL auffüllen

*** Zaubertinte = Kupfersulfat-Lösung; Zauberbox = Schuhkarton mit Schlitz und Ammoniaklösung drin

**** Das gleiche Kind wie im letzten Jahr hat auch dieses Mal schon wieder total danach gejiepert. Ich kann das nicht leiden.

***** Eigentlich war auch noch ein Seifenblasen-Versuch vorgesehen, aber auf den habe ich dann aus Zeitgründen verzichtet.

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